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Leiter der Continental-Division Pkw-Reifen Nikolai Setzer

"Langfristig werden sich die Märkte erholen"

Continental Reifen-Chef Nikolai Setzer Foto: Continental

Nikolai Setzer, Leiter der Continental-Division Pkw-Reifen, geht davon aus, dass sich die Märkte langfrisitg erholen werden. Insbesondere in Asien rechnet er mit einer steigenden Nachfrage, wie er im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht erklärt.

18.06.2009 Harald Hamprecht

Wie entwickelt sich der Reifenmarkt weltweit - und was erwarten Sie für die Zukunft? (Marktentwicklung in Millionen Euro)
Setzer: Prinzipiell ist die Belastbarkeit einer Prognose aufgrund des sehr dynamischen wirtschaftlichen Umfeldes äußerst begrenzt. Wir rechnen in unserer derzeitigen Schätzung mit einer Pkw-Reifen-Nachfrage für dieses Jahr auf dem Niveau von rund 1,2 Mrd. Pkw-Reifen weltweit, für 2010 mit knapp 1,25 Mrd. Pkw-Reifen und für 2011 mit mehr als 1,3 Mrd. Dabei gehen wir grundsätzlich von einer langfristigen Erholung der Märkte und einer weiter steigenden Nachfrage in Asien aus.

Wettbewerbsvergleich: Wie schlägt sich Conti in Deutschland, in Europa und weltweit? Wie die Wettbewerber?
Setzer: Nach dem Global Tyre Report 2008 des European Rubber Journal ist der Continental-Konzern in Europa Marktführer bei Pkw-Reifen. Weltweit sind wir die Nummer vier. Hier die weltweite Rangliste (nach ERJ 2008): 1. Group Michelin, 2. Bridgestone Corporation, 3. Goodyear Tire & Rubber Corp., 4. Continental AG, 5. Pirelli & C. SpA, 6. Sumitomo Rubber Industries Ltd., 7. Yokohama Rubber Co. Ltd., 8. Hankook Tire Co. Ltd..

Welche Trends spielen Ihnen (nicht) in die Karten? 
Setzer: Wir haben bei Continental aufgrund unserer starken technologischen Position einen guten Mix zwischen den Reifen für die Erstausrüstung und für das Ersatzgeschäft. Der aktuelle Trend im Straßenverkehr zu mehr Umweltfreundlichkeit auf der einen Seite, der sich weiter ausprägende Bedarf an Sicherheit auf der anderen, ist deckungsgleich mit unseren technologischen Stärken. Auch sind wir beim Mix zwischen den kleineren Reifen und den größeren Reifen (also ab 17 Zoll aufwärts und mit Geschwindigkeitsfreigaben ab 240 km/h) sehr gut aufgestellt. Natürlich helfen uns – wie der ganzen Branche – die derzeit im Vergleich zum hohen Rekordniveau der Vorjahre sinkenden Preise für unsere Grundstoffe wie beispielsweise Kautschuke. Allerdings: Das Tief in der Automobilkonjunktur ist noch nicht durchschritten. Vor dem Herbst erwarten wir keine signifikante Besserung – und die wird wohl eher eine Stabilisierung sein als ein wirkliches Anziehen des Marktes.   

Planen Sie Mergers/Aquisitions? Werden in der Branche solche erwartet?
Setzer: Wir nehmen in der Pkw-Reifendivision lokal und regional kleinere Ergänzungen vor, insbesondere, um unser Vertriebsnetz zu stärken. Größere Projekte haben wir derzeit aber nicht in der Planung. 

Wie entwickelt sich Gewinn/Umsatz/Mitarbeiterzahlen? In Deutschland? Weltweit? Brauchen Sie neue Entwickler?  Bauen Sie tendenziell eher Mitarbeiterzahlen auf oder ab? 
Setzer: Continental hat weltweit derzeit rund 133.000 Mitarbeiter, davon rund 45.000 in Deutschland. Wir haben 2008 weltweit rund 24 Mrd. Euro umgesetzt. Derzeit sind wir bestrebt, so viele qualifizierte Mitarbeiter wie möglich zu halten. Allerdings kommen wir nicht daran vorbei, unsere Kapazitäten der weltweiten Rezession anzupassen. Natürlich versuchen wir parallel, die bestehenden Überkapazitäten durch den Abbau von Arbeitszeitkonten, durch Kurzarbeit und Freischichten zu begrenzen.   

Produktionswerke in Deutschland, Europa und weltweit - ein Überblick. Braucht Ihr Konzern neue Produktionskapazitäten? Oder bauen Sie ab? Haben Sie dieses Jahr bereits Kurzarbeit gefahren - oder ist das geplant?
Setzer: Aufgrund massiver Nachfrageeinbrüche in der Erstausrüstung und Marktschwächen im Ersatzgeschäft in den vergangenen Monaten zeichnet sich ab, dass es 2009 europaweit zu Überkapazitäten von rund 15 Millionen Pkw-Reifen kommen wird. Deshalb mussten wir beispielsweise das Projekt zur Schließung des französischen Reifenwerkes in Clairoix initiieren. Produktionsanpassungen gibt es an allen anderen Standorten. Sofern dies möglich ist, setzen wir auf Kurzarbeit: Allein in Deutschland arbeiten bei Continental insgesamt derzeit mehr als 20.000 Mitarbeiter kurz.

Wie lief das Winterreifengeschäft? Wie läuft das Sommerreifengeschäft?
Setzer: Das Winterreifengeschäft 2008/2009 ist relativ gut gelaufen, hier hat uns der kalte Winter natürlich in die Karten gespielt. Beim Sommerreifengeschäft sind wir derzeit auf einem etwas niedrigeren Niveau als im letzten Jahr, was im Einklang mit der Marktentwicklung steht.

Welche Innovationen/USPs haben Sie im Angebot? Was investieren Sie jedes Jahr in Innovationen? Wofür steht Ihre Marke? Wie wollen Sie die Positionierung weiter profilieren? Wie wichtig ist dabei der Motorsport? 
Setzer: Natürlich werden wir auch im nächsten Winter neue Produkte anbieten, die noch mehr Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer bringen. Daran arbeiten alleine in unserem Entwicklungszentrum im Hannover rund 500 Ingenieure. Reifen von Continental bieten ein Höchstmaß an Sicherheit und liefern einen möglichst ausgewogenen Kompromiss aller anderen Eigenschaften. Als Sponsor der FIFA WM in Südafrika werden wir diese weltweit einzigartige Kommunikationsplattform nutzen, um uns einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Beim Thema Motorsport halten wir uns zurück: Wir sind sicher, dass man aus dem Engagement bei der Formel 1 wenig für den Bau und die Anhebung von Performance von Serienreifen lernen kann. Anders sieht das bei Reifen für Highend-Tuningfahrzeuge aus. Hier sind wir mit unserem ContiSportContact Vmax dabei, zusammen mit unseren Partnern Hochgeschwindigkeitsrekorde einzufahren.

Wie gestaltet sich Ihr Vertrieb? Stehen hier Änderungen an?
Setzer: Wir setzen auf einen Mix zwischen dem klassischen Reifenhandel, dem Vertrieb über unsere Handelstochter Vergölst und dem Autohausgeschäft allen anderen Kanälen wie beispielsweise der New Distibution. Daran wird sich auch künftig nichts ändern. Mit den verschiedenen Marken unseres Hauses können wir dabei sowohl regionalen Ansprüchen entgegen kommen als auch die verschiedenen Segmente wie Premium, Value und Budget bedienen. Damit sind wir sehr erfolgreich unterwegs.

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