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Limousine oder Kombi?

Zwei Redakteure, zwei Meinungen

Skoda, Kombi, Limousine, Seitenansicht, Jens Katemann, Bernd Stegemann Foto: Arturo Rivas 10 Bilder

Hier geht es nicht um Fakten. Seit langer Zeit pflegen diese beiden Autoren in der Redaktion ihre verschiedenen Meinungen zur Frage "Kombi oder Limousine?". Bernd Stegemann schwört auf Kombis, Jens Katemann bevorzugt Limousinen. Warum, verraten die beiden hier.

07.09.2011 Bernd Stegemann, Jens Katemann Powered by

Bernd Stegemann - Pro Kombi

Es lebe die Vielfalt! Während man vor 30 Jahren beim Autokauf noch höchstens zwischen kleiner und größer oder schwächer und stärker entscheiden durfte, gibt es heute nichts, was es nicht gibt: vom 2,70-Meter-Stadtfloh bis zum Offroad-Weltenbummler, vom Hochdach-Kompakten bis zum 400-km/h-Tiefflieger, vom Microvan bis zum Maxi-Mini, vom SUV-Coupé bis zum Pickup-Cabrio mit versenkbarem Hardtop. Die Grenzen zwischen den traditionellen Karosserieformen sind so fließend geworden wie die zwischen sozialen Klassen, und das ist gut so.

Ich liebe die Originellen, weil sie den Horizont des Denkens weiten. Ich schätze die Extremen, schon weil sie die Grenzen des Möglichen aufzeigen. Und ich respektiere die Vernünftigen, weil das Leben nun mal oft aus Kompromissen besteht. Doch je mehr ich ganz unterschiedliche Arten von Autos erleben und erfahren konnte, umso mehr wird mir klar: Ich bin ein Kombi-Typ. Ich mag die Typen mit Ecken und Kanten und Platz und Luft zum Atmen und nicht die rundgelutschten, pseudodynamischen Lifestyle-Mobile, in deren Fließ- oder Stufenheck gerade ein Golfbag reinpasst.

Optische Reize gegen Aufrechte Haltung

Warum soll ich in einer schicken, aber engen Hundehütte mit separater Besenkammer hausen, wenn ich auf der gleichen Grundfläche ein luftiges Loft mit flexibler Möblierung haben kann? Warum soll ich mich den Gesetzen der Schönheit und der Aerodynamik beugen, wenn es doch wichtiger denn je ist, im Leben eine aufrechte Haltung einzunehmen? Und was bleibt an dauerhaften Werten, wenn die optischen Reize längst verflogen sind?

Kombi beherrscht Kunst des Maßhaltens

Ein Kombi ist einladend, ohne einladen zu müssen, praktisch, ohne ein sperriges Hobby oder eine große Familie praktizieren zu müssen. Natürlich hat ein Van noch mehr Raum zu bieten, doch da fühle ich mich stets verpflichtet, auf jeder Fahrt mindestens drei Anhalter aufzusammeln. Es gibt eben von allem nicht nur ein Zuwenig, sondern auch ein Zuviel. Und die Kunst des Maßhaltens scheint nicht nur in der Finanzwelt verloren gegangen zu sein. Denn statt Solidität und Seriosität bringen die großen Limousinen unserer Politiker und Wirtschaftslenker ganz undiplomatisch die Botschaft rüber, dass sie banalen Alltagsproblemen völlig enthoben sind.

Gut möglich, dass Kombis nie den Duft der großen Welt transportieren, sondern höchstens Wasserkisten, Gartenabfälle und ein Doppelbett zum Schlafen. Und gerade wenn der zusätzliche Kubikmeter Luft im Rücken ungenutzt mitfährt, ist er nicht nutzlos. Er schafft eben jenen Frei-Raum, den Limousinen nicht bieten können.

Jens Katemann - Pro Limousine

Das gleich vorweg: Meine Familie fährt natürlich Kombi. Statt der günstigen, nur drei Jahre alten Oberklasse-Limousine musste es ein so genannter Lademeister sein. Gegen die Argumente meiner Frau war ich genauso machtlos wie Millionen andere Familienväter. "Ich brauche den Platz für den Kinderwagen. Du fährst ja nicht damit zum Einkaufen." Und so weiter.

Rundumsicht-Argument im Kombi gilt nicht mehr

Seit drei Jahren begebe ich mich deshalb nun mit dem halben Hausstand auf Urlaubstour, denn es ist ja genug Platz im Auto. Da werden Kinderschwimmreifen gleich aufgeblasen eingepackt, zehn Paar Schuhe mitgenommen, von denen höchstens die Hälfte zum Einsatz kommt. Das Argument der besseren Rundumsicht im Kombi lasse ich seitdem nicht mehr gelten, denn hinten türmt sich ja die Ladung bis unters Dach. Im Zeitalter von Parkpiepsern und Rückfahrkameras ist dieses Problem sowieso im wahrsten Sinne des Wortes überschaubar.

Traurig blicke ich auf der Autobahn den elegant geschwungenen Linien der Limousinen nach, schleppe am Ferienort angekommen dann zähneknirschend das ganze Zeug aufs Zimmer. Wie gerne würde ich meinen Wagen gegen eine schicke Limousine eintauschen, Billy-Regale, Waschmaschinen und Weinkisten einfach im Internet bestellen und nach Hause liefern lassen.

Dreckige Wanderschuhe trennt die Limousine vom Fahrer

An der Limousine schätze ich auch die klare Trennung von Koffer- und Innenraum. Selbst wenn das jetzt etwas versnobt klingt, aber irgendwie ist es mir zuwider, gemeinsam mit meinen dreckigen Wanderschuhen oder dem Leergut auf dem Weg zum Glascontainer den Raum zu teilen. Obwohl Kollege Bernd Stegemann die kantigen alten Volvo-Kombis gerne zu Designikonen stilisiert, so sind es doch vor allem Sportwagen und Limousinen, die uns als automobile Klassiker im Gedächtnis haften bleiben und bleiben werden. Egal ob Citroën DS, Mercedes Heckflosse oder Opel Admiral, die Limousine steht für Eleganz und Stil. Können Sie sich Präsidenten oder Promis vorstellen, die bei Gipfeltreffen oder Premieren im Kombi vorfahren?

Auch fehlt dem Kombi die sportliche Attitüde. Darüber kann selbst ein Audi RS4 Avant nicht hinwegtäuschen. Warum fahren sie in der DTM nicht mit Kombis? Die Limousine bietet zudem in puncto Design mehr Potenzial. Modelle wie Mercedes CLS, VW Passat CC oder Opel Insignia zeigen, wie dynamisch sie mit coupéhafter Linie daherkommen kann. Und wer in Gottes Namen eine große (Heck-)Klappe haben muss, kann sich ja zumindest für ein Fließheck entscheiden.

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