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Restaurierung

Kugelumlauflenkung

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Kugelumlauflenkungen gelten allgemein als komfortabel und robust. Dennoch ist nach einigen Jahrzehnten Betrieb meist eine gründliche Sanierung nötig. Hier gibt's die wichtigsten Tipps. Und es wird mit einer verbreiteten Fehlannahme aufgeräumt.

22.02.2010 Thomas Wirth Powered by

Die Tester zeigten sich seinerzeit begeistert. Es war 1953, als Mercedes- Benz mit dem Modell 180 einen großen Schritt in die Zukunft gewagt hatte. Bereits die Ponton-Karosserie bewies das auf den ersten Blick. Doch auch beim Fahren überzeugte der Wagen. In auto motor und sport lobte Werner Oswald die "leichte Bedienbarkeit, Handlichkeit und Fahrsicherheit" des neuen Mittelklassemodells: "In erster Linie trägt hierzu die hervorragende Lenkung bei."

Damenwahl: Einparken wird zum Kinderspiel

Es war das erste Mal, dass Mercedes die leichtgängige Kugelumlauflenkung montierte. Der 190 SL sollte folgen. Auch andere Hersteller - zum Beispiel BMW, Opel oder auch Land Rover - statteten verschiedene Modelle mit diesem Lenksystem aus. Kritik blieb anfangs jedoch nicht aus. Der Ponton galt manchem als "Damenwagen", weil er sich mit damals unerwartet leichter Hand einparken ließ.

Dreieinhalb Lenkradumdrehungen genügten zudem, um von Anschlag zu Anschlag zu kurbeln. Autos für Männer jedoch, so die weit verbreitete Meinung, hätten Lenkbefehle präziser umzusetzen. In der Mittellage, also dem Bereich, in dem man sich beim Fahren meist befindet, galt nicht Wenigen die Mercedes-Lenkung als etwas zu indifferent. Besonders spürbar war dies, wenn Verschleiß für Spiel im Lenkgetriebe sorgte.

"Am Lenkrad", sagt Mercedes-190 SL-Experte Fritz Wallner aus München, "darf das Spiel maximal 25 Millimeter betragen." Ist dies der Fall, sollte zunächst das komplette Lenksystem mit seinen Spurstangen samt deren Anlenkungen überprüft werden. Oft liegen die Fehler hier und nicht im Inneren des prinzipiell robusten Lenkgetriebes. Das jedoch gerät in den Verdacht, wenn im Stand beim Drehen des Lenkrads leicht mahlende Geräusche zu hören sind.

Die Lenkungen sterben alle gleich

Das sagt Fritz Wallner aus Erfahrung: "Erst läuft ihr Öl am verhärteten unteren Dichtring aus. Dann sorgt die Reibung für schwere Schäden im Inneren." Es wäre ein Wunder, wenn nicht findige Trickser schon vor Jahrzehnten eine Lösung entdeckt hätten, die diese Schäden kaschieren kann. Statt des korrekten Schmierstoffs, dem hochbelastbaren Hypoidöl 85 W-90, füllen sie zähes Fett ins Lenkgehäuse. Das Ergebnis ist wenig überzeugend: Zwar hält sich das Fett im Lenkgetriebe, aber der Verschleiß schreitet dennoch schnell voran.

Zudem haftet ein populärer Irrtum an der Kugelumlauflenkung. Immer wieder wird versucht, Spiel im Lenkrad durch Einstellen zu minimieren. Doch wenn für dieses Spiel die Abnutzung der Kugeln und deren Laufbahnen verantwortlich sind, ist eine Korrektur unmöglich. Beseitigen lässt es sich dennoch. Dafür müssen Kugeln im passenden Übermaß eingesetzt werden. Zwischen 60 und 64 Stück sind es bei den Mercedes-Lenkungen. Ihr Durchmesser stimmt, wenn die Mutter zäh, aber rund läuft. Sie darf keinesfalls hängen bleiben.

Diese Reparatur setzt allerdings voraus, dass die Oberfläche der Kugellaufbahnen durchweg unbeschädigt ist. Aufbrüche treten meist im mittleren Bereich auf (siehe Fotoshow). Das wundert nicht, weil die Lenkung hier greift, wenn das Lenkrad in der Mittelstellung steht - es ist die Standardsituation beim Fahren. Bei solchen Schäden lässt sich ein Lenkgetriebe nur noch dann reparieren, wenn eine passende Lenkschnecke samt -mutter zur Verfügung steht.

Zwei Möglichkeiten zur Einstellung bieten die Kugelumlauflenkungen dennoch. So lässt sich das Axialspiel der Lenkschnecke korrigieren; das richtige Maß liegt bei maximal 0,01 Millimeter. Zudem minimiert eine Druckschraube (siehe Fotoshow) das Axialspiel der Lenkwelle. So können die Pfanne im Arm der Lenkwelle und die Kugel der Lenkschneckenmutter ohne Luft ineinandergreifen. Wichtig ist dabei, dass die Lenkwelle in keinem Fall klemmen darf, wenn sie die Mittelstellung durchläuft. Unterm Strich bleiben defekte Lenkungen eine Aufgabe für Profis. Schon kleine Fehler können gefährlich werden - oder zumindest teuer. Eine falsche Einstellung genügt dabei bereits.

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