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Land Rover Experience Tour 2013

Harte Tage, weiche Birnen

Land Rover Experience 2013, Markus Stier 41 Bilder

auto motor und sport reist mit der Land Rover Experience Tour zwei Wochen über die Seidenstraße. Die Evoque-Karawane hat Kirgistan durchquert und sich in China durch die gefürchtete Wüste Taklamakan gearbeitet – nicht ohne Zwischenfälle.

23.09.2013

Noch'n Tee? Oder noch'n Knäckebrot? Noch'n Blick aus dem Seitenfenster. Nee, lohnt nicht, immer noch das gleiche. Plattes, ödes Land rechts und links. Die Taklamakan-Wüste ist angeblich die zweitgrößte Sandwüste der Welt, aber am Wegesrand liegen nur endlose Tonnen von Schotter und Staub. Die Straße führt schnurgerade bis zum Horizont. Drei Stunden unterwegs in dieser Wüstenei, noch mindestens fünf zu fahren bis zu einer Dusche und einem Bett. Das Wort Taklamakan kommt aus dem Uigurischen und bedeutet Begib dich hinein und komm nie wieder raus. Das ist natürlich alles ein bisschen arg dramatisiert, wenn es eine nagelneue Asphaltstraße gibt, die am südlichen Rand des knapp 3.000 Kilometer langen Tarim-Beckens im Westen Chinas entlangführt.
 
Um die Wüstenreise aber wieder zu einer zehrenden Angelegenheit zu machen, gibt es das chinesische Verkehrsministerium, das in der autonomen Provinz Xinjiang im tiefsten Westen des Reiches der Mitte in Ortschaften Tempo 40 vorschreibt und auf Landstraßen 80, nur nicht auf der Strecke von Hotan nach Qie Mo, da gilt 60. Den entgegenkommenden Verkehr kann der Reisende etwa fünf Kilometer weit kommen sehen, aber natürlich nur, wenn er die Augen auf hat. Immer wieder passieren schwere Unfälle, weil vor allem Lastwagenfahrer am Steuer einschlafen, und da dachte sich die Behörde, dass sich bei strikterem Tempolimit die Aufprallgeschwindigkeit von maximal 160 auf 120 verringert. Dabei hatte sie weniger im Blick, dass bei dem Schlafwagentempo noch mehr Leute einschlafen als sonst.

Klimaanlage und Automatik zicken

Dummerweise geht die Klimaanlage seit zwei Tagen nicht. Die Evoques sind Vorserienfahrzeuge, die erst 2014 in den Handel kommen. Und bei derlei Erprobungsfahrten läuft eben nicht immer alles rund. Alle Nase lang spinnt hier ein Sensor an der neuen Neungang-Automatik und verweigert jeden weiteren Schaltvorgang. Meist hilft einmal Ausmachen und wieder Starten, aber nicht bei der Klimatisierung, weil irgendein Sensor spinnt. Nach sechsstündiger Kolonnenfahrt bei 30 Grad Außentemperatur ist die Birne weich.
 
Zum Glück war der Schädel hart, als die stählerne Ladeklappe dieses dämlichen Busses im Weg war. Der Autor – Name Stier, Sternzeichen Stier – schnaubte ohnehin schon drohend vor sich hin, weil der Grenzübertritt nach China sich so ewig hinzog. Was haben wir uns beeilt. Kaum in  Bishkek, Kirgistan aus dem Flieger gepurzelt, warfen wir unsere Koffer in die Range Rover, hechteten ins Auto und eilten gen Osten. Die Chinesen feiern vom 19. bis zum 22. September das Mondfest und das heißt für alle Reisenden: Die Grenze ist für drei Tage dicht.
 
Vorbei an den grandiosen Gipfeln des Tian-Shan-Gebirges führte die Straße immer höher. Die höchsten Gipfel der Himmelsberge sind siebeneinhalbtausend Meter hoch. Und auch die Piste führt immerhin über 3.000 Meter Höhe. Das Nachtlager schlugen wir in einem Jurten-Camp in den Bergen auf. Die Gastgeber servierten eine leckere Gemüsesuppe mit Hammeleinlage und heizten die Zelte mit getrocknetem Yak-Dung. Aber schnell war der Ofen aus und die Kälte kroch in die Zelte. Mit kalter Nase bei minus sechs Grad und rasselnder Lunge ging die Nacht nur schleppend vorbei. Kurz war sie trotzdem, es ging um halb fünf weiter.

Stier in die Knie gezwungen

Und da waren wir so früh dran, die Kirgisen öffneten den Grenzposten für uns schon um halb acht anstatt wie gewohnt um neun, wir ritten frohen Mutes in den Sonnenaufgang, sahen wunderschön leuchtende Berge mit spiegelnden Seen und friedlich grasenden Pferden im Niemandsland zwischen den Staaten und brachten auch die Vorkontrolle am chinesischen Grenzposten halbwegs zügig hinter uns.
 
Aber dann: Unser kirgisischer Reiseführer wurde im Tal aufgehalten. Er durfte erst eineinhalb Stunden später aufbrechen, ohne ihn durften wir wiederum nicht weiter in Richtung offizieller Grenzkontrolle, die schon 100 Kilometer im Inland liegt. Dort angekommen, gehen wieder zwei Stunden flöten, die Grenzer haben gerade die Mittagspause eingeläutet. Drei Tage zu, jeder will heute noch rüber, da muss man jeden Stress vermeiden. Als es endlich losgeht hat sich dieser vermaledeite Busfahrer mit seinen zwei Dutzend Wanderarbeitern auf dem Weg nach Hause vorgedrängelt.
 
Die für den Grenzübertritt offiziell eingetragenen Fahrer der Evoques müssen Papiere in dreifacher Ausfertigung ausfüllen und Details wie Motor- und Fahrgestellnummern eruieren, für übermüdete und übernächtigte Fahrzeugführer, die des Chinesischen allesamt nicht mächtig sind, eine leichte Überforderung. Drei Mann wären fast vor die offene Ladeklappe des Busses gelaufen, aber erst Stier trifft das Ding auch und findet sich plötzlich blutend am Boden. Na ja, immerhin wieder wach. Der Doktor hilft mit Klammerpflaster, gegen den heißen Dampf aus der Nase kann er nicht helfen. Immerhin sind die Grenzer eifrig und hilfreich, nachdem sie sich mittags gut gestärkt und ausgeruht haben. Sunshine-Service nennt sich die neue Initiative, und um das ein oder andere finstere Gemüt aufzuhellen, verzichten die Zöllner kurzerhand auf das Ausladen des kompletten Gepäcks.

Eisbier voraus

Nun also Xinjiang, die größte der chinesischen Provinzen, die aber eigentlich wegen der mehrheitlich von den Turkvölkern abstammenden Uiguren den Status einer autonomen Region hat. Xinjang wird im Norden von den Himmelsbergen des Tian Shan beherrscht und im Süden vom Kunlun-Gebirge, hinter dem Tibet beginnt. Dazwischen liegt das Tarum-Becken mit besagter Taklamakan, an der wir drei Tage lang entlangeiern und unseren uigurischen Führer schon am Morgen nerven, er möge doch bitte schon das Bier im nächsten Hotel kaltstellen lassen. Gelingt die Aktion, ist ein Teil der Flaschen schon gefroren, gelingt es nicht, haben sie Zimmertemperatur.

Spielen im Sandkasten

Die Stimmung ist dennoch bestens. Das Essen ist lecker - und völlig frei von Glutamat, das Wetter ist jeden Tag sonnig, und wenn die Fahrt sich zieht wie Kaugummi, blödelt die Mannschaft über Funk. Für Abwechslung sorgen gestrandete Einheimische, die mit Winden und Muskelkraft aus Gräben befreit werden. Sie sind am Steuer eingeschlafen. Nicht zu retten ist allerdings der Lastwagen eines Uiguren, der mit Bremsversagen auf einer Passstraße eine Böschung heruntergestürzt ist. Der gute Mann ist glücklicherweise unverletzt. Er hat in der Kabine übernachtet und wartet jetzt schon den zweiten Tag auf Abgesandte der Versicherung, wo sich aber niemand zuständig fühlt. Wir helfen mit Wasser, Brot und ein bisschen was zum Knabbern und wünschen ihm, dass morgen jemand kommt.
 
Zuweilen müssen wir uns auch selbst befreien. Weil die ursprünglich existierenden Schotterpisten entlang der Taklamakan nicht mehr befahrbar sind, nutzen wir wenigstens eine Stichstraße nach Süden, um ein bisschen in den Dünen zu spielen und zu fotografieren. Im Nu sind drei Evoques im Sand eingesunken. Jetzt heißt es abwechselnd schaufeln und schieben, und wenn das nicht reicht, an die Seilwinde eines der vier Discoverys hängen. Nach einem Stündchen im Sandkasten sind alle Kinder zufrieden und glücklich. Und noch besser: Die Klimaanlage funktioniert wieder, nachdem Mechaniker Boris übers Internet irgendeine magische Datei runtergeladen hat, die dem Fehlerspeicher die Flausen austreibt.

Auf nach Tibet

Am Abend des dritten Wüstentages führt die Straße plötzlich ins Gebirge. Ach ist das schön, mal wieder eine Kurve zu fahren, mal wieder eine Landschaft zu sehen. In leuchtenden Farben erheben sich schroffe Felsformationen aus dem Boden, wo die Tarim-Platte und die Changtang-Platte aufeinandertreffen. Der Höhenmesser zeigt bei einer Passüberquerung rund 3.500 Meter an. Und das ist erst der Anfang.
 
Nach knapp einer Woche rastet die Land-Rover-Karawane in Golmud, einer einsamen Bergarbeiter-Stadt auf 2.800 Metern Höhe. Im Zentrum leben nur rund 70.000 Menschen, im gesamten Verwaltungsgebiet rund eine Viertelmillion. Offiziell gehören aber zum Stadtgebiet knapp 120.000 Quadratkilometer Fläche, womit das isolierte Kaff in der Provinz Qinqhai nur unwesentlich kleiner ist als Griechenland. Golmud ist von 20 Salzseen umgeben und Chinas wichtigster Ort für den Abbau von Kalium- und Magnesium-Salzen.
 
Für uns ist Golmud von Bedeutung, weil wir hier das Basislager aufgeschlagen haben, um nach Tibet zu fahren. Nach einem Ruhetag zur Akklimatisierung, bricht der Tross in der Nacht zum Dienstag auf ins tibetische Hochland. Die nächste Etappe führt über mehr als 5.000 Meter hohe Pässe und 1.100 Kilometer Strecke. Wenn alles gutgeht, sind wir in der Nacht zum Mitwoch in Lhasa.

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