Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Daimler Hauptversammlung

Daimler schließt Entlassungen in der Krise nicht aus

Mercedes-Benz Logo 2007 bis 2010 53 Bilder

Der Autobauer Daimler stellt sich auf ein Krisenjahr ein und schließt auch Entlassungen nicht mehr aus. "Nach unserer Einschätzung werden die Automobilmärkte die Talsohle frühestens in der zweiten Jahreshälfte durchschreiten", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin.

08.04.2009

"Das erste Quartal wird deutlich negativ." Deshalb müsse in allen Geschäftsbereichen der Gürtel enger geschnallt werden. Den Mitarbeitern will Zetsche mit einem Bündel an Sparmaßnahmen herbe Lohneinbußen abverlangen. Zu Entlassungen könne es im äußersten Fall kommen, wenn die Krise weiter anhält. "Zu einer Kündigung darf aber nur als Ultima Ratio gegriffen werden", sagte Finanzvorstand Bodo Uebber. Zuvor müssten alle anderen Möglichkeiten wie Kurzarbeit oder Abbau von Arbeitszeitkonten ausgeschöpft werden. Ein Beschäftigungssicherungspakt schließt betriebsbedingte Kündigungen eigentlich bis Ende 2011 aus. In Krisenzeiten kann davon aber abgewichen werden, sofern der Betriebsrat zustimmt.

Zetsche fordert eiserne Kostendisziplin
 
"Wir werden nicht zulassen, dass ein Unternehmen gefährdet wird, dessen Marken und Produkte weltweit als Aushängeschild der deutschen Industrie gelten", sagte Zetsche. Im Wettlauf um die Entwicklung umweltfreundlicher Antriebe werde Daimler trotz der Krise Gas geben. "Eiserne Kostendisziplin ist in der Automobilindustrie heute zwar eine notwendige Bedingung zum Überleben der Gegenwart", sagte Zetsche. "Wer aber zulässt, dass der Rotstift an die Stelle strategischer Planung tritt, gefährdet seine Zukunft."

Daimler Hauptversammlung 2009 1:56 Min.

Genaue Prognose noch nicht möglich

Für das Gesamtjahr stellt sich der Stuttgarter Autobauer aber wegen des seit Monaten anhaltenden Sinkfluges beim Absatz auf einen "deutlichen Rückgang des Geschäftsvolumens" ein. Beim Ergebnis werde mit "weiteren erheblichen Belastungen" gerechnet, sagte Zetsche. Eine genau Prognose sei in der derzeitigen Situation nicht möglich. Der Umsatz werde voraussichtlich in allen automobilen Geschäftsfeldern rückläufig sein.

Die Bremse kam zu spät

Zetsche räumte ein, im vergangenen Jahr nicht sofort auf den Absatzeinbruch reagiert zu haben. Deshalb seien zu viele Autos auf Halde produziert worden. "Ich gebe zu: Im Nachhinein würden wir uns  wünschen, wir hätten Mitte letzten Jahres sogar noch früher gebremst", sagte er. Als Reaktion auf die dramatische Krise will Zetsche in diesem Jahr mehrere Milliarden Euro einsparen. Allein die Daimler-Personalkosten in Deutschland sollen um rund zwei Milliarden Euro sinken, dabei soll den Beschäftigten tief in die Tasche gegriffen werden. "Ohne einen substanziellen Beitrag auch der Arbeitnehmerseite wird es nicht gehen", sagte Zetsche.

Lohneinbußen bis zu 14 Prozent

Die Kurzarbeit für die 68.000 Produktionsbeschäftigten in den deutschen Werken reiche nicht mehr aus. Deshalb soll auch die Wochenarbeitszeit für 73.000 Mitarbeiter in Verwaltung, Einkauf sowie Forschung und Entwicklung um bis zu fünf Stunden gekürzt werden. Dies bedeutet Lohneinbußen von bis zu 14 Prozent. Außerdem will der Konzern bei den Zuschlägen zum Kurzarbeitergeld sparen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld zusammenstreichen und die für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung von 2,1 Prozent auf Dezember verschieben. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollen Ende April abgeschlossen sein.

Posten des Strategievorstandes wird gespart

In der Verwaltung sollen die Kosten im laufenden Jahr noch einmal um 500 Millionen Euro gedrückt werden. So habe das Unternehmen auch bei Dienstreisen und Beraterkosten den Sparkurs "nochmals drastisch verschärft", sagte Zetsche. Auch die Aktionäre sollen sich mit einer von 2,00 Euro auf 0,60 Euro gekappten Dividende zufrieden geben. Den Posten des Strategievorstandes wird der Konzern nach dem Wechsel von Rüdiger Grube auf den Chefsessel der Deutschen Bahn einsparen. Die Aufgaben werden künftig auf Zetsche, Finanzvorstand Bodo Uebber und den neuen Personalvorstand Wilfried Porth verteilt.

Um die Bilanz zu entlasten, soll außerdem die Zahl der auf Halde produzierten Fahrzeuge nach und nach zurückgefahren werden. Der Pkw-Absatz ist bei dem Premiumhersteller seit Monaten auf Talfahrt, in den ersten drei Monaten 2009 brachen die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent ein. Bei den Nutzfahrzeugen rauschte der Absatz sogar um 39 Prozent nach unten. Bereits im vergangenen Jahr war der Gewinn des Konzerns um fast zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro zusammengeschmolzen. Das operative Ergebnis schrumpfte von 8,7 Milliarden Euro auf 2,7 Milliarden Euro. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 95,9 Milliarden Euro zurück.
 
Neue Belastungen drohen im laufenden Jahr durch die verbliebene Beteiligung am angeschlagenen US-Autobauer Chrysler. Im Falle einer Insolvenz des derzeit nur noch dank Staatshilfen überlebenden US-Herstellers können "wir Auswirkungen auf das Ergebnis 2009 nicht ausschließen", sagte Uebber. Im vergangenen Jahr schlugen die Belastungen durch den knapp 20-prozentigen Chrysler-Anteil mit mehr als drei Milliarden Euro zu Buche.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige