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Land Rover-Umbau

Der Bell Aurens Longnose

Foto: Bell Aurens 7 Bilder

Den Leitspruch des neuen amerikanischen Präsidenten Obama haben sich zwei Land-Rover-Fans bereits vor knapp drei Jahren zu Eigen gemacht. Sie bauen derzeit den wohl schärfsten Landy aller Zeiten - den Bell Aurens Longnose.

21.11.2008

Wenn Thomas Bell und Holger Kalvelage von ihren Land-Rover-Träumen schwärmen, funkeln die Augen. Land Rover, Defender, 109er und 90er lieben beide seit Jahr und Tag; verbringen einen Großteil ihrer Freizeit hinter dem Steuer der britischen Urgesteine, die jüngst 60. Geburtstag feierten.

"Ich wollte einen echten Offroader - aber als Roadster"

Doch der Traum von einem Sport-Land-Rover mit Roadstergenen ließ beide nicht mehr los. "Ich wollte einen echten Offroader - aber als Roadster", phantasiert Thomas Bell, "wir bauen jetzt das Auto, das Land Rover vor 40 Jahren hätte bauen sollen und können." In einem offenen Spaßmacher durch die endlosen Dünen pflügen. Die Federung ist hart, der Sand beißt im Gesicht und unter der nicht enden wollenden Motorhaube brüllt eine Panzerturbine. Wer träumt da nicht von Laurens von Arabien? Das ist Abenteuerstoff, aus dem Männerträume gemacht sind.

Die Wartezeit für einen Longnose beträgt bis zu sechs Monate

"Die Idee entstand vor knapp drei Jahren", so Thomas Bell, "zunächst gab es ein paar Skizzen und Prototypenzeichnungen. Dann wussten wir jedoch schnell, dass wir das ganze anpacken müssen." Bell fragte seinen Kumpel, Landy-Fan Holger Kalvelage, und die beiden sagten weit vor Barrack Obama: "Yes we can!" Doch aus einer fixen Idee allein ist bisher noch nie ein Auto geworden. So gingen Bell und Kalvelage auf die Suche nach einem geeigneten Karosserieschlosser, der das ungewöhnliche Projekt umsetzen sollte. "Vielen fanden die Idee toll und wollten den Longnose für uns bauen", erinnert sich Kalvelage, "doch kaum einer war dazu wirklich in der Lage." Bei der Firma Lorenz in Erlangen, spezialisiert für Oldtimer-Restaurierungen und Prototypenbau, wurde man fündig. Hier entsteht seit Monaten der erste Prototyp des Bell Aurens Longnose.

Pro Jahr sollen zehn weitere folgen, wobei die Wartezeit je nach Sonderwünschen bei vier bis sechs Monaten liegt. Die Kosten für die ungewöhnliche Langnase mit 4,6 Liter großen Basis-V8 liegen bei mindestens 125.000 Euro zzgl. des gebrauchten Basisfahrzeugs. Will der exklusive Kunde seinen Longnose mit dem sehenswerten Bootsheck des Prototypen bewegen, hat man die 150.000-Euro-Grenze schnell durchbrochen. Nach oben gibt es kaum ernsthafte Preislimits.

"Konkrete Anfragen kommen aus ganz Europa", so Thomas Bell, "aber gerade auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten wollen wir den Wagen ins Gespräch bringen. Er ist schließlich genau das richtige für lange Geradeauslaufpisten in der Wüste."

V8 oder Panzertriebwerk

Wenn man den handgearbeiteten Offroad-Roadster sieht, hat man keinen Zweifel daran, dass der auf endlose Wüstenpisten gehört. Damit der Vortrieb im sandigen Terrain stimmt, haben potentielle Kunden die Wahl aus einem wahrlich exklusiven Motorarsenal. Vom trägen Basis-V8 mit 235 PS aus dem Hause Rover über potente 16-Zylinder-Triebwerke mit zehn Litern Hubraum und 700 PS bis zu einem Jet- oder Panzertriebwerk mit bis zu 1.500 PS ist alles möglich. Die ersten Kunden scharren bereits seit dem Frühjahr mit den Hufen, können es ebenso wie Bell und Kalvelage kaum erwarten, dass der Longnose endlich seine Nase aus der fränkischen Manufaktur steckt und der legendären 109-Serie zu neuem Ruhm verhilft. Mit Hochdruck arbeitet ein Team von Spezialisten daran, das ungewöhnliche Projekt umzusetzen. Wer die schlecht ausgeleuchtete Werkshalle in der Nähe von Erlangen betritt, der weiß genau, was Thomas Bell meinte: Zwei eng beieinander liegende runde Kugelaugen blicken einem allzu bekannt und doch ganz anders ins Gesicht. Die gerippte Motorhaube ist endlos lang, die Windschutzscheibe kaum höher als ein Gürtel. Wenn dieser Land Rover seine ersten Meter unter die Räder nimmt, wird der Pilot Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert sein. "Genau so ist das Projekt gedacht", so Mitinitiator Holger Kalvelage, "das puristische Fahren in einem britischen Roadster gepaart mit dem unvergleichlichen Land-Rover-Feeling - so wollen wir es haben."

Technisch basiert der Bell Aurens Longnose auf einem Land Rover 109 mit langem Radstand. Der Führerstand wanderte durch die überlange Motorhaube nach hinten, so dass ein echter Zweisitzer ohne Aufbau, Windschutzscheibe oder Türen entsteht. Fahrer und Beifahrer sitzen fast auf der rumpelnden Hinterachse. Die Gesamtlänge bleibt mit 4,50 Metern unverändert. Durch fehlenden Aufbauten und Komfortdetails reduziert sich das Gewicht auf spartanische 1,2 Tonnen. Abgesehen vom 8-, 12- oder 16-Zylinder gibt es eine 380er-Handschaltung, Allradantrieb, Bremsen, sowie die obligatorischen Komponenten Geländeuntersetzung und Differenzialsperre. Einem Sturm auf Akaba steht nur noch das eigene Fahrkönnen im Wege.

"Hightech hat da nichts zu suchen!"


Angesichts von Fahrzeug und zu erwartendem Klientel ist eine maximale Individualisierung Garant für einen Erfolg des Longnose. Doch alles lassen Bell und Kalvelage mit ihrem real gewordenen Hirngespinst nicht machen. "Für uns ist undenkbar, dass wir Features wie eine Windschutzscheibe, Fenster, Klimaanlage oder gar ein modernes Soundsystem verbauen", so Thomas Bell, "wir legen schließlich Wert auf das ursprüngliche Roadster- und Land-Rover-Feeling. Hightech hat da nichts zu suchen." So werden Blattfedern und Stahlleiterrahmen die Insassen nach gewohnter Manier auf Sandpisten und Münchner Leopoldstrasse gleichermaßen martern.

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