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Le Mans-Rekordsieger Tom Kristensen

Auf Mountainbike-Tour mit Tom

Tom Kristensen, Mountain-Bike Foto: Sabine Hofmann 9 Bilder

Auf einer Mountainbike-Tour in Dänemark spricht der achtfache Le Mans-Sieger Tom Kristensen über das Privileg, fit zu sein, über das Leben in seiner Heimat - und über das Geheimnis des Treueschwurs mit den fünf „P“.

21.06.2013 Claus Mühlberger Powered by

Nord-Jütland, Mitte April. Die Himmel über dem dänischen Festlands-Zipfel hat sich heute in ein strahlendes Azurblau gekleidet, die Sonne strahlt so bilderbuchmäßig wie auf den Antiatomkraft-Aufklebern. Ein perfekter Tag für eine Radtour mit dem achtfachen Le Mans-Sieger Tom Kristensen. Nur der fiese Wind stört ein wenig. Steife Brise wäre eine glatte Untertreibung. Die kleinen dänischen Flaggen, die hier in vielen Gärten aufgezogen sind, knattern im Wind. Das Thermometer zeigt fünf Grad plus. Immerhin.

Fitness-Training in Bullerbü-Idylle

Tom Kristensen hat beste Laune. „Es ist doch wirklich ein Privileg, an einem Tag wie heute etwas für die Fitness tun zu können“, sagt er und deutet auf das 12.000 Einwohner zählende Städtchen Hobro, seine Heimat, auf die Villen am südwärts ausgerichteten Sonnenhang. Häuser, denen man ansieht, dass die Bauherren nicht am Architekten-Honorar gespart haben. Dennoch wirkt die Gegend nicht protzig. Keine Zäune, dafür Fenster ohne Vorhänge. Die Nachbarn grüßen freundlich. Bullerbü-Idylle.

Der idyllische Norden

In Dänemark kann jedermann auf der Internetseite des Finanzamts nachschauen, was sein Nachbar verdient. „Neid ist kein Thema bei uns hier in Hobro“, sagt Kristensen, der erst kürzlich von Monaco zurückzog in den idyllischen Norden Dänemarks. „Hobro ist Heimat, das ist unersetzlich. Hier wachsen die Kinder unbeschwert auf, hier haben sie ihre Cousins und Cousinen. Ich habe bei der Sparkasse Hobro eine Lehre als Bankkaufmann abgeschlossen. Und geboren bin ich in der Shell-Tankstelle, die mein Papa damals gepachtet hatte.“

Keine Yacht, nur ein Wetbike

Der Blick auf den Mariager-Fjord ist atemberaubend. Zur Ostsee, zum Kattegat, sind es nur 30 Kilometer. Kein Wunder, dass Hobro einen kleinen Yachthafen hat. Wer mit dem Mountainbike kommt, kann einfach um die Schranke herumfahren. Mit dem sport auto-Redakteur im Schlepptau dreht Kristensen eine Runde in der Marina. Ein paar Bootsbesitzer schrubben ihre Boote. „Nein“, sagt der Rekordmann von Le Mans. „Ich besitze keine Yacht. Nur ein Wetbike. Das habe ich vor ein paar Jahren von Michelin geschenkt bekommen, als Anerkennung für einen meiner Siege in Le Mans. Aber ich benutze es nicht viel. Vielleicht fahren ja die Kinder in diesem Sommer damit herum.“
 
Weiter geht es, in Richtung Osten. Der Tacho zeigt 22 km/h. Ein angenehmes Tempo, bei dem man prima plaudern kann, trotz des grimmigen Gegenwinds. „Ich mache eine Menge Sport“, sagt der 45-Jährige. „Ich fahre gerne Rennrad, ich gehe zum Joggen, und ich spiele Golf. Aber das Mountainbike ist mir am liebsten. In der Natur bekommt man den Kopf frei. Und man kann auch seinen Gedanken nachhängen.“

Kristensen tritt hart an

Doch schon nach zwei Kilometern ist Schluss mit der Gemütlichkeit. „Hier biegen wir nach links ab“, brüllt Kristensen gegen den Wind. Ein steiler Fußweg türmt sich auf. Kristensen gibt Gas, als wäre in Le Mans eine Horde Toyota hinter ihm her. Mit rasanter Trittfrequenz - geschätzt sind es locker 110 Kurbelumdrehungen pro Minute -, stürmt er die Anhöhe hoch. Der Radcomputer meldet: 21 Grad. Steigung, nicht Temperatur. Jeder, der schon mal auf einem Fahrrad gegen schier übermächtige Hänge ankämpfte, weiß: Viel mehr geht nicht, sonst heißt es schieben. „Hätte ich gar nicht gedacht, dass es sooo steil ist“, amüsiert sich Kristensen, als der sport auto-Mann herankeucht.
Zum Glück dauert die Qual nicht lange. 50 Höhenmeter nur. Jütland ist eben nicht Tirol. Doch Dänemarks Mangel an beeindruckenden Bergen gleicht Kristensen aus, indem er immer wieder kleine Wege wählt, die hinunter zum Fjord führen. Und wieder hoch. Und wieder runter. Und wieder hoch.

Der Schwur mit den fünf „P“

Auf einem Singletrail durch ein kleines Moor rezitiert Tom Kristensen sein Lebensmotto, einen englischen Zungenbrecher: „Proper preparation prevents poor performance.“ Übersetzt: Gewissenhafte Vorbereitung verhindert eine schwache Leistung. „Die fünf P haben bei uns im Audi-Joest-Team quasi eine rituelle Bedeutung“, sagt er. „Wenn wir uns gegenseitig die Hand mit gespreizten Fingern zeigen, glauben Nicht-Eingeweihte oft, dass wir uns High-Five geben und es gleich was zu feiern gibt. Dabei meinen wir damit eigentlich genau das Gegenteil: Achtung Jungs, aufpassen! Volle Konzentration auf den Job!“
 
Zeit für eine kleine Pause unten am Fjord. Die Wacholderbüsche halten den Polarwind ab, ein perfekter Picknickplatz. Kristensen spricht über sein Mountainbike von Scott. „Karbonrahmen, Hardtail, 29-Zoll-Vorderrad.“ Damit hat sich´s aber schon wieder mit der Fachsimpelei über das Sportgerät. Der Däne gehört nicht zu jener Spezies von ehrgeizigen Hobbyradlern, die noch nachts um drei voller Elan über Zahnkränze und Übersetzungsverhältnisse referieren können.

Ehrgeiz auch auf dem Rad

Für die technischen Finessen seiner drei Scott-Räder - Mountainbike, Rennrad und Triathlon-Maschine - interessiert sich Tom K. nicht sonderlich. Das Rad ist für ihn ein Mittel zum Zweck, auch wenn der Neupreis jeweils in der 4.000-Euro-Region liegt. „Ich fahre einfach nur Rad um fit zu bleiben.“
 
Doch am Ehrgeiz fehlt es ihm keineswegs. Ab und zu tritt Kristensen bei Wettkämpfen an. „Solche Events geben meinem Fitnessprogramm die nötige Würze.“ Zum Beispiel die Kopenhagen-Challenge, ein Rennen über 180 Kilometer für wohltätige Zwecke. „Da bin ich vor zwei Jahren mit einer reinrassigen Zeitfahr-Maschine mit extrem tiefem Triathlon-Lenker gestartet“, erzählt er. Die Zeit? „Rund fünf Stunden, das entspricht einem Schnitt von mehr als 36 km/h. Ohne Windschatten. Das ist bei solchen Rennen verboten.“
 
Und der durchschnittliche Puls? „Fast 170 Schläge.“ Das ist mehr als üblicherweise im Cockpit des Audi R18 e-tron quattro. „Bei den Rennen habe ich normalerweise einen Puls von 150. Doch beim Start oder beim Überholen steigt er auch mal auf 180. Oder wenn es unvorhergesehene Probleme gibt, zum Beispiel mit Reifen-Pickup, der die Kühler verstopft.“

„Ich höre auf den Körper“

Bei der Planung der Rennen überlässt Kristensens Audi-Team nichts dem Zufall. Selbst kleinste Details werden immer wieder hinterfragt. Bei seinem Fitness-Programm verzichtet der erfahrene Däne auf einen akademischen Unterbau. „Ich höre auf meinen Körper. Vor den Rennen trinke ich weniger Espressi als sonst. Kaffee dehydriert. Ich brauche aber keinen wissenschaftlichen Ansatz fürs Fitness-Programm. Ich weiß auch so, dass man bei den Rennen eher leicht essen soll. Viel Kohlehydrate, viel Proteine, wenig Fett.“
 
Bei der Rückfahrt nach Hobro schiebt der Wind von hinten. Sehr angenehm. Die Route führt vorbei an einem properen Hotel, der „Bramslevgaard Herregårdspension“. Im Juli wird Kristensen 46 Jahre alt. Zeit für eine Halbzeitbilanz des Lebens.
 
„In den letzten Jahren ist mir sehr klar geworden, was die wirklichen Werte sind. Es ist ein Privileg, fit und gesund zu sein. Und eine Familie zu haben. Und eine Partnerin wie Hanne, die zugunsten der Familie auf eine eigene Karriere verzichtet hat. Und natürlich auch, eine Heimat zu haben. Auch wenn man wie ich das halbe Jahr auf Achse ist.“

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