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Legendäre Alfa Romeo-Motoren

Hochdrehende Espresso-Maschinen

Alfa Romeo Tipo 12C Foto: Archiv 23 Bilder

Die Alfa-Motoren sorgten schnell für hohes Ansehen der Marke Alfa Romeo. Die Ingenieure setzten auf leistungsstarke Motoren mit vergleichsweise geringem Hubraum, auf filigrane Feinmechanik und hohe Drehzahlen, die im Rennsport Alfa Romeo an die Spitze brachten. Wir zeigen die wichtigsten Alfa-Motoren, von Alfa 8C bis GTA, von Bimotore bis Alfasud.

30.09.2012 Franz-Peter Hudek Powered by

Am Anfang war der Sport. Nicht nur bei Alfa Romeo. Viele Automobilmarken, die noch heute existieren und häufig zum Premiumsegment zählen, fuhren im Rennsport der Vorkriegsjahre an der Spitze mit: Aston Martin, Bentley, Bugatti, Fiat, Mercedes-Benz, Maserati und natürlich Alfa Romeo. Besonders die Alfa-Motoren wurden schnell zu Legenden.

Renntechnik für die Straße - in den 20er-Jahren bis zu 170 km/h schnell

Deren Serienfahrzeuge profitierten von der hochkarätigen Rennwagentechnik, und gleichzeitig polierten die hart erkämpften Rennsiege das Ansehen der Marke. So stammt der von 1928 bis 1953 für Alfa Romeo maßgebliche Reihensechszylinder der 6C-Baureihe von einem damals hochmodernen Alfa-Motor eines Rennwagen ab. Konstrukteur Vittorio Jano schuf ein robustes, drehzahlfestes Minikraftwerk mit zwei obenliegenden, von einer Königswelle angetriebenen Nockenwellen, dessen Grundkonzeption sich im Rennsport bereits bestens bewährt hatte.

Den Fortschritt der 6C-Maschine gegenüber dem Vorgänger-OHV-Motor aus der RL-Turismo-Reihe von 1927 macht ein Vergleich der Leistungsdaten deutlich. Das neue 1,5-Liter-Aggregat mit fünffach gelagerter Kurbelwelle leistet als Super Sport ohne Kompressor 60 PS bei 4.800/min. Der deutlich massiver gebaute OHV-Dreiliter, ebenfalls ein Sechszylinder, stemmt dagegen gerade mal ein PS mehr bei 3.200/min auf die nur vierfach gelagerte Kurbelwelle. Mit 62 Millimeter Bohrung und 82 Millimeter Hub zeigt sich der kleinere Alfa-Motor nicht nur kultiviert und drehfreudig, sondern auch entsprechend elastisch.

Richtig vorwärts geht es mit dem neuen, auf 1.750 Kubikzentimeter vergrößerten Sport-Spider Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport . Dank Kompressor-Aufladung stehen Rennfahrern wie Tazio Nuvolari jetzt 100 PS bei 5.000/min und 170 km/h Spitze zur Verfügung, mit denen der Mantuaner 1930 die Mille Miglia gewinnt. Der 6CMotor bleibt bis 1953 im Alfa-Programm und leistet zuletzt mit 2,5 Liter Hubraum als Super Sport ohne Kompressor standfeste 110 PS.

Kunstwerk: Alfa-Motor des 8C

Noch ambitioniertere Fahrer beglückt Alfa Romeo seit 1931 mit der Baureihe 8C, zunächst als Alfa Romeo 8C 2300. Der wieder von Vittorio Jano entworfene Reihenachtzylinder besteht aus zwei separaten Zylinderblöcken und -köpfen mit jeweils vier Zylindern und einer gemeinsamen Kurbelwelle. Zwischen den Zylinderbänken befinden sich der Zahnradantrieb für die vier obenliegenden Nockenwellen und für die Nebenaggregate einschließlich Kompressor. Sind die zwölf Liter Motorenöl der Trockensumpfschmierung sorgfältig warmgefahren, leistet das Triebwerk im offenen Sport-Zweisitzer Monza zuletzt 178 PS bei 5.400/min. Dieser universell einsetzbare Super-Alfa ist Anfang der dreißiger Jahre im Rennsport kaum zu schlagen.

Der Alfa Romeo 8C 2300 erkämpft vier Mal in Folge von 1931 bis 1934 den Sieg beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans sowie 1932 und 1933 bei der Mille Miglia . Die letzte Ausbaustufe dieser Alfa-Motoren mit Doppelkompressor, 2,9 Liter Hubraum und 180 PS beschleunigt 1937 die Alfa Romeo-Modelle 8C 2900 B Corto (kurzer Radstand) und Lungo (langer Radstand) bis auf 180 km/h. Die in der Regel mit Karosserien von Touring versehenen Coupés zählen auch heute noch als Klassiker zu den teuersten und begehrtesten Alfa-Romeo-Seriensportwagen.

Nachkriegsjahre: Legendäre Doppelnocker

Nach dem Krieg ist den Italienern jedoch klar, dass nur ein kompakteres, preisgünstigeres und dennoch sportliches Modell das Überleben der Marke sichern kann. Chef-Entwickler Orazio Satta Puglia präsentiert daher 1950 den Alfa Romeo 1900 Berlina mit erstmals selbsttragender, am Fließband montierter Karosserie. Der neue Alfa-Motor, ein Vierzylinder, setzt dagegen das im Motorsport gestählte Erbe fort: zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen sowie ein Leichtmetallzylinderkopf mit Querstromprinzip und halbkugelförmigen Brennräumen.

Die Basisversion des Alfa Romeo 1900 kommt auf stramme 90 PS, als T. I. (Turismo Internazionale) stehen etwas später 100 und als T. I. Super ab 1953 sogar 115 PS zur Verfügung. Damit zählt man Anfang der fünfziger Jahre, als sich die meisten Familienlimousinen mit 1,5 Liter Hubraum und etwa 50 PS begnügten, zu den wirklich Schnellen im Lande. Sport- und professionelle Rennfahrer schätzen daher besonders die "Sprint" genannten Coupé-Versionen und offenen Spider (beide oft als Sonderkarosserien), die im Rennsport viele Klassensiege erzielen.

Mit dem Giulietta Sprint Coupé von 1954 und nachfolgender Limousine erweitert Alfa Romeo sein Modellprogramm um ein kompakteres und preisgünstigeres Einstiegsmodel mit 1,3-Liter-Motor. Dessen DOHC-Vierzylinder erhält im Gegensatz zum 1900er auch einen Motorblock aus Leichtmetall mit nassen Zylinderlaufbuchsen und bildet bis 1996 den technischen, ständig modifizierten Fixstern aller Alfa-Romeo-Reihenvierzylinder bis zwei Liter Hubraum.

Auch die 1987 im Alfa 75 eingeführte Alfa-Motoren-Reihe der Twin-Spark-Serie mit zwei Zündkerzen pro Zylinder basiert noch auf dem Layout der ersten Giulietta-Maschine. Erst mit der Einführung der 16-V-Twin-Spark Alfa-Motoren im 155 Q4 von 1992 und später auch in anderen Modellen beginnt Alfa Romeo, den klassischen Twin-Cam-Motor durch ein Fiat-Aggregat zu ersetzen: Block aus Grauguss, Nockenwellenantrieb durch Zahnriemen und trockene Zylinderlaufbuchsen.

Der Nachkriegs-Reihensecher bleibt nur sieben Jahre

Der 1962 vorgestellte Alfa Romeo 2600 (Berlina 130 PS, Sprint und Spider 145 PS) bringt nach neunjähriger Pause wieder einen Reihensechszylinder ins Programm der Alfa-Motoren. Er basiert auf der Technik des Giulietta-Vierers und löst den inzwischen auf zwei Liter Hubraum angewachsenen, alten 1900er-Vierzylinder ab. Doch bereits 1969 fliegt der Sechszylinder wieder aus dem Alfa-Katalog. Der inzwischen auf zwei Liter Hubraum und 130 PS erstarkte Giulietta-Vierer leistet ebenfalls 130 PS - die reichen völlig aus, um ab 1971 den stattlichen Alfa Romeo 2000 anzutreiben.

Im gleichen Jahr geht auch das 200 PS starke Montreal-Coupé mit V8-Motor und insgesamt vier obenliegenden, kettengetriebenen Nockenwellen in Produktion. Der Motor ist ein domestizierter Ableger aus dem straßentauglichen Rennsportwagen Alfa Romeo 33 Stradale. Zwei weitere Modelle tragen noch einmal zum Mythos der sportlichen, drehfreudigen Alfa-Motoren bei.

Umstieg auf Frontantrieb

Der kompakte, quirlige, erstmals frontgetriebene Alfasud von 1972 und der große, majestätische Alfa 6 von 1979 mit 2,5-Liter-V6-Motor, der zunächst von sechs einzelnen Dell‘Orto-Vergasern beatmet wird. Zwei Jahre vor dem Erscheinen des Golf präsentiert der Alfasud-Viertürer das technische Maximum in der Kompaktklasse. Sein direktes, sportives Handling setzt Maßstäbe. Der tief vor der Vorderachse platzierte 1,2-Liter-Vierzylinder-Boxermotor mit je einer obenliegenden, zahnriemengetriebenen Nockenwelle stemmt 63 PS auf die kurze Kurbelwelle.

Bis Ende 1996 wird der Vierer-Boxer als einer der erfolgreichsten Alfa-Motoren produziert und leistet zuletzt als 1,7-Liter-Vierventiler im Alfa 145 mehr als das Doppelte: 129 PS. Auch der neue 60-Grad-V6-Motor bleibt rund 30 Jahre im Programm. Von 1979 bis 2008 - zuletzt im Alfa Romeo GT -, hält der dynamische, kernig röhrende V6 den Mythos Alfa Romeo in vielen Baureihen wach: mit Heckantrieb im GTV, 90 und 75; mit Frontantrieb im GTV/Spider, 164, 166, 155, 156 und sogar im kompakten 147 als 250 PS starker GTA mit 24 Ventilen und 3,2 Liter Hubraum. Wieder ein echter Alfa Romeo für gestandene Männer mit kräftigen Oberarmen, die damals wie heute ihre charismatischen, italienischen Sport- und Rennwagen mit viel Hingabe durch die Kurven zwangen.

Die Monster-Motoren von Alfa Romeo

Im Kampf gegen die Hubraumriesen von Bugatti und Maserati sowie einige Jahre später gegen Auto Union und Mercedes-Benz setzte Alfa Romeo auch auf Kompressor-Motoren mit 12 und 16 Zylindern. Diesen gingen zwei kuriose Rennwagen mit zwei Motoren voraus. So erhält der Tipo A Grand-Prix-Rennwagen von 1931 zwei parallel im Front-Motorraum installierte 1.750er-Sechszylinder, die ihre Kraft über zwei Kardanwellen an die Hinterachse übertrugen.

Bimotore: Zwei Achtzylinder - einer vorne, einer hinten

Ebenso spektakulär trat der Bimotore von 1935 zu einigen Rennen an: Im Bug und im Heck erzeugten zwei 3,2-Liter-Achtzylinder zusammen 540 PS, der Topspeed betrug 325 km/h. Sein Handicap: extremer Reifenverschleiß. Ende 1937 folgte mit dem Tipo 316 ein echter V16-Zylinder-Monoposto mit drei Liter Hubraum, der 440 PS bei 7.500/min leistete. Der Krieg verhinderte die Weiterentwicklung des schnellen Wagens.

Mehr Erfolg hatte Alfa Romeo mit Zwölfzylinder-Rennwagen: Dem 340 PS starken Tipo 12C mit 4,1 Liter Hubraum gelangen 1936 und 1937 beeindruckende Siege duch Tazio Nuvolari und Giuseppe Farina. In der Formel 1 erzielte ein Drei-Liter-V12 - natürlich ohne Kompressor - einige Achtungserfolge und 1978 sogar zwei Siege mit Niki Lauda.

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