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Liebherr T 264 Muldenkipper auf der Bauma 2016

Der Koloss von Riem

Liebherr T 264 Muldenkipper Bauma 2016 Foto: Liebherr 38 Bilder

Das dickste Ding auf der weltgrößten Baumaschinenmesse: Der Liebherr T 264 ist ein 400-Tonnen-Monster. Wir zeigen, wie der Koloss aufgebaut wird und probieren ihn dann auch gleich mal selbst aus.

09.04.2016 Torsten Seibt Powered by

Rund 24 Tonnen soll der Koloss von Rhodos, eines der sieben Weltwunder der Antike, gewogen haben. Der Koloss von Riem, Produktname T 264, würde da nicht einmal mit der Augenbraue zucken: mit 221 Tonnen Nutzlast könnte die alte Guss-Statue gerne die ganze Familie zum Ausflug mitbringen.

Liebherr T 264 Muldenkipper Bauma 2016Foto: Liebherr
Das größte Baufahrzeug auf der Messe Bauma 2016. Der Liebherr T 264 ist bis zu 400 Tonnen schwer.
Liebherr T 264 Muldenkipper Bauma 2016
So entsteht der Riesentruck 7:02 Min.

Bauma 2016

Alle drei Jahre findet die Messe Bauma in München-Riem statt, weltgrößte Baumaschinenausstellung und mit einer halben Million Gäste ein echter Besuchermagnet. Mittendrin, beim Baumaschinenkonzern Liebherr, purzeln die Superlative. Weltgrößter wiederverwendbarer Messestand (14.000 qm Gesamtfläche), riesige Baumaschinen im Dutzend, ein halbes Jahr dauert der Aufbau. Unbestrittener Star der Ausstellung ist der T 264-Muldenkipper, ein Minenfahrzeug mit epischen Abmessungen. 14,1 Meter lang, 8,6 Meter breit, 7,2 Meter hoch. Dazu ein 60-Liter-Motor (Hubraum, nicht Tankgröße, der fasst 3.160 Liter), welcher das inklusive Beladung bis zu 400 Tonnen schwere Minen-Monster auf Tempo 65 km/h bringt.

Solch einen Giganten fährt man nicht eben mal schnell auf Achse aus dem Werk auf den Messestand. Stattdessen wird der Liebherr T 264 wie auch bei ganz normalen Kunden – Minen und Bergbaugesellschaften weltweit – in einer logistischen Meisterleistung direkt vor Ort aus zahlreichen Komponenten zusammengefügt. Wie das funktioniert, können wir Ihnen exklusiv im Detail zeigen.

Zusammenbau vor Ort

Am Ende des wochenlangen Zusammenbaus könnte der Liebherr T 264 sofort mit der Arbeit beginnen, er ist voll funktions- und lauffähig. Allerdings dürfte schon ein leichter Gasstoß für einen ziemlichen Flurschaden auf dem Münchner Messegelände sorgen, schließlich sind alleine die Reifen über vier Meter hoch... Wir haben uns den Liebherr T 264 nach dem Aufbau ganz genau im Detail angesehen. Und durften auch einmal in der Fahrerkanzel Platz nehmen, den 16-Zylinder auf Touren und die 130 Kubikmeter fassende Mulde in Bewegung bringen.

Liebherr T 264 Muldenkipper Bauma 2016Foto: Liebherr
Es dauert Wochen, den Koloss zusammenzusetzen, so wird die gigantische Ladefläche aus mehreren Teilen zusammengeschweißt.

Das definitv größe Testfahrzeug meines Lebens verlangt erst einmal einen Aufstieg in den zweiten Stock. Eine komfortable Klapptreppe vor dem Kühler (Kühlmittelvorrat: 757 Liter...) bringt mich auf den geräumigen Balkon vor der Fahrerkanzel. Die versteckt sich fast zierlich unter dem Vordach der riesigen Lademulde, bietet in ihrem Inneren gerade einmal den Platz eines kleinen Einzelkabiner-Pickup.

400-Tonnen-Elektroauto

In der Mitte der Fahrerplattform befindet sich das Herzstück des Antriebs, das Elektromodul. Der Liebherr T 264 fährt mit elektrischen Radnabenmotoren, der gigantische Dieselmotor produziert mit seinen 2.500 PS über einen Generator Strom für den Elektroantrieb. Das bringt mehrere Vorteile: der V16-Motor kann permanent in der Drehzahl des optimalen Wirkungsgrads betrieben werden, außerdem entfallen schwere Bauteile (Getriebe, Antriebswellen), was die Nutzlast erhöht.

Die beiden Radnabenmotoren in der Hinterachse werden getrennt gesteuert, können so zum Beispiel bei Kurvenfahrt mit unterschiedlicher Drehzahl arbeiten und so den Reifenverschleiß verringern. Gebremst wird ebenfalls elektrisch über eine praktisch verschleißfreie Retarder-Wirbelstrombremse. Die zusätzliche hydraulische Scheibenbremsanlage dient hauptsächlich als Notfallsystem, wird ansonsten nur für die Restbremsung bei sehr niedrigem Tempo benutzt.

Liebherr T 264 Muldenkipper Bauma 2016Foto: Torsten Seibt
Am Ende der langen Aufbauzeit ist der Liebherr T 264 als Messe-Ausstellungsstück voll funktionsfähig und könnte sofort mit der Arbeit beginnen.

In der Fahrerkanzel herrscht keine Raumschiff-Optik, das Cockpit könnte auch in einem kleinen Lkw stecken. Es gibt sogar einen ganz normalen Zündschlüssel, mit dem der 60-Liter-V16 eine Etage unter mir zum Leben erweckt wird. Kraftvoll und sonor brodelnd wie ein Schiffsdiesel nimmt er seine Arbeit auf.

Bedienung wie ein normaler Lkw

Es gibt ein ganz normales Lenkrad (drehen verboten, es stehen Personen in Reichweite des Lenkausschlags) und kleine Instrumente zum Beispiel für Drehzahl, Geschwindigkeit und Öldruck. Rechts vom Lenkrad, zum Fahrer zugewandt, der Bordmonitor. Auf dem Touchscreen können einzelne Systeminfos abgerufen werden. Sogar einen ganz normalen Lenkstockhebel für Blinker und Scheibenwischer hat der Liebherr T 264.

Den ersten Hebel auf der Mittelkonsole darf ich heute auch nicht benutzen: mit ihm wird zwischen Vorwärts, Rückwärts und Leerlauf gewählt. Einige Meter vor dem T 264 stehen kurz vor der Messe-Eröffnung noch Werkstattcontainer, die wären sonst anschließend zu Flachstahl verarbeitet. Hebel Nummer zwei darf allerdings angefasst werden: Zunächst mit dem Gaspedal etwas Schwung in die 16 Zylinder bringen und dann zügig nach hinten, ein Ruck geht durch den Koloss. In atemberaubendem Tempo stellt sich die Riesenmulde auf, streckt ihre Vorderkante nun 14 Meter hoch in den bayerischen Himmel.

Hebel nach vorne, und ebenso flott senkt sich die Ladefläche wieder – es dauert nur wenige Sekunden. Das muss so schnell gehen, erklärt mir der Instruktor, Zeit ist Geld im Minengeschäft, und die 3,5 Millionen Euro teure Maschine soll so selten wie möglich still stehen.

Im Video: Der Aufbau des Monsters

Wie hoch die Sicherheitsvorkehrungen im Betrieb sind, erfahre ich im Anschluss. Die Fahrerkanzel ist als autarkes Modul crashsicher aufgebaut, soll die Besatzung so auch schützen, wenn das Monster durch einen Fahrfehler umkippen sollte. Die Kabine ist wird mit gefilterter Frischluft auf Überdruck versorgt, wichtig in den staubigen Einsatzgebieten. Dazu gibt es eine automatische Feuerlöschanlage, die im Notfall selbsttätig Brände bekämpft.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen den Aufbau des Liebherr T 264 auf der Messe Bauma 2016 in München und den fertig aufgebauten Muldenkipper im Detail. Im zugehörigen Video wird der Aufbau des nochmals größeren Schwestermodells T 284 für eine australische Bergbaugesellschaft gezeigt.

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