Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Lewis Booth

"Styling wird immer entscheidender"

Foto: Ford

Der 57 Jahre alte Brite Lewis Booth, seit zwei Jahren Chef von Ford Europa, hält die krisenhafte Entwicklung in der Autoindustrie noch nicht für bewältigt. Eine seine Hauptforderungen für die Belebung: "Mehr Emotionalität".

19.08.2005

Nach dem Verlauf des ersten Halbjahrs sind die Chancen gering, dass 2005 besser wird als 2004. Sehen Sie das auch so?

Booth: Das Autogeschäft scheint eine Nuance besser zu werden. Aber man darf sich nichts vormachen, das rührt von den nach wie vor heftigen Stützungsmaßnahmen her. Besonders in Deutschland sind die Käufer doch vorsichtig mit dem Geldausgeben, obwohl zweifellos Geld vorhanden ist.

Wundert Sie das? In Deutschland stehen wahrscheinlich Neuwahlen an, das Konsumklima ist mies, Öl- und Spritpreise haben neue Höchststände erreicht.

Booth: In der Tat ist der Ölpreis eine Belastung für die Gesamtwirtschaft. Wie ernst dieses Thema ist, merkt man daran, dass bei den Konsumenten in den USA ernsthaft über Verbrauchseinsparungen nachgedacht wird. In Europa hat der Preisauftrieb zu einem kräftigen Vertrauenseinbruch geführt. Auch in Großbritannien, wo die Wirtschaft an sich gesund ist, sind die Verbraucher zurückhaltender geworden. Die Frage ist, wie lange das noch anhält.

Wie lange kann die Autoindustrie diesen Milliarden verschlingenden Preiskrieg noch aushalten?

Booth: Wir erleben sehr bedrohliche Zeiten, denn die finanziellen Hürden werden immer höher. Autopreise runter, Materialkosten rauf. Und dazu noch ein starker Euro, der erschwerend ist für den Export. Die meisten Leute unterschätzen den Schaden, den der starke Euro anrichtet. Die Grundlagen, auf denen wir Autos produzieren, sind nachhaltig schwieriger geworden.

Welchen Einfluss erwarten Sie von den so genannten Billig-Autos wie dem Dacia Logan, der in Rumänien von Renault gefertigt wird?

Booth: Das beobachte ich natürlich mit großem Interesse. Noch habe ich Zweifel, ob für derartige Autos außerhalb Osteuropas tatsächlich entscheidende Nachfrage besteht, ob nicht die Leute hier eher einen besser ausgestatteten Gebrauchtwagen fürs gleiche Geld kaufen. So viel ich weiß, ist auch in Rumänien die Nachfrage nach dem Basismodell ohne jede Ausstattungvergleichsweise gering. Um festzustellen, ob sich hier ein neuer Trend herausbildet, sollten wir noch zwei, drei Jahre warten. In Deutschland sind wir mit dem Top-Angebot des Ford Ka zu sensationellen 7.990 Euro sehr gut gerüstet.

Glauben Sie, dass die grundsätzlichen Werte eines Autos wie Aussehen, Sportlichkeit und Leistung zunehmend an Bedeutung verlieren und von denKäufern nicht mehr honoriert werden?

Booth: Natürlich hat der enorme Preisdruck einiges verändert, besonders bei der Nachfrage nach bestimmten Ausstattungsdetails. Für mich steht aber außer Frage, dass die große Mehrheit der Autokäufer die emotionalen Inhalte des Automobils nach wie vor sehr wohl schätzt. Kein Mensch gibt 8.000 und mehr Euro aus, wenn er sich nicht in irgendeiner Weise von dem Auto angezogen fühlt. Ich bin davon überzeugt, dass die Entwicklung genau in die andere Richtung geht. Die Hersteller legen vermehrt Wert darauf, durch besonderes Styling, innen wie außen, und spezielle technische Highlights die Emotionalität und die Attraktivität eigens herauszustreichen. Design und Qualität und das handwerkliche Können werden immer entscheidendere Argumente im Wettbewerb.

Ford-Europa-Chef: "Wer einen Ford sieht, muss sofort erkennen, dass es ein Ford ist"

Jetzt bringt Ford den Sportvan SAV, das Sport Activity Vehicle, das auf dem Genfer Automobilsalon als Studie zu sehen war, in Serie, aber nicht als Ersatz des Galaxy. Wen wollen Sie damiterreichen?

Booth: Wir glauben, dass zwischen dem Mondeo und dem Galaxy noch Platz ist für einen Sportstourer, der Flexibilität und sportliche Dynamik verbindet. Wie auch der Erfolg des FocusC-Max zeigt, entscheiden sich immer mehr Käufer gegen die klassische Limousine und für geräumigere Van-Konzepte, die gleichzeitig Fahrdynamik bieten. Ich bin ziemlich sicher, dass wir mit diesem Modell manchen Kunden einer Premiummarke abwerben werden. Dieses Auto ist in unserem Verständnis von Design als eine Art Zukunftsmodell anzusehen, also als Hinweis auf das künftige Ford-Styling, das der Emotionalität noch mehr Platz einräumen wird.

Ist das gleichzeitig die Abkehr vom New-Edge-Design?

Booth: Das New-Edge-Design war vom Zeitpunkt seiner Einführung an sehr erfolgreich. So war der Vorgänger des jetzigen Focus in den Jahren 2000 und 2001 sogar der meistverkaufte Pkw der Welt. Aber wir haben jetzt den Eindruck gewonnen, dass mehr Emotionalität durchaus gewünscht ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Kunde zuerst wegen der Attraktivität des Fahrzeug-Designs in den Showroom kommt und nicht wegen der Attraktivität des Preises.

Auf der IAA im September zeigt Ford unter anderem ein ziemlich eigenwilliges Konzeptauto mit total fließenden Linien und attraktivem Styling. Was soll die Botschaft sein?

Booth: Woher wissen Sie das? Aber richtig, wir zeigen ein Show Car, das die Designentwicklung von Ford ins nächste Jahrzehnt aufzeigt. Ein Stück dieses Wegs kann man, wie schon gesagt, auch am neuen Sportstourer erkennen. Noch einen Schritt weiter geht dann der neue Mondeo. Aber eine Voraussetzung muss jetzt wie auch in Zukunft erfüllt sein: Wer einen Ford sieht, muss sofort erkennen, dass es ein Ford ist. Auch die Herkunft eines Autos darf man genauso wenig aus den Augen verlieren wie seine Vergangenheit. Wir sind stolz auf unsere Ford-Tradition.

Will Ford wieder einen Sportwagen bauen oder einen Scorpio-Nachfolger?

Booth: Wir sind völlig damit ausgelastet, die jeweiligen Nachfolger für unsere aktuellen Serienmodelle zu entwickeln. Das ist bereits eine überaus herausfordernde Aufgabe. Und einen Scorpio-Nachfolger? Darauf habe ich als Antwort ein klares Nein. Der Markt für große Limousinen abseits der Premiummarken ist äußerst klein, und mit den attraktiven Modellen unserer Schwestermarken Jaguar und Volvo sind wir exzellent aufgestellt.

Ford propagiert bei der Produktion quer über die Marken und Modellreihen das Prinzip gemeinsamer Teile und Technologien. Wann, denken Sie, haben Sie das Ziel erreicht?

Booth: Wir sind noch lange nicht am Ende. Wir suchen weiter nach Einsparmöglichkeiten, auch bei der Produktentwicklung. Im Bereich von Ford Europa sehen wir Raum für weitere Verbesserungen bei der Zusammenarbeit aller Ford-Marken. Beim neuen Focus ist uns erstmals bei der gemeinsamen Teileverwendung ein entscheidender Schritt nach vorne gelungen, in dem wir Komponenten mit den Marken Volvo und Mazda zusammen nutzen. Und in weiteren fünf Jahren werden alle Autos von Ford Europa komplett auf dieser Produktionsphilosophie basieren.

Beim gesamten Wettbewerb stehen derzeit Bemühungen zur Kostenreduzierungan an allererster Stelle. Wo befindetsich Ford in diesem Wettkampf?

Booth: Jeder muss die Kosten reduzieren, denn auf Grund des zunehmenden Preisdrucks leiden die Erlöse. Wir haben vor fünf Jahren unsere Kapazitäten drastisch reduziert, das Werk Dagenham zum reinen Motorenwerk ausgebaut und im vorigen Jahr auch im Werk Genk eine Schicht herausgenommen. Das hat zusammen mit unserer Gleichteilestrategie eine deutliche Kostenreduzierung erbracht.

Hat Ford die Entwicklung beim Diesel-Partikelfilter etwas verschlafen?

Booth: Ganz gewiss nicht. Wir liefern jetzt den Ford Focus C-Max und den Focus mit Dieselpartikelfilter, der Mondeo kommt demnächst. Aber es ist korrekt, dass die starke Nachfrage nach Filtern uns überrascht hat. Leider ist das Durcheinander in der deutschen Politik im Umgang mit dem Filter und staatlichen Subventionen ebenfalls nicht hilfreich und führt zur weiteren Verunsicherung der Käuferschaft.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige