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Ledermanufaktur Poltrona Frau

Exklusive Lederausstattungen aus Italien

Foto: press-inform 18 Bilder

Exklusive Lederausstattungen gehören zu Luxuslimousinen ebenso wie zu Sportwagen. Bei Marken wie Maserati und Ferrari macht die italienische Manufaktur Poltrona Frau die Modelle erst zu dem, was sie sind.

04.04.2009 Powered by

Italien ist bekannt für seine Mode und seine Liebe zum Design. Man denkt an Modenschauen, zierliche Models und exklusive Designmöbel. Doch hier, mehr als drei Stunden südlich von Bologna, ist davon nicht viel zu spüren. Die hügelige Landschaft ist eintönig, alles andere als sehenswert und selbst die Anfahrt entlang der Küste gibt einem kaum einen Grund, hier Urlaub zu machen. Vom Stiefelrücken geht es über die Bundesstrasse SS 77 weiter ins Landesinnere Richtung Tolentino. Poltrona Frau - der Maßschneider der italienischen Nobelschmieden Maserati und Ferrari liebt es bescheiden.

Möbelhersteller und Autoausstatter

Der Ort zwischen Perugia und Ancona präsentiert sich selbst bei schönstem Wetter alles andere als einladend. Den Cappuccino am Marktplatz gibt es daher besser nur im Stehen. Die Bewohner des Ortes kaufen bevorzugt in einem wenig schmuckvollen "Diskont-Market" ein und die handvoll Gäste entscheiden sich aufgrund fehlender Alternativen für das wenig ansehnliche "Hotel 77". Obwohl das Konzert schon mehr als ein Jahr her ist, hängen in den Straßen Plakate von Schlagerbarde Albano, seit längerem ohne seine sehenswerte Partnerin Romina abseits großer Bühnen unterwegs.

Poltrona Frau befindet sich in einem neu angelegten Industriegebiet im Osten des Ortes. 1912 wurde Poltrona Frau von Firmenchef Renzo Frau in Turin gegründet, als Lederschmiede spezialisiert auf Armsessel der oberen zehntausend. 95 Jahre später sieht die Sache kaum anders aus. Die ehemals kleine Manufaktur in einem Turiner Hinterhof hat sich gemausert - zu einem der exklusivsten Möbelhersteller in Europa, wahrscheinlich sogar der Welt. In den 70er Jahren kam man auf die Idee, die edlen Kuhhäute ins Auto zu bringen. "Seit 1982 kreieren wir auch Lederausstattungen für Fahrzeuge", erklärt Firmensprecherin Sara Nosrati, "das ist für uns in den vergangenen Jahren zu einem sehr wichtigen Arbeitszweig geworden."

30 qm Leder für den Ferrari 612 Scaglietti

Doch Leder ist nicht gleich Leder. Selbst günstige Autos wie ein Fiat 500 oder ein Ford Ka gibt es mittlerweile mit lederbezogenen Sitzgelegenheiten. Das, was Poltrona Frau kreiert, ist deutlich exklusiver. Ähnlich wie die Sitzmöbel für das heimische Wohnzimmer, arbeitet Poltrona Frau einige Klassen höher. So bekommen die knapp 60 Angestellten im Automobilbereich zumeist nur das Feinste vom Feinen in die Hände. Allen voran Sportwagenmarken Maserati und Ferrari lassen ihre feinen Interieurs im italienischen Niemandsland schneidern. Die Autos selbst werden 300 Kilometer weiter nördlich, in Maranello und Modena, gefertigt. Die exklusiven Innenausstattungen für Luxusboliden wie Ferrari California, 612 Scaglietti oder Maserati Quattroporte und GranTourismo werden auf Lastwagen in den Großraum Bologna gebracht.

Ist es für einen Ottonormal-Autofahrer schon ein teurer Luxus, die preiswerten Stoffsitze in seinem Fahrzeug gegen eine Lederausstattung zu tauschen, so kann er von der Handwerkskunst bei Poltrona Frau nur träumen. Auch wenn die Region und das Firmengelände wenig italienischen Charme versprühen und keinerlei Designansprüche anmelden, so werden in den Firmenhalle lederne Träume wahr. Der größte Teil der Lederfabrik produziert Sofas, Sessel, Stühle und Hocker für den Hausgebrauch – "in rund 100 Farben" wie Sara Nosrati stolz erzählt. "Das meiste Leder brauchen wir für den Ferrari 612 Scaglietti. Der braucht rund 30 Quadratmeter an Tierhaut", so Produktionsleiter Corrado Cingulani, "für den 599 GTB brauchen wir knapp 20, für den Maserati Quattroporte knapp 15 Quadratmeter Tierhaut." Nicht ohne Stolz zeigt er auf eine dunkelbraune Innenausstattung mit weißen Ziernähten. Sie ist eine Einzelanfertigung für ein Mitglied der Ferrari-Familie.

Sonderwünsche und Volumenaufträge

Sonderwünsche sind an der Tagesordnung, denn wenn die Kunden zwischen 120.000 und 350.000 Euro für ein Auto ausgeben, muss alles bis ins kleinste Detail stimmen. "Meines Wissens haben Maserati und Ferrari noch keinen Kundenwunsch abgelehnt", erzählt der blonde Produktionsleiter weiter, "das ungewöhnlichste war einmal ein japanischer Kunde. Der wollte für die Sitze seines neuen Ferrari 575 Maranello das gleiche grüne Krokodilleder wie das seiner Schuhe. Dazu hat er einen grünen Lederslipper zu uns geschickt und wir haben das Sonderleder produzieren lassen."

Neben den Exklusivwünschen gibt es jedoch immer wieder Volumenaufträge für Marken wie Fiat, Alfa oder BMW. Poltrona Frau und die Liebe zum Automobil: So richtig begonnen hatte alles im Jahre 1982 mit dem Lancia Thema 8.32; ein rares und wenig standhaftes Edelmodell des in unseren breiten wenig erfolgreichen Lancia-Mittelklassemodells, der via Ferrari-Implantat zur Rennlimousine avancierte. Er verfügte nicht nur über einen Achtzylindermotor aus dem Hause Ferrari, sondern auch über eine phänomenale Innenausstattung in hochwertigstem Leder – zumeist in brauner Färbung. Was damals nur eine handvoll Kunden genießen durften, ist nunmehr bereits ab Werk zu bekommen. Ferrari stattet alle Modellreihen mit Edelleder von Poltrona Frau aus; Maserati bietet beim Quattroporte ebenfalls serienmäßig das schlummerweiche Edelleder. "Wir produzieren Innenausstattungen in zwölf Grundfarben und sechs Sonderfarben", erklärt Produktionsleiter Corrado Cingulani, "die meisten Interieurs sind schwarz, beige und rot. Pro Tag schaffen wir rund 15 von ihnen." Vielen Kunden sind die schmeichelweichen Ledersitze von der Stange nicht genug. So ist es alles andere als unüblich, die mit Leder bezogenen Sitze oder Verkleidungen mit Logos der Familie zu verzieren. Ein englischer Kunde wollte auf das Signet des eigenen Verlages auch auf der Armaturentafel nicht verzichten und gerade die Fahrzeuge, die in den mittleren Osten gehen, sind zumeist mit Namenszügen und Schriftzeichen versehen.

Hoher Arbeitsaufwand bürgt für Exklusivität

Möglich ist diese Exklusivität durch einen extrem hohen Arbeitsaufwand. Der Leder, das von einer Spezialfirma aus der Region rund um Tolentino fertig angeliefert wurde, wird zunächst auf Beschädigungen und Unreinheiten geprüft. Nach festen Schablonen wird das Leder für Maserati und Ferrari dann manuell zugeschnitten. Wie es die Volumenhersteller machen, sieht man ein paar Leder weiter. Hier schneidet ein Schnittcomputer gerade die Innenausstattung für einen 5er BMW zusammen. Das Leder ist dicker und robuster, nicht so filigran und perfekt in seiner Narbung. "Das Leder für Maserati und Ferrari schneiden wir ausschließlich mit der Hand", erklärt Näherin Maria, "das kostet zwar zehn Prozent an Zeit, ist aber um 30 Prozent effektiver, weil man die Lederfläche besser ausnutzen kann." Der Mann im Hintergrund ist Antonio Muciachini, der ein paar Türen neben der Produktionshalle im Lederlabor arbeitet. Vor ihm liegen zahllose Lederproben und Farbkarten – an der Wand hängen riesige Tierhäute mit Farbproben. "Wir machen alle Wünsche möglich. Nahezu jede Farbe ist machbar. Ferrari sowie Maserati wollen perfektes, makelloses Leder. Dafür müssen wir mit unserer Qualitätssicherung garantieren. Das ist das A und O", erklärt Muciachini, "egal für welche Marke wir produzieren – Mini, Mercedes, BMW oder Maserati."

So viel Exklusivität hat selbstverständlich seinen Preis. Das Maserati-Doppel aus Quattroporte und GranTourismo startet bei 112.000 bzw. 114.000 Euro. Für Ferrari California oder den 599 GTB muss man mindestens 176.200 bzw. 206.700 Euro anlegen. Sonderwünsche nicht eingerechnet. Doch es sind längst mehr als die 30 Lederteile für die Sitze, die notwendig sind, um eine Innenausstattung zusammen zu nähen. Ist das Leder erst einmal geschnitten und die Elemente zusammengenäht, geht die Handarbeit weiter. Die Lederkomponenten werden mit großer Vorsicht und unter Verwendung von Klammern und Heißluftgeräten mit Armaturenbrettern, Türverkleidungen und Leisten verwoben. Deutlich größer geworden ist der Aufwand in den letzten Jahren. Kaum ein Fahrzeug ist allein mit einem normalen Radio ausgestattet. Die aufwendigen Elektroniksysteme müssen ebenfalls in den belederten Innenraum implementiert werden. Insbesondere die Teile des Boxensystems müssen in die aufwändige Lederverarbeitung einbezogen werden. Das gleiche gilt für Getriebe, Mitteltunnel und Armlehnen. Jeder Sitz und jede Verkleidung müssen perfekt sitzen und dürfen über keine Makel verfügen. Sonst geht die Arbeit von neuem los.

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