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Le Mans Serie - Das Rennen von Portimão

Die Zukunft der Rennserie ist ungewiss

Le Mans Series Portugal-Portimao 2009 Foto: Le Mans Series 61 Bilder

Die Le Mans Serie steht vor einer großen Zäsur: Der Rückzug der Automobilhersteller hat Einbrüche bei Fernsehquoten, Zuschauerzahlen und beim Marketing zur Folge. Die Macher und die Teams diskutieren neue Ansätze für die Zukunft.

04.09.2009 Powered by

Manche Sätze gründen tief: „Die Le Mans Serie ist nicht für uns gemacht, sondern für Gentleman Driver.“ Diese Einschätzung stammt von einem prominenten Herstellervertreter, nämlich von Peugeot-Sportchef Olivier Quesnel, und wurde beim letzten Peugeot-Start in der Le Mans Serie in Spa Mitte Mai protokolliert. Eigentlich hatten die Franzosen dem Le Mans-Veranstalter ACO fest versprochen, auch beim dritten Rennen der Saison 2009 in Portugal anzutreten. Doch vier Wochen vor dem Rennen in Portimão sagten die Franzosen ab - mit dem maliziösen Hinweis, man fahre lieber beim PLM-Rennen der American Le Mans Serie Ende September. Denn da sei mehr Wettbewerb zu erwarten, es kämen mit Sicherheit mehr Zuschauer an die Rennstrecke, und womöglich fahre dort auch noch Audi.

35 Autos starteten auf dem neuen Kurs in Portugal

Das dritte Saisonrennen der Le Mans Serie produzierte schlechte Nachrichten dieser Art am Fließband. Das Starterfeld war klein wie nie, nur 35 Autos verflüchtigten sich auf dem neuen Kurs in Portugal. Die Privatfahrer sind wieder weitgehend unter sich, nachdem sich die großen Hersteller wie Peugeot und Audi zurückgezogen haben. Deren Abwesenheit wurde von den Fans prompt mit Liebesentzug bestraft, die Zuschauerzahlen befinden sich im freien Fall. Und ohne das Geld der Hersteller herrscht auch an der Fernsehfront überwiegend Windstille. LMS-Direktor Patrick Peter verfährt derweil nach gewohnter Devise: Man müsse nur die Hersteller wieder zurückholen, dann ginge es auch gleich wieder aufwärts. „Peugeot wollte ja ursprünglich auch in diesem Jahr die volle Saison bestreiten“, betont Peter. „Aber dann gab es einen Wechsel im Vorstand, dazu kam die Wirtschaftskrise.

Ich bin mir zu 90 Prozent sicher, dass Peugeot 2010 wieder in der Le Mans Serie antreten wird.“ Das klingt wie Pfeifen im dunklen Wald. Zu viel läuft falsch in der LMS, als dass sich ein Olivier Quesnel noch einmal umbesinnen könnte. An der Algarve verloren sich die Fans auf den Rängen, weil die überteuerten Ticketpreise einen Rennstreckenbesuch in der ersten Woche der portugiesischen Sommerferien vereitelten - obwohl man den Start zum 1.000-Kilometer- Rennen extra in den Abend verlegt hatte, um mehr Sonnenanbeter in die neue Rennsportarena zu locken. Die wenigen Werbeposter hatten als Zugpferd den Portugiesen Pedro Lamy abgebildet, doch sein Start fiel dem Peugeot-Rückzug zum Opfer. Konsequenzen aus dem Schlamassel werden wie immer nicht gezogen: Peter lobte die Strecke und versprach, auch im kommenden Jahr wieder mit der LMS in Portugal anzutreten. Das Pescarolo-Team brachte nur ein Auto nach Portugal, weil es beim Budget klemmt. Das französische Oreca-Team hat bereits angekündigt, nicht am Nürburgring zu fahren. Die Franzosen starten lieber bei den letzten beiden Rennen der American Le Mans Serie. Was soll man machen, wenn sich sogar die Privatteams von der LMS abwenden?

Wettbewerb mit Peugeot, Audi und Acura in den USA

„Unser Team kann in den USA mehr für das nächste Jahr lernen als in der europäischen Le Mans Serie“, behauptet Oreca-Teamchef Hugues de Chaunac. „In Amerika ist der Wettbewerb viel größer, wir werden in Atlanta zudem auf Peugeot, Audi und Acura treffen.“ In Portugal musste der ACO auch eingestehen, den zweiten Lauf zur neuen Asian Le Mans Serie in Shanghai „aus wirtschaftlichen Gründen“ streichen zu müssen, so ACO-Generaldirektor Rémy Brouard. Mit dem China- Rennen wollte der ACO Peugeot, für die der chinesische Markt hohe Priorität genießt, entgegenkommen. Doch ausgerechnet der französische Automobilriese lässt den ACO nun im Regen stehen und erklärte den Startverzicht in China.

„Peugeot will eben unbedingt gegen Audi fahren“, so Brouard. „Was können wir dafür, wenn Peugeot seine Meinung alle paar Tage ändert?“ Die Teams in der Le Mans Serie sind gespalten über die Frage, wie sich die Lage der LMS verbessern ließe. Einige sagen, die Optimierung des Fernsehpakets sei der Schlüssel zum Erfolg, andere fordern eine bessere Promotion für die Rennen, um mehr Zuschauer an die Strecke zu locken. „Eine der ersten Prioritäten muss darin bestehen, mehr Zuschauer und mehr öffentliche Wahrnehmung zu bekommen“, so Speedy-Racing-Teammanager Hugh Hayden. „Außerdem würden sich viele Teams mehr Unterstützung vom Veranstalter wünschen, zum Beispiel in Form von Preisgeld oder Antrittsgeld. Ich glaube, die Show, die wir auf der Rennstrecke liefern, ist wirklich gut. Es merkt halt nur keiner.“ Henri Pescarolo, ein langjähriger Unterstützer des Le Mans-Championats und zweifacher LMP1-Gesamtsieger, schlägt ähnliche Töne an: „Die Situation in der LMS ist sehr schwierig, weil es eine der wenigen Rennserien ist, bei der über den Veranstalter nur sehr wenig Geld in die Kassen der Teams fließt. Weder für einen Rennsieg noch für einen Titelgewinn gibt es eine finanzielle Belohnung durch den Veranstalter ACO. Folglich muss jedes Team selbst Sponsoren finden.

Intercontinental Trophy als Ausweg aus der Krise

Patrick Peter kennt das Problem, und es ist seine Aufgabe, zum Beispiel einen Hauptsponsor für die Meisterschaft aufzutreiben. Aber natürlich ist das im Moment ein nahezu unmögliches Unterfangen.“ Pescarolo klagt wie viele Teamchefs darüber, dass es zu viele Rennserien gibt: „Ich hoffe, dass am Ende der Wirtschaftskrise nur die starken Rennserien überleben werden. Dazu fehlt dem Langstreckensport ein prestigeträchtiger WM-Titel, der Sponsoren anlocken könnte.“ Der Strohhalm, an den sich viele im Moment klammern, ist deshalb die vom ACO während des Le Mans-Rennwochenendes angekündigte Intercontinental Trophy. „Dieses Konzept scheint in Anbetracht der momentanen wirtschaftlichen Lage durchaus Sinn zu machen“, glaubt Pescarolo. „Wir fahren nur noch vier oder fünf Rennen auf mehreren Kontinenten, aber das sind dann richtig gute, traditionsreiche Events auf tollen Strecken und mit vielen Zuschauern. Vielleicht entwickelt sich daraus dann eine Langstrecken-WM. Daran wären sowohl die Hersteller als auch die Teams sehr interessiert.“

Die Ungleichheit im LMP1-Starterfeld könnte im Falle einer WM aber auch zum Bumerang werden, warnt Pescarolo: „Die Balance zwischen Ottomotoren und Dieseltriebwerken in der LMP1-Klasse stimmt nach wie vor nicht.“ Der Franzose bleibt auch für die nahe Zukunft skeptisch, denn in Portugal sickerte durch, dass der ACO die neuen Einstufungen für die Saison 2010 am Nürburgring offiziell verkünden will. „Ich habe gehört, dass die Peugeot-Techniker mit den neuen Regeln sehr zufrieden sind, weil sie glauben, nun weiterhin wettbewerbsfähig zu sein“, so Pescarolo. „Aber das kann ja wohl nur bedeuten, dass die Diesel-LMP1 abermals einen deutlichen Vorteil haben werden.“ Prodrive-Boss David Richards, der den Einsatz der Lola-Aston-Martin in der LMP1-Klasse anschob, hegt ähnliche Befürchtungen: „Wenn die Balance zwischen Diesel- und Ottomotoren nicht deutlich verbessert wird, dann kommen wir garantiert nicht zurück. Der diesjährige Einsatz kam nur zustande, weil wir das 50-jährige Jubiläum des Aston-Martin-Siegs in Le Mans gebührend feiern wollten. Aber wenn sich 2010 nichts ändert, starten wir sicher nicht noch einmal in Le Mans - nur um am Ende Vierter hinter drei Diesel-LMP1 zu werden. Erst muss das Ungleichgewicht beseitigt werden, dann kann man über eine Langstrecken-WM nachdenken.“

Alle Hoffnung ruht auf der Langstrecken-WM

Doch auch die Intercontinental Trophy als Vorstufe zu einer Langstrecken-WM muss nicht notwendigerweise Erfolg versprechen. Viele Teams vermieden schon das Rennen in Portugal wegen der hohen Reisekosten. Das Gleiche passierte 2005 beim Rennen in Istanbul oder beim LMS-Rennen in São Paulo vor zwei Jahren. Und auch die Absage des Shanghai-Rennens 2009 legt den Verdacht nahe, dass die meisten Teams Reisen zu fernen Kontinenten eher scheuen. Dennoch forciert der ACO mit der Ankündigung der Intercontinental Trophy seine Pläne zu einer raumgreifenden und teuren Ausweitung. Die Mehrzahl der LMS-Teamchefs befürwortet diesen Weg, auch wenn sie nicht wissen, ob ihre Mannschaften in der Lage sein werden, die Kosten zu stemmen. „Man muss es halt probieren“, sagt Hugues de Chaunac. „Rennen auf traditionsreichen Strecken locken Sponsoren an.“ Wenn das nicht funktioniert, wäre die Idee der Le Mans-Serien wohl endgültig gescheitert. „Denn dann fahren wir wie in alten Zeiten nur noch ein Rennen pro Jahr - nämlich die 24 Stunden in Le Mans“, so de Chaunac.

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