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Lexus-Europachef Pfeiffenberger im Interview

"Mittelfristig bis zu 100.000 Verkäufe in Europa"

Andy Pfeiffenberger Foto: Lexus 42 Bilder

Nur 27.000 von weltweit 367.000 Verkäufen konnte Lexus 2009 in Europa verbuchen. Lexus-Europachef Andy Pfeiffenberger spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht darüber, wie er das Mittelfristziel von bis zu 100.000 Verkäufen erreichen will.

24.03.2010 Harald Hamprecht

Wie stark ist Lexus von der aktuellen Rückrufaktion betroffen?
Pfeiffenberger: In den USA sind es in der Tat einige, wie zum Beispiel der ES350 und der IS250 und IS350. In Europa dagegen wird kein einziges Lexus-Modell für Verbesserungen im Bereich von Fußmatten und Gaspedalen in die Werkstatt gebeten. Der Lieferant der defekten Pedale zählt nicht zu den Lexus-Zulieferern. Deswegen hat die europaweite Kundenzufriedenheitsmaßnahme von Toyota keinerlei Auswirkungen auf unser Geschäft.

Was sind die größten Herausforderungen im Jahr 2010?
Pfeiffenberger: Die Vorbereitung der Markteinführung für unser neues Einstiegsmodell CT 200h. Lexus bietet damit erstmals ein Fahrzeug im Segment der kompakten Premiummodelle ein. Schon im Spätherbst dieses Jahres nehmen wir in Europa Bestellungen entgegen, früh im Jahr 2011 erfolgen die ersten Auslieferungen. Wir werden mit diesem Kompaktmodell als einzige Marke im Segment einen Vollhybriden anbieten. Der CT 200h wird hinsichtlich C02, NOX HC-Emissionen das sauberste Fahrzeug seiner Klasse sein. Wir wollen damit viele neue Kunden erobern und an die Marke heranführen.

Wo liegt der Einstiegspreis in die Lexus-Welt?
Pfeiffenberger: Der Grundpreis wurde noch nicht fixiert. Wir schauen uns derzeit genau an, was die Wettbewerber in Europa für ihre Fünftürer mit gleich starkem Dieselmotor verlangen.

Wie viele CT 200h wollen Sie verkaufen?

Pfeiffenberger: Wir rechnen europaweit mit 25.000 bis 30.000 Einheiten in einem vollen Verkaufsjahr.

Wo wird der Lexus-Gesamtabsatz 2010 in Europa liegen?
Pfeiffenberger: Leicht über den 27.000 Einheiten des Jahres 2009, ich rechne mit rund 28.000 verkauften Lexus. Und 2011, im ersten vollen Verkaufsjahr des CT200h, rechne ich mit einem Plus von 70 bis 80 Prozent. Der CT 200h wird eine großartige Ergänzung für unser Portfolio sein. Unser Ziel ist es, drei bis vier Prozent des für uns relevanten Premiummarktes zu gewinnen.

Mit dem CT200h haben Sie dann das sechste Modell in Ihrem Portfolio - neben den Limousinen IS, GS, LS, dem Geländewagen RX und dem Cabrio SC. Werden Sie weitere Nischen besetzen?

Pfeiffenberger: Unser Supersportwagen LFA mit V10-Motor zum Preis von 375.000 Euro wird in limitierter Zahl von 500 Einheiten bekanntlich ab 2011 an die Kunden ausgeliefert.  Die Produktion startet im Dezember. Außerdem stellten wir in Genf den RX 450h als gewichtsoptimierten Fronttriebler mit weiter reduziertem CO2 Ausstoß vor. Dieses Fahrzeug wird vorerst nicht in Deutschland angeboten.

Welche Segmente wären grundsätzlich noch für Sie interessant?
Pfeiffenberger: Derzeit wachsen nur drei Segmente in Europa - das B-Segment, in dem Modelle wie der Audi A1 beheimatet sind, das C-Segment, in dem der Lexus CT 200h antritt, und das C-SUV-Segment, das unsere Schwestermarke mit dem RAV4 belegt. Wir werden diese drei Segmente aufmerksam analysieren. Ein kleiner Bruder des RX wäre sicher für uns spannend. Aber wir werden auch genau verfolgen, ob Audi mit dem A1 nur eine Kannibalisierung des A3 erzeugt oder zusätzliche Kundengruppen gewinnen kann.

Planen Sie Eliminierungen im Portfolio?
Pfeiffenberger: Unser Achtzylinder-Cabrio SC 430 läuft dieses Jahr nach über neun Jahren Bauzeit aus, und wir haben vorerst keine Pläne für ein Nachfolge-Modell. 

Wo liegt Ihr Mittelfristziel für Europa?
Pfeiffenberger: Sicher bei 80.000 bis 100.000 Einheiten im Jahr. Hohes Volumen ist aber nicht das primäre Ziel, vielmehr die nachhaltige Kundenbindung über ein einzigartiges Markenerlebnis und höchste Zufriedenheit mit Produkt und Service.

Sie waren ja schon mal bei knapp über 54.000 Verkäufen in Europa.
Pfeiffenberger: Richtig, das war im Jahr 2006. In Deutschland erreichten wir damals schon mehr als 5.000 Verkäufe. Dieses Potenzial sollten wir bald wieder ausschöpfen.

Welche Bedeutung hat der europäische Markt für Lexus weltweit betrachtet?
Pfeiffenberger: Im vergangenen Jahr haben wir hier - wie erwähnt - 27.000 von insgesamt 367.000 Einheiten verkauft. Dabei muss man beachten, dass mehr als 200.000 Einheiten allein in den USA verkauft werden - unserem mit Abstand größtem Einzelmarkt, gefolgt von Kanada, Russland und den wichtigsten westeuropäischen Märkten Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien.

Im Vergleich zu Mercedes, Audi und BMW sind sie damit weltweit und in Europa ein kleines Licht.
Pfeiffenberger: Wenn Sie bei Mercedes, BMW und Audi die kleinen Modelle und die schwachen Vierzylinder abziehen, sieht das Bild schon anders aus. Insgesamt kleiner zu sein ist für uns ein Vorteil. Denn damit sind wir automatisch exklusiver.

Verdienen Sie in Europa Geld?
Pfeiffenberger: Wir schlüsseln unseren Gewinn nicht nach Regionen auf. Weltweit trägt Lexus jedoch einen sehr signifikanten Anteil zum Unternehmensgewinn des Konzerns bei.

Wie viele Menschen beschäftigen Sie in Europa?
Pfeiffenberger: In unserer Zentrale in Brüssel beschäftigen wir 38 Mitarbeiter, in ganz Europa kommen wir auf rund 180.

Ein neues Werk in Europa ist angesichts der Absatzpläne wahrscheinlich kein Thema?
Pfeiffenberger: Nein, mit zwei Werken in Japan und einem in Kanada sind wir in der Produktion gut aufgestellt.

Wie viele Händler haben Sie in Europa - und wird es hier Veränderungen geben?
Pfeiffenberger: Wir verfügen europaweit über 270 Vertriebspartner. Änderungen sind nur in speziellen Märkten vorgesehen. In Italien etwa brauchen wir noch ein paar Partner mehr. In Deutschland sind wir gut aufgestellt. Nach der Investitionsphase zwischen 2005 und 2008 ist es nun an der Zeit, aus dieser Saat die Ernte einzufahren. Mit dem CT 200h werden sich uns viele neue Möglichkeiten auftun - neue Zielgruppen ansprechen, auch im Flottenbereich.

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