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Langstreckenmeisterschaft Nürburgring 2009

Final-Vorspiel: Kurz vor dem Ziel

VLN 8. Lauf BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring 03.10.2009 Foto: SB-Medien 49 Bilder

Wieso Mamerow-Racing aktuell die BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft Nürburgring dominiert und die 2009 eingeführte Balance of Performance von ADAC und VLN doch ein voller Erfolg ist. Saisonrückblick vor dem Finale am Samstag, den 31. Oktober.

29.10.2009 Powered by

Auch auf dem Weg zum Saisonfinale 2009 sorgt das neue Reglement der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft , das zu Beginn des Jahres zusammen mit dem ADAC Nordrhein vorgestellt wurde, noch für Gesprächsstoff. Die Technikkommission hatte dem einzigen echten Porsche 911 GT3 RSR von Manthey-Racing nach dem fünften Sieg 25 Kilogramm Zusatzgewicht aufgehalst und den Mitstreitern im Gegenzug 25 Kilogramm erlassen. Davon profitierten vor allem die 911er in der Specials-Klasse, die zwar von den Modifikationen her in Richtung RSR gehen, allerdings auf normalen Cup-Autos gründen.

Langstreckenmeisterschaft Nürburgring 2009: Final-Vorspiel: Kurz vor dem Ziel 3:09 Min.

Marcel Tiemann sprang beim 41. ADAC Barbarossapreis in Abwesenheit von Peter-Paul Pietsch spontan als dritter Mann im 25 Kilogramm leichteren Wochenspiegel-Porsche ein und fuhr in 8:13,486 Minuten eine eindrucksvolle Pole-Position. Das war die zweitschnellste Trainingszeit 2009, die schnellste für einen Porsche. Im Rennen demonstrierte er mit der schnellsten Rennrunde (8:17,781 Minuten) erneut die starke Performance des Manthey-Leichtgewichts. Im weiteren Rennverlauf blieb die Nummer zwei der Meuspather Equipe jedoch auf der Strecke, als aufgewirbelte Carbonteile den Kühler trafen und das vorzeitige Aus besiegelten. Der RSR, pilotiert von Romain Dumas, Arno Klasen und Tiemann, kam im Zeittraining nicht über Platz sieben hinaus. Alles sprach dafür, dass Olaf Manthey, der über die Medien im Vorfeld verlauten ließ „wir fahren unseren RSR jetzt mit Beifahrer“, Recht behalten sollte.
 
Daten bestätigen ausgeglichene Einstufung
 
Das Trio wurde nach vier Stunden Renndistanz auf Platz zwei abgewunken, Hobbyrennfahrer Klasen sprach nach wie vor von „eindeutiger Wettbewerbsverzerrung“. Ein Blick auf die gefahrenen Rundenzeiten beweist jedoch das Gegenteil. Der Mittelwert der Rundenzeiten exklusive Outlaps nach den Boxenstopps zwischen dem siebten Lauf im August (8:33,009 Minuten) und dem achten Lauf mit Gewichtszuwachs (8:32,572 Minuten) ist nahezu identisch. Ebenso deutlich ist der Vergleich der schnellsten Rennrunden: 8:21,952 Minuten von Marc Lieb im August stehen 08:23,037 Minuten von Romain Dumas Anfang Oktober gegenüber. Und als es in der Schlussphase des Barbarossapreises noch einmal um die Wurst ging, war Tiemann sogar imstande, vier Umläufe am Stück mit 8:23-er Zeiten zu pushen, um sich den Audi R8 mit Marc Basseng am Steuer im Kampf um Platz zwei vom Hals zu halten.
 
Als wahre Ringfüchse erwiesen sich Chris und Peter Mamerow. Das Vater-Sohn-Gespann wählt beim Porsche 911 GT3 Cup S bewusst die schwere Variante (1.250 statt 1.200 Kilogramm) mit einem größeren Tank (100 statt 90 Liter). „In einem Langstreckenrennen auf der Nordschleife zählt die Taktik mehr als ein paar Zehntel auf eine schnelle Runde gerechnet“, erläutert der Filius. „Man erwischt eh nie eine perfekte Runde, um die Performance des Wagens voll ausschöpfen zu können. Mit unserem größeren Tank fahren wir nun neun Runden je Stint und müssen bei einem Rennen über vier Stunden nur zwei Mal volltanken. Wenn absehbar ist, dass die Distanz am Ende mit 28 Runden zu groß wird, legen wir noch einen schnellen Splash & Dash ein und haben so immer noch einen Vorsprung gegenüber den anderen Porsche-Fahrzeugen.“
 
Zündstoff nach dem Rennen
 
Das Konzept ging mit zwei schnellen Fahrern - an der Seite von Chris Mamerow pilotiert Dirk Werner den Mamerow-Porsche im letzten Saisondrittel - auf. Das Team verbuchte beim Barbarossapreis und dem folgenden 33. DMV 250-Meilen-Rennen zwei souveräne Siege in Folge - und widerlegte so die Behauptung, dem Gewicht eines Fahrzeugs bei einem Langstreckensprint zu viel selbiges beizumessen. Hinter dem siegreichen Mamerow-Porsche ging es bei den vergangenen zwei Rennen eng zu. Beim achten Lauf trennten den zweitplatzierten Manthey-RSR und den Audi R8 von Phoenix-Racing im Ziel nur 0,125 Sekunden. Der Showdown im Tiergarten, eine Kollision zwischen Basseng und Tiemann, sorgte nach dem Rennen für Zündstoff. „Ich habe bei 275 km/h plötzlich hinten links einen Schlag bekommen und alle Hände voll zu tun, den Porsche auf der Strecke zu halten“, tobte Tiemann. Basseng schildert seine Sicht nüchtern: „Ich habe im Tiergarten mit Überschussgeschwindigkeit versucht, den Manthey-Porsche zu überholen, als dieser plötzlich die Linie wechselte.“ Eine Untersuchung der Sportkommissare endete wie das sprichwörtliche Hornberger Schießen. Da keinem der Fahrer eine Schuld nachgewiesen werden konnte, wurden beide mündlich verwarnt.
 
Zwei Wochen später kam es dann zwischen Jürgen-Alzen-Motorsport und dem Phoenix-Audi zum erneuten Fotofinish. Alzen überquerten 38 Tausendstelsekunden vor Stippler den Zielstrich. Zwei Runden zuvor hatten beide ebenfalls nahezu zeitgleich den Zielstrich passiert, allerdings war Stippler zu diesem Zeitpunkt bereits in die Boxengasse eingebogen, um bei einsetzendem Regen auf geschnittene Slicks zu wechseln. „Das war eine Fehlentscheidung“, gab Stippler später zu. „Der Regen prasselte in einigen Passagen sehr heftig auf die Scheibe. Ab dem Bergwerk war es dann so nass, dass es für mich nur eine Entscheidung gab. Ich habe durch den Boxenstopp rund 40 Sekunden verloren. In den beiden verbleibenden Runden konnte ich jeweils rund 20 Sekunden auf Jürgen Alzen gutmachen. Am Ende hat es dann ganz knapp nicht gereicht.“
 
Neueinsteiger mit Erfolg
 
In beiden Fällen hatten die bei den VLN-Specials eingestuften Eigenentwicklungen von Olaf Manthey und Jürgen Alzen die Nase knapp vor dem strikten GT3-Fahrzeug aus Ingolstadt. Einen fantastischen Einstand in die Langstreckenmeisterschaft feierte das Schnitzer-Team, das im Auftrag von BMW den neuen M3 GT2S auf die Nordschleife gebracht hat. Nach Platz vier bei der Europa-Premiere am 3. Oktober stand schnell fest, dass mit dem aus der ALMS bekannten Münchner zwei Wochen später zu rechnen sein würde. „Wir konnten unser Entwicklungsprogramm wie geplant abspulen“, zeigte sich Friedhelm Nohl, Leiter Sport- und Tourenwagen-Technik bei BMW, zufrieden. „Einer der wichtigsten Punkte war der Faktor Standfestigkeit, und da haben wir gezeigt, dass wir problemlos über die Distanz kommen. Vielleicht klappt es ja in zwei Wochen mit einem Podiumsplatz.“
 
Der Vorhersage folgten prompt Taten - Dirk Müller und Andy Priaulx fuhren bei schwierigen Witterungsbedingungen beim 250-Meilen-Rennen auf Platz zwei. Neben ersten Erfahrungen auf der Nordschleife steht für BMW das gemeinsame Entwicklungsprogramm mit Reifenpartner Dunlop im Vordergrund. Die Hanauer liefern für den M3 GT2S maßgeschneiderte Pneus für den Langstreckeneinsatz mit dem Ziel, die Vorherrschaft von Michelin auf dem Eifelkurs zu brechen. Sowohl beim achten als auch neunten Lauf sicherten sich Uwe Alzen und Lance David Arnold den Sieg in der hart umkämpften Porsche-Cup-Klasse. Alzen konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. „Unsere Mitstreiter sollten sich lieber auf ihren Gasfuß konzentrieren, als auf unser Fahrzeug“, feixte der Betzdorfer.
 
Falsche Bremsen am Porsche Cup-Fahrzeug
 
Hintergrund: Beim 6h-Rennen war am schwarzen Alzen-Porsche festgestellt worden, dass die Bremsanlage nicht dem Reglement entsprach. Porsche liefert die Cup-Fahrzeuge serienmäßig mit Carbon-Bremsscheiben aus, wie sie im Supercup zum Einsatz kommen. Die Cup-Klasse der VLN beschränkt sich in der Endfassung des Reglements seit diesem Jahr hingegen ausschließlich auf die Vorgaben des nationalen Championats, in dem Stahlscheiben vorgeschrieben sind. Pech für Alzen, der den Wagen gemäß einer Vorfassung des Reglements aufgebaut hat. Bemerkenswert hingegen: Der Alzen-Porsche fuhr in der zweiten Saisonhälfte mit Stahlbremsscheiben die persönlich schnellste Rundenzeit. Sein letztes Rennen an der Seite von Dirk Adorf im Ford GT von Raeder-Automotive bestritt am 17. Oktober Hermann Tilke. Der Architekt aus Aachen wird in der kommenden Saison mit einem attraktiven Fahrzeug zurückkehren, hat jedoch eingesehen, dass er mit den Rennprofis an der Spitze des Felds nicht mehr mithalten kann.
 
Auch beim Abschiedsrennen von Tilke war das Glück nicht auf Seiten des Raeder-Teams. Nach einer starken Trainingsbestzeit von Adorf startete das Duo zum dritten Mal in der laufenden Saison von der Pole-Position. Der zweifache VLN-Champion bestimmte auch in der Anfangsphase des Rennens das Tempo an der Spitze des Felds, doch nach 13 Runden beendete ein Getriebeschaden das Rennen vorzeitig. Für Entzücken bei den zahlreichen Zuschauern rund um die Nordschleife des Nürburgrings sorgten Harald Grohs und Markus Oestreich. Zusammen mit Friedrich von Bohlen teilten sich die beiden Haudegen zwei Mini Cooper S von Schirra Motoring und fuhren bei ständig wechselnden Witterungsbedingungen auf die Positionen 17 und 18 im Gesamtklassement. Dabei ließen die beiden 1.6-Liter-Turbo-Flitzer eine Reihe von leistungsmäßig weit überlegenen Fahrzeugen hinter sich.

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