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KTM

Mit dem X-Bow auf die Rodelbahn

KTM X-Bow by MTM Foto: Hans-Dieter Seufert 9 Bilder

Der Berg ruft - und ein von MTM getunter KTM X-Bow folgt ihm. Spikes-bereift fräst das Riesen-Kart durch den Schneekanal im österreichischen Kühtai. Und statt Fliegen kleben beim Driften Eiskristalle an der Seitenwand.

12.03.2009 Marcus Peters

Ein Riesen-Kart auf einer vereisten Rodelbahn. Dass diese Idee verrückt ist, muss man nicht erst erwähnen. Dass sie sich umsetzen lässt, dagegen schon. Denn tatsächlich steht der KTM X-Bow in Österreichs höchstgelegenem Ski-Ort Kühtai bereit - auf schneesicheren 2.020 Meter über Null. Bei minus elf Grad riecht die Bergluft nach Abenteuer. So offen, wie ihn seine Entwickler schufen, wartet der Mittelmotor-Zweisitzer an der Talstation. Wie ein Missverständnis wirkt er im Schnee. Immerhin ist der KTM, wenn schon nicht mit Skiern, dann doch mit Nokian-Spikes präpariert. Und mit mehr Leistung. 310 statt 240 PS bestätigt MTM-Chef Roland Mayer.

Rodeltauglicher X-Bow

Der Audi-Tuner mit der Ladedruck-Aura hat den KTM X-Bow rodeltauglich präpariert und außerdem als lohnendes Tuning-Objekt entdeckt. Die 240 PS des X-Bow erfüllen das Rennwagen-Versprechen eben nur zum Teil. Weshalb KTM schon für den Einsatz beim Race of Champions 30 zusätzliche PS per Steuergerät-Upgrade eingehaucht hat - und hiervon eine limitierte Edition produzieren wird. MTM setzt noch einen drauf: Mit geändertem Lader, Metall- Katalysator, Auspuff- und Ansauganlage stemmt der getunte KTM 420 Nm. Damit dürfte das Leichtgewicht sogar die Zugspitze erklimmen können. Da sollte die rund zwei Kilometer lange Rodelstrecke in Kühtai nicht mehr als eine Aufwärmübung sein.

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Fahrbericht KTM X-Bow by MTM
auto motor und sport 05/2009
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KTM X-Bow im Schnee 2:14 Min.

Zwei-Mann-Monocoque aus Kohlefaser

Ein Schlagbaum trennt die Privatstraße hinauf zur Skihütte Graf-Ferdinand-Haus vom öffentlichen Verkehr. Im Frühtau rollt der X-Bow zu Berge, lange bevor der Rodelbetrieb öffnet. Der eisige Wind ist allerdings schon wach und pfeift durch den Spalt im Visier des Integralhelms. Wetterschutz trägt man im KTM in Form von Thermokleidung ausschließlich am Mann; es gibt weder Dach noch Frontscheibe, aber laut Prospekt eine Heizung, was sich schnell als Euphemismus herausstellt - ihre Wirkung ähnelt der eines Tauchsieders in einem Schwimmbecken. In den türlosen KTM steigt man wie in eine Badewanne mit Sitzkissen.

Sein Chassis ist ein Zwei-Mann-Monocoque, das komplett aus Kohlefaser besteht; der Werkstoff sieht edel aus, bietet den Schuhen jedoch kaum Halt. Eng ist es zudem. Das Vorbild des KTM X-Bow ist ein Formel-Rennwagen, und der ist eben nicht für eingemummelte Fahrer konzipiert. Sperrig geben sich auch die Vierpunkt-Hosenträgergurte, wenn die dicken Skihandschuhe nach ihnen angeln. Bei diesem Schneeausflug stößt der Pilot schon im Stehen in den Grenzbereich des KTM vor. Teil der normalen Autowelt ist dagegen das Anfahren. Ebenso wie das Getriebe stammt der Zweiliter-Turbo aus dem Audi TT, und das Tuning hat nichts an der leichten Bedienbarkeit der Kupplung geändert.

Der KTM X-Bow rollt los, wobei der Schlupf an der angetriebenen Hinterachse als mahnende Erinnerung verstanden werden soll: Achtung, es gibt keine Traktionskontrolle, kein ESP, nicht einmal ABS. In diesem Fall ist das sogar hilfreich, um den Berg im Rallye-Stil quer zu erklimmen. Das Konzept des Riesen-Karts mit der versammelten Masse aus Motor, Getriebe und Kühler rund um die Hinterachse dürfte das Vorhaben begünstigen. Sollte das Heck dennoch störrisch reagieren, so würde es der Einsatz der 420 Nm sicherlich zum Umschwenken überzeugen. Die Spitzkehre naht. Eine erste Überdosis Gas soll die Hinterachse berauschen, benebelt aber stattdessen die Vorderräder. Sie geraten aus dem Tritt, verlassen den rechten Weg und schlittern Richtung Schneewall, der links und rechts die Strecke begrenzt. 

Trotz Spikes kein Carver

Die zerklüftete Front zerfurcht den Schneeberg - zum Glück nicht umgekehrt. Der Vorderwagen ist zu leicht, die Reifen bauen kaum Seitenführungskraft auf. Erst jüngst kämpften Rennprofis im KTM X-Bow mit der heiklen Disbalance aus Unter- und Übersteuern - beim Race of Champions auf dem rutschigen Hallenboden. Auf festgefahrenem Schnee lenken die Vorderräder noch konturloser ein: Selbst ein Millimeter lange Spikes machen aus dem X-Bow noch lange keinen Carver. Strategiewechsel. Gas alleine reicht in engen Kehren nicht. Handbremse?

Ein kräftiger Zug am senkrecht aufragenden Hebel desillusioniert - der Weg ist zu lang, die Wirkung reicht kaum zum Blockieren. Also kurz nach dem Einlenken in den ersten Gang herunterschalten und die Kupplung barsch kommen lassen. Die Hinterachse blockiert, rutscht, das Heck keilt aus. Während sich die Vorderräder im Scheitelpunkt einhaken, schwenkt der Rest wie um einen Zentrierpunkt herum. Leichte Animations-Gasstöße halten das Heck in Schwung.

Minus elf Grad bei geöffnetem Visier

Und schon folgt die nächste Überraschung: Von den Hinterrädern aufgewühlt, rauscht eine Eisfontäne durch den Visier-Luftspalt die Nasenlöcher hoch. Minus elf Grad sind ganz schön prickelnd. Im KTM verschaffen sich die Elemente freien Zutritt. Wo ist der Windbändiger, wenigstens ein Scheibenstummel? Nichts. Stattdessen raspelt die Windfeile bei geöffnetem Visier die Wangen blank. Mit geschlossenem Helm versinkt die Piste nach wenigen Atemzügen im Nebel-Beschlag. Dann doch besser Rotbäckchen sein, als sich in einen Schneehaufen zu verirren. Zweiter Gang. Beim Herausbeschleunigen zieht der KTM X-Bow einen Kometenschweif aus Eiskristallen hinter sich her und erstürmt mit sattem Auspuff-Bass die Gerade.

Dritter, vierter Gang. Jedes Mal verlieren die Spikes den Kampf gegen den massiven Turbo-Boost, und der schwänzelnde X-Bow verlangt nach energischen Kurskorrekturen. Was als anmutiges Eisballett gedacht war, sieht wohl eher nach rustikalem Schneewalzer aus. Für den Tiefschneetanz hat Audi-Tuner MTM die Bodenfreiheit erhöht. So lässt sich der X-Bow nicht einmal von Buckelpisten aushebeln und driftet euphorisch über die Piste, bis selbst aus den Geraden endlose Wechselschwünge werden. Dann verhallt das letzte Begrenzer- Stakkato im Ötztal, und die Tiroler Berge haben ihre Ruhe wieder.

Der X-Bow parkt vor der Skihütte, drinnen reanimiert Jagertee die taubgefrorenen Glieder. Alle Beteiligten grinsen in sich hinein wie Lausbuben - über den anarchischen Streich des Rennwagens auf der Rodelbahn. Plötzlich rückt Mayer mit einer Vision heraus: Man könnte doch einen Lamborghini-V10 in einen verlängerten KTM X-Bow einpassen. 560 PS für knappe 900 Kilogramm. Dass die Idee verrückt ist, muss man nicht erst erwähnen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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