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Lanxess-Vorstand Heitmann

Kautschuk elementar für den Reifenbau

Axel Claus Heitmann Foto: Lanxess 12 Bilder

Der Lanxess-Vorstandsvorsitzende Axel Claus Heitmann über die Bedeutung synthetischer Kautschuke bei der Entwicklung kraftstoffsparender Reifen.

26.08.2009

Mit auto motor und sport Redakteur René Olma spricht der 49-jährige Axel Claus Heitmann, Vorstandsvorsitzender von Lanxess, im Interview über die Bedeutung synthetischer Kautschuke für die Autoindustrie und die Zukunftschancen der synthetischen Kautschuke für die Reifenherstellung.

Welche Rolle spielt synthetischer Kautschuk für die Autoindustrie?
Heitmann: Synthesekautschuk ist von elementarer Bedeutung für den Automobilbau. In einem modernen Hochleistungsreifen werden heute bis zu 20 verschiedene Gummimischungen verarbeitet, die meisten davon basieren auf synthetischem Kautschuk. Angefangen bei Butylkautschuken, die extrem luftundurchlässig sind und deshalb die innerste Schicht in schlauchlosen Reifen bilden, bis hin zu Neodym- Butadien-Kautschuken, die aufgrund ihrer guten Belastbarkeit in der Lauffläche verarbeitet werden. Aber auch unter der Motorhaube ist synthetischer Kautschuk unverzichtbar. Er sorgt dafür, dass etwa Antriebsriemen oder Schlauchleitungen auch unter extremen Bedingungen eine lange Lebensdauer haben.

Wie groß ist der Marktanteil von Lanxess?

Heitmann: Im vergangenen Jahr lag der Kautschuk-Weltbedarf bei rund 22 Millionen Tonnen. Mehr als die Hälfte davon wurde durch synthetischen Kautschuk abgedeckt. Lanxess ist Weltmarktführer bei den Synthesekautschuken und bietet die mit Abstand breiteste Produktpalette auf diesem Gebiet. Unser Kapazitätsanteil am frei zugänglichen Weltmarkt für synthetischen Kautschuk beträgt rund zehn Prozent. Wir verfügen über ein weltweit einzigartiges, globales Produktionsnetzwerk und können auf 100 Jahre Kautschuk-Know-how bauen. Unsere Hochleistungskautschuke kommen neben dem Automobilbau in vielen anderen Bereichen zum Einsatz - von der Sportartikelindustrie über die Luftfahrt bis zur Energiegewinnung. Selbst in Kaugummis ist Lanxess-Kautschuk.

Welchen Stellenwert hat der Standort Deutschland?

Heitmann: Für den Chemiesektor und für die Kautschukindustrie im Speziellen ist Deutschland ein zentraler Standort. Hier entwickeln und produzieren wir an sechs Standorten Kautschuke oder Kautschukadditive. In Deutschland haben wir das Knowhow, die neuesten Technologien und die Nähe zu den wichtigen Playern der Reifen- und Automobilindustrie, die ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen nach wie vor in Europa haben. Darüber hinaus ist Europa der Reifenmarkt mit den höchsten technologischen Anforderungen. Die Nähe zu unseren Kunden ist wichtig, da die Weiterentwicklung von synthetischen Kautschuken vielfach in enger Kooperation mit unseren Abnehmern geschieht.

Welche Zukunftschancen bieten synthetische Kautschuke für die Reifenherstellung?
Heitmann: Bei der Reifentechnologie der Zukunft geht es vor allem um Umwelt- und Sicherheitsaspekte. Die EU hat entschieden, dass ab 2012 jeder Reifen eine Bewertung für Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und Rollgeräusche erhält und entsprechend gekennzeichnet werden muss. Lanxess produziert schon jetzt synthetische Hochleistungskautschuke, die es der Reifenindustrie ermöglichen, die Anforderungen der EU an umweltfreundlichere und sichere Pneus zu erfüllen.

Wird die Richtlinie auch Auswirkungen auf Länder außerhalb der EU haben?

Heitmann: Von der Regelung könnte auch global eine Signalwirkung ausgehen, einige Länder denken schon über ähnliche Richtlinien nach. Klar ist jedoch, dass jeder Reifenhersteller, der nach Europa liefern möchte, künftig an diesem Standard nicht mehr vorbeikommen wird.

Wird es Ihnen gelingen, das magische Dreieck aus Haftung, Abrieb und Rollwiderstand aufzubrechen?

Heitmann: Durch die ständige Verbesserung unserer Kautschuke, neue Additive sowie Verfahren zur optimierten Verbindung von Gummi und Füllstoffen tragen wir wesentlich dazu bei, das magische Dreieck auszuweiten. Reifen sind durch ihren Rollwiderstand heute für 20 Prozent des Kraftstoffverbrauchs von Autos verantwortlich - das heißt für jede fünfte Tankfüllung. Würden in Europa alle Fahrzeuge mit rollwiderstandsarmen, sprich spritsparenden Reifen ausgestattet, könnten jährlich rund sechs Milliarden Liter Treibstoff und damit etwa 15 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Und hier ist noch wesentlich mehr möglich: Um bis zu 50 Prozent will die Reifenindustrie mit unserer Hilfe den Rollwiderstand in den kommenden 25 bis 30 Jahren senken.

Wie groß ist der Anteil synthetischen Kautschuks bei Dichtungen, Schläuchen und Antriebsriemen?

Heitmann: Für Dichtungen, Schläuche und Antriebsriemen im Motorbereich werden ausschließlich synthetische Spezialkautschuke eingesetzt. Weder extreme Hitze noch Minustemperaturen, weder Öl noch Ozon, weder dynamische Belastungen noch abriebfördernde Einflüsse dürfen die Kautschukbauteile in ihrer Leistung beeinträchtigen. Dafür entwickeln wir unsere Produkte ständig weiter. Die Kautschukbereiche von Lanxess melden jedes Jahr durchschnittlich 20 bis 30 neue Patente an.

Lassen sich Riementriebe durch den stärkeren Einsatz von synthetischen Hochleistungskautschuken noch effizienter machen?
Heitmann: Der Einsatz von neu entwickelten Hochleistungskautschuken hat für die Riementriebe in den letzten Jahren deutliche Effizienzvorteile gebracht. Nur ein Beispiel: Die jüngste Generation der Zahnriemen aus HNBR-Kautschuk hat eine Lebensdauer von mindestens 240.000 Kilometern. Dabei sparen sie gegenüber einem Kettenantrieb Gewicht und Kraftstoff und sind deutlich geräuschärmer.

Wie weit liegen Natur- und Synthesekautschuk preislich auseinander?

Heitmann: Generell kann man sagen, dass für gleiche Qualitäten in etwa auch gleiche Preise gezahlt werden. Allerdings haben wir heute im Bereich der synthetischen Kautschuke sehr viele Spezialprodukte, die wesentlich leistungsstärker und aufwendiger zu produzieren sind als Naturkautschuk. Das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder.

Die Basis der Kautschuke ist Erdöl. Sind auch andere Grundstoffe denkbar?
Heitmann: Für die Kautschukproduktion wird weniger als ein Prozent des jährlich geförderten Erdöls verbraucht. Dennoch sind Verfahren in der Entwicklung, um Butadien, einen wesentlichen Kautschukrohstoff, beispielsweise aus Ethanol, Biomasse oder Erdgas zu gewinnen.

Wie abhängig sind Sie von den Rohstoffpreisen?

Heitmann: Selbstverständlich können wir uns nicht von den Entwicklungen an den Rohstoffmärkten abkoppeln. Die Nachfrage nach Rohstoffen wird weiter steigen, und das Angebot wird nicht unbegrenzt wachsen. Daher arbeiten unsere Forscher heute mit Nachdruck an resourcenschonenderen Verfahren und langlebigeren Produkten. Nicht zuletzt deswegen haben wir unser Budget für Forschung und Entwicklung in diesem Jahr nochmals um zehn Prozent aufgestockt.

Reifen sind immer schwarz, wäre nicht für Eco-Reifen Grün eine Alternative?

Heitmann: Theoretisch sind Reifen in jeder Farbe machbar, allerdings hat sich Schwarz als Farbe wegen des Einsatzes von Ruß durchgesetzt. Wir sehen inzwischen bei vielen Consumer-Produkten eine Tendenz zur Individualisierung. Warum sollte das nicht auch bei Reifen möglich sein? Letztendlich entscheidet aber auch hier der Geschmack des Kunden. 

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