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Land Rover 90, 110 und Defender bis 1993

Anders als die anderen

Land Rover 90, 110, Defender, Seitenansicht, Werkstatt Foto: FACT 8 Bilder

Einem angehenden Land Rover-Käufer sind atemberaubende Formen oder beeindruckende Fahrleistungen egal. Er sucht das Abenteuer abseits des Alltags in einem raubeinigen Gefährt und hat Freude daran, es zu bändigen. Für die Wartung und Reparatur dieser Autos eignen sich am besten solche Werkstätten, die sich mit beiden auskennen - mit den Land Rovern und mit ihren Besitzern.

07.10.2013 Bernd Woytal Powered by

Die 1983 präsentierten Land Rover One Ten und die kurz danach folgenden Ninety fahren sich zwar etwas kommoder als ihre blattgefederten Urahnen, ansonsten hat sich wenig geändert. Sie stehen immer noch für einen faszinierenden Hauch von Abenteuer und zeigen sich stets von ihrer rauen Seite. Nur wer sich blauäugig so ein Auto gekauft hat, obwohl er oft lange Strecken auf Autobahnen zurücklegen muss, wird es womöglich verfluchen. Denn dieser Landy ist laut und langsam, genau wie seine Vorgänger.

Auch in puncto Wartung und Reparaturen hat sich gegenüber den Land Rover der Serie I bis III nicht sonderlich viel verbessert (siehe Service-Station Land Rover S2 und S3). Da wir nicht alle Modellvarianten berücksichtigen können, setzen wir den Schwerpunkt auf die Turbo-Diesel-Versionen mit hinterer Trommelbremse, wie sie zwischen 1986 und 1993 vom Band liefen. Ab 1990 hießen sie übrigens Defender. Viele der Arbeiten in der Servicetabelle gelten jedoch auch für die Benziner oder sind auf spätere Modelle übertragbar.

Leichter Ölverlustist bei klassischen Land Rover normal

Typisch für alle klassischen Land Rover: Von 100 Exemplaren verliert nur eines kein Öl. Aber nur deshalb, weil keines mehr drin ist. Wem also ein Öltropfen unter seinem Auto eine schlaflose Nacht bereitet, der sollte sich den Kauf eines Landys noch mal überlegen. Handlungsbedarf besteht in der Regel erst, wenn sich unter den vielen Ölreservoirs wie Motorölwanne, Vorder- und Hinterachsdifferenzial, Schaltgetriebe, Verteilergetriebe, Lenkgetriebe oder Achsschenkelgehäuse eine kleine Lache bildet.

"Eine gute Voraussetzung, um mit einem Landy glücklich zu werden, haben begabte Hobbyschrauber oder diejenigen, die eine gute Werkstatt kennen", findet Christopher McCabe aus Klagenfurt in Österreich, der sich seit den Siebzigern in seiner Werkstatt den Land Rovern widmet. Wer kein Talent zum Schrauben hat und mit seinem Landy einfach die nächste Vertragswerkstatt aufsucht, erlebt unter Umständen eine unangenehme Überraschung. Denn laut in der Szene kursierender Geschichten werden Besitzer älterer Defender dort selten mit offenen Armen empfangen. Oder es fehlt das entsprechende Fachpersonal, weil die Werkstatt erst seit Mitte der neunziger Jahre unter Vertrag steht.

Schwankende englische Fertigungsqualität

Eine Alternative sind freie, auf Land Rover spezialisierte Werkstätten wie die von Marian Walter in Wiesbaden-Medenbach. Er hat Verständnis für Landy-Besitzer, die gerne selbst schrauben und nur solche Reparaturen der Werkstatt überlassen, die sie aufgrund von mangelnder Sachkenntnis oder fehlendem Spezialwerkzeug nicht durchführen können.

Allen anderen empfiehlt er, ihren Land Rover einmal pro Jahr zur Durchsicht in die Werkstatt zu bringen, "einfach nur um zu schauen, wo man etwas tun muss, oder wo sich möglicherweise ein Schaden anbahnt", sagt er. Einige Service-Arbeiten sind zwar an Kilometerintervalle geknüpft, aber manche Reparatur wird auch altersbedingt oder wegen der oft schwankenden englischen Fertigungsqualität fällig. Und letzten Endes spielt es auch eine Rolle, ob der Wagen im harten Geländeeinsatz oder nur in der Großstadt unterwegs ist.

Die Kosten für Wartungsarbeiten halten sich beim Land Rover in erträglichen Grenzen. Der Motorölwechsel fällt wegen der Ölmenge von gut sieben Litern mit etwa 100 Euro ein wenig aus dem Rahmen.

Vorteile des simplen Aufbaus

Zu den Arbeiten, die etwas kostenintensiver sind, zählt der etwa alle fünf Jahre oder alle 100.000 Kilometer fällige Zahnriemenwechsel beim Dieselmotor, der mit etwa 450 Euro zu Buche schlägt. Bei der Reparatur sollte man natürlich auch einen Blick auf den Zustand der angrenzenden Dichtungen wie den Wellendichtring der Kurbelwelle werfen.

Die Wasserpumpe des Land Rover wird übrigens nicht vom Zahnriemen angetrieben und muss daher beim Zahnriemenwechsel nicht unbedingt prophylaktisch mitgetauscht werden, um Arbeitskosten zu sparen. "Die Pumpe sitzt extern und ist simpel zu wechseln", erklärt Walter.

Einspritzpumpe und Turbolader des Land Rover erweisen sich in der Regel als unproblematisch. Ein Check des Ventilspiels reicht etwa alle 20.000 Kilometer, und einmal jährlich ist der an der Spritzwand sitzenden Kraftstofffilter zu entwässern. Dazu muss man nur eine Plastikschraube an der Unterseite öffnen und das Wasser ablassen, bis Kraftstoff austritt. Wer den Filter wechselt, sollte beachten, dass er danach entlüften muss. Dazu löst man lediglich die Verschraubung jener Leitung am Filter, durch die der Dieselkraftstoff von der Pumpe zum Filter gefördert wird, und betätigt den rechts unten am Motorblock sitzenden Hebel der Vorförderpumpe so lange, bis Diesel austritt.

Größere Ausgaben rund um die Kupplung

Etwas kostspieliger wird es, wenn beim Land Rover ein Wechsel der Kupplung bevorsteht. Der Preis, der dafür letzten Endes auf der Rechnung steht, hängt stark von den Stundensätzen der Werkstatt und deren Vorgehensweise ab. Man kann beim 110er den Motor nach oben rausheben oder die Rahmentraverse wegschrauben und das Getriebe nach unten wegnehmen, um an die Kupplung zu kommen. Mit sechs bis acht Arbeitsstunden ist jedenfalls zu rechnen.

Eine Arbeit, um die sich keiner reißt, ist das Erneuern eines defekten Kupplungsgeberzylinders. Der sitzt im Land Rover schlecht zugänglich im Motorraum neben dem Hauptbremszylinder, und bis man ihn in Händen hält, ist etliches zu tun, wie etwa das Lösen der Pedalböcke für Kupplungs- und Bremspedal. "Gute Hobby-Schrauber schaffen es in drei bis vier Stunden. Aber es gibt auch Leute, die einfach ein Loch in den Innenkotflügel schneiden, um besser dranzukommen", berichtet Walter.

Keine konstruktive Meisterleistung sind auch die Bremssättel der vorderen Scheibenbremse. Zwar handelt es sich beim Land Rover um eine Vierkolbenbremse, doch den Bremskolben fehlt eine schützende Gummimanschette. "Bei einem Belagwechsel sollte man daher die Kolben nur minimal zurückdrücken, sodass man die Beläge gerade so herausbekommt", rät Walter. Anschließend setzt man zwei Distanzstücke von der Stärke des Belagträgers ein und betätigt vorsichtig die Bremse. Dann lassen sich die an den Distanzstücken angestoßenen Kolben beispielsweise mit einem Polierband vom Schmutz reinigen, bevor sie völlig zurückgedrückt werden.

Rost an den Achsschenkelgehäusen

Ein Wechsel der weniger geforderten hinteren Bremsbacken steht beim Land Rover seltener an. Oft müssen sie nur wegen eines undichten Radbremszylinders oder eines defekten Simmerrings gewechselt werden, weil sie verölt sind. Auch die Beläge der auf die Kardanwelle wirkenden Handbremse würden ewig halten, gäbe es da nicht ab und zu einen undichten Simmerring. Wie gesagt, Öl und Fett sind beim Landy ein zentrales Thema.

Für größere Ausgaben sorgt je nach Einsatz des Wagens schon mal das für den  Land Rover typische kugelförmige Achsschenkelgehäuse. Die Kugel ist ungeschützt Steinschlägen und Wasser ausgesetzt und rostet mit der Zeit, worunter dann die Abdichtung leidet. Nur mit einer neuen Dichtung ist das Problem nicht gelöst. Für das Erneuern der Chromkugeln mit Dichtung plus das Ersetzen der laut Walter oft verschlissenen Lagerung für die oben und unten an der Kugel sitzenden Achsschenkelbolzen muss der Kunde pro Seite mit etwa 500 Euro rechnen.

Grundsätzlich gilt: Wer den Land Rover nicht ständig im Gelände malträtiert, kann auf eine längere Haltbarkeit etlicher Bauteile hoffen. Und schön ist auch, dass die Wartungskosten weniger abenteuerlich sind als das Leben mit diesem Auto.

Service-Tipp Land Rover 90, 110 und Defender

Nicht alles am Land Rover besteht aus Alu. Wo Stahlblech zum Einsatz kommt, wie zum Beispiel dem sehr robust erscheinenden Rahmen, sollte man gut und regelmäßig das Auto vor Rost schützen. Wird bei Inspektionen nur nach Service-Plan vorgegangen, werden viele Kleinigkeiten vergessen, was sich auf Dauer rächt. Etliche Literatur zum Download gibt´s unter www.landroverwinkel.nl. Ab und zu auch mal die Steckachsen und deren Mitnehmer prüfen, die Verzahnungen runden sich mit der Zeit.

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