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Legendäre Autowerbung von Borgward-Werber Kurt Ochmann

Kurts Mitteilungen

Borgward-Werber Kurt Ochmann Foto: Archiv 16 Bilder

Der Mythos Borgward wurde weitgehend mitbestimmt von der überschäumenden Kreativität Kurt Ochmanns, von 1933 bis 1961 Werber und PR-Stratege der Bremer Auto-Legende. Ein exklusiver Blick in die Borgward-Welt eines rastlosen Wort- und Bild-Künstlers.

19.02.2010 Malte Jürgens Powered by

Carl F. W. Borgward marschierte vor einem halben Jahrhundert nicht nur technisch mit an der Spitze der deutschen Automobil-Industrie. Sein Unternehmen war der Konkurrenz auch strategisch um Jahrzehnte voraus. Eine Haupttriebfeder im öffentlichen Bild der Borgward-Welt war dabei Kurt Ochmann.

Corporate Identity für Carl F.W. Borgwards Firmen Hansa, Lloyd, Goliath und eben Borgward

Im Jahr 1906 geboren, trat er 1933 in die Dienste Borgwards, der später möglicherweise ein bisschen den Überblick verlor, was seine Marken Hansa, Lloyd, Goliath und eben Borgward betraf. Ochmann behielt den Überblick fast drei Jahrzehnte lang.?

In den Fünfzigern des 20. Jahrhunderts drängte er Borgward bereits in Richtung einer von ihm definierten Corporate Identity, eines harmonischen Auftritts der Marken Lloyd, Goliath und Borgward. Das, was heute jungen Kreativen mühsam beigebracht werden muss, hatte Ochman bereits vor 50 Jahren drauf - die Einheitlichkeit des Firmenauftritts in Wort, Schrift, Bild und Ton.?

Der Mann, der nahe Worpswede sein Haus nach eigenen Ideen selbst baute, war ein rastloser Entwerfer. Enkelsohn Timo Hartstock: "Mein Großvater hat zu Hause praktisch permanent gezeichnet. Er entwarf Fassaden für Borgward-, Lloyd- und Goliath-Vertretungen, er versuchte, die Schriftzüge dieser Marken zu harmonisieren, er zeichnete neue Arbeitskleidung für die Mitarbeiter von Borgward-Vertretungen, dachte über die Anmutung von Borgward-Händlern dem Publikum gegenüber nach. Aber dazwischen entwarf er Lampen, Häuser, Inneneinrichtungen - einfach alles, was ihn interessierte."

Das Märchen zum 70. Geburtstag von Carl F. W. Borgward

"Es war einmal ein junger Mann, der wollte gar zu gern Automobile bauen. Doch dieweil die Zeiten schlecht waren, fing er bescheiden mit einer kleinen Maschine an. Die schnippelte Bohnen, hatte noch keine gute Straßenlage, und es mangelte ihr an PS. Der junge Mann aber ließ sich nicht entmutigen. Schließlich baute er Kühler und Kotflügel, seine Werkstatt ward bald eine Fabrik, und das erste Fahrzeug kroch vom Band. Der junge Mann nannte es Blitzkarren.

Wie jeder ordentliche Blitz, so schlug auch die Blitzkarre ein. Dann folgte ein Auto dem anderen, und der junge Mann wurde Boss. Nun begann ein bewegtes Leben. Auf der Jagd nach dem Erfolg hörte man unentwegt die Meute bellen. Indes - der Boss bellte zurück. Ja, man fürchtete sich allmählich vor seinem (Isa)-bellen. Wie sehr es auch aus Süd und West Deka-wehte, der Boss ließ sich weder von den starken Stürmen aus Köln Ford-blasen, noch von einem Orkan aus Rüsselsheim über-Opeln. Denn er kannte seine Untertürkheimer, deren guter Stern ihn auf allen Straßen verfolgte.

Selbst als das große Vau-Weh über die Welt kam, und ganze Scharen von Maikäfern aus der Wolfs-Burg ausbrachen, um die Kundenstämme kahl zu fressen, behielt er den Kopf oben. Auch das Volk der Zwerge - die Goggos - wussten bald, was die Glocke ge-Lloydet hatte. Groß war die Zahl der Verfolger. Sogar der kleine Hans aus Dingol fing an, sein Glück zu versuchen. Doch Glück und GLAS, wie bald ... Jedoch bewahrheitete sich dieses Sprichwort nicht sogleich.

Es kam ein PRINZ vom Neckar, der stets einen Schuhanzieher zum Einsteigen und einen Büchsenöffner zum Aussteigen bei sich trug. Vor ihm schritten Werbe- Herolde einher, die mit lauter Stimme verkündeten: "Weh dem, der einen Prinz besitzt." Nichts aber konnte den Boss erschüttern. Als er sich an einer Ja-Nus die Zähne ausbeißen sollte, merkte man, dass sie hohl war - und schon verschwand sie wieder im Typen-Wald.

Auch von fern her kamen Feinde, um dem Boss Freunde zu rauben, indem sie diese unter ihre südlichen Fi(a)ttiche nahmen. Selbst die Lastenträger machten ihm das Leben schwer. Wer den Hano mag und TEMPO liebt, dachte da der Boss, wird mit dem EXPRESS noch besser fahren. Und sein Goli-Athlet lief ihnen trotz seiner drei Beine davon. Wie immer es kam - der Boss ließ sich von keinem seiner Widersacher ein X für ein (NS)-U vormachen.

Wenn er seinen Hansa ansah, den ersten Lloyd (leuko)- plastisch vor seinem Auge entstehen ließ und an die Zeiten dachte, da Alexander der Kleine die Welt eroberte - dann fühlte er berechtigten Stolz. Als die Türkheimer ihren Borg-Wart ausschickten, großen Leuten den Daimler-Stern am Benz zu "verleihen", sagte der Boss zu sich selbst: Kein Auto-Boom wächst in den Himmel und landete darauf einen großen Coup, indem er sein jüngstes Kind auf Luft bettete - die seinen Rivalen vor Schreck wegblieb. Er nannte es "Coronarealsenatorcarlos" und freute sich über die langen Gesichter seiner Gegner. Die standen vor dem Turm am Bahnhof und murmelten fassungslos... "und sie bewegt sich noch!" Dass sie sich noch lange bewegen möge, das wünscht Ihnen, sehr verehrter Herr Dr. Borgward, Ihre Werbeabteilung."

Ochmanns Nachlass unterm Hammer?

So war Kurt Ochmann. Das gesamte Ochmann-Archiv, darunter Unikate wie die nie gedruckten Borgward- Werbeplakate, wurden am 7. November 2009 im Auktionshaus Seidel & Friedrich in Ladenburg nahe Heidelberg versteigert. Es war nach einer Versteigerung 2005 bereits die zweite Auktion des Nachlasses von Carl F.W. Borgward. Eine einmalige Sammlung von Belegstücken aus der bewegten Geschichte der mythischen Bremer Marke wurde damit aufgelöst.

Was bleibt, ist eine ferne Erinnerung an Kurt Ochmann, der eine seltene Mischung aus Ästhet und Marketing-Spezialist repräsentierte. Er war es, der Carl Borgward davon zu überzeugen versuchte, den getrennten Einkauf für die Marken Borgward, Lloyd und Goliath endlich zusammenzulegen.

Doch damals trieb noch das Gespenst der Gleichschaltung sein Unwesen. Heute jedoch müsste man Kurt Ochmann im Grunde ein Denkmal setzen. Weil er das, was die modernen Marketing-Strategen in teuren Kursen lernen müssen, bereits vor einem halben Jahrhundert als Autodidakt praktiziert hat.

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