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Lesertour: Ligurischer Grenzkamm

Grenzpatrouille

13 Bilder

Die verlassene Militärpiste im Nordwesten Italiens galt lange als eine der längsten Versorgungsstraßen der Welt. Für wendige Fahrzeuge wie den VW Iltis sind die engen Pässe heute ein Paradies

25.06.2008 Powered by

Der Ligurische Grenzkamm beginnt oberhalb von Limone. Dazu biegen wir kurz vor dem Tunnel rechts ab in Richtung Fort Central. Hier startet die fast 70 Kilometer lange Strecke - teils extrem steil, meistens brüchig und immer grob. Mit etwas Glück schafft man sie an einem Tag. Doch ein Nachtlager in dieser wunderschönen Landschaft sollte man sich nicht entgehen lassen.

Ich führe den kleinen Konvoi an. Mein VW Iltis ist wie geschaffen für diese enge Route - schmal gebaut, nur zwei Meter Radstand und gut eine Tonne schwer. Tapfer schnaubt er über den felsigen Untergrund, nimmt die engen Biegungen mit Leichtigkeit. Alle vier Räder krallen sich dank Allrad in den schroffen Untergrund und ziehen den Kübel den Hang hinauf. Ich genieße die komplette Rundumsicht im Freien - späte Grenzpatrouille durch die Alpen.

Verfolgt werden wir von drei Begleitfahrzeugen: zwei Opel Frontera Sport und ein Toyota Land Cruiser. Alle wesentlich größer, träger und vor allem schwerer. Ein klarer Nachteil hier in der wilden Landschaft. Kommt jemand von vorn, muss schnell reagiert werden. Oft fahren wir mehrere Hundert Meter zurück, damit der Gegenverkehr passieren kann. Der macht sich aber Gott sei Dank rar.

Die Schotterpiste führt entlang des Cime du Bec Raux, über den Passo di Tanarello, vorbei am Lago di Tenarda bis hinunter ins kleine Dörfchen Pigna. Ständig balanciert man auf der Grenze zwischen Frankreich und Italien entlang. unzählige Ruinen und Forts säumen den Weg. Aufgeräumt wird hier nicht. Und Straßenarbeiten gibt es nur, wenn ganze Streckenteile abgerutscht sind. Überall besteht Steinschlaggefahr. Nicht nur von oben, sondern auch von unten. Das war besonders gefährlich für unseren ersten Frontera, als sich bei ihm der Zusatztank aus seiner Halterung löst und sich stark Richtung Boden neigt. Eine Hebebühne haben wir nicht. Also rollen wir den Frontera schräg auf einen Steinhaufen, damit wir an den Unterboden kommen. Schnell ist der Tank an seine Position zurückgeschoben, provisorisch mit Draht fixiert und für die Weiterfahrt fit gemacht.

Für den folgenden Streckenabschnitt lassen wir noch etwas Luft aus den Reifen. Absturzgefährdete Teilstücke, atemberaubende Felsüberhänge und extrem grober Untergrund zwingen uns zur Schleichfahrt im untersetzten ersten Gang. Jetzt führt der Weg steiler den Berg hinauf. Hinter jeder Kurve blicken wir in ein neues Tal, grün, fruchtbar und wunderschön. Der Pfad wird immer enger, windet sich durch dichten Wald, dann wieder entlang tiefer Schluchten. Zuerst bekommt der breitere Land Cruiser Probleme. Er gerät mit einem Rad über dem Abgrund. Wir lotsen ihn langsam durch den gefährlichen Parcours. Eine Unaufmerksamkeit, und der zwei Tonnen schwere Brocken würde den Abhang hinunterstürzen. Doch wir kommen ohne Probleme durch.

Gegen Abend finden wir einen geeigneten Lagerplatz. Die Schutzhütte auf 2180 Meter Höhe wird unser Quartier für die Nacht. Unter uns ein unbeschreiblich schönes Panorama. Unter einem tiefschwarzen Sternenhimmel schlafen wir ein.Früh am nächsten Morgen geht es gemächlich weiter in Richtung Süden. Den schwierigsten Teil haben wir nun hinter uns. Von jetzt an geht es bergab. Vor dem Monte Saccarello, dem heiligen Berg Liguriens, trennt sich die Gruppe. Einige von uns bleiben zum Wandern hier. Wir fahren weiter. Stetig bergab rumpelt der geschrumpfte Konvoi auf der Militärstraße. Kilometer für Kilometer im Schneckentempo, durchgeschüttelt. Mal geht’s durch dichten Wald, dann wieder unter mächtigen Felsüberhängen hindurch. Erst kurz vor Ende des Grenzkamms wird die Straße etwas besser und schlängelt sich in engen Serpentinen abwärts. In der ersten Ortschaft machen wir Rast. Mit einer kleinen Erfrischung erholen wir uns von den Strapazen der Schaukelei. Bedrohlich türmen sich hoch oben die riesigen Felsmassive auf. Wir haben sie bezwungen - einfach überquert. Das war unser Ziel.

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