Lotus-Blüten: Esprit-Nachfolger und größerer Exige

Die zum malaysischen Proton-Konzern gehörende britische Sportwagenfirma erweitert in den nächsten zwei Jahren ihr Programm um zwei neue Modelle: einen Supersportwagen und ein zusätzliches, etwas geräumigeres Coupé auf Exige- und Elise-Basis.

Lotus fahren gleicht wegen des messerscharfen Handlings dem sprichwörtlichen Ritt auf der Rasierklinge. Obwohl die Lotus-Fans gerade das am meisten reizt und die Produktionszahlen zuletzt nach oben schnellten wie die Tachonadel beim Beschleunigen, schneidet sich die britische Sportwagen-Schmiede damit ins eigene Fleisch.

Denn die ehemals wilde Lotus-Klientel ist mit den Jahren gesitteter geworden, verlangt plötzlich nach früher verpönten Werten wie Bequemlichkeit, Kofferraumvolumen sowie einem bandscheibenfreundlichen Ein- und Ausstiegskomfort, der weniger Gelenkigkeit als heute bei Elise und Exige erfordert. Klimaanlage und elektrische Fensterheber sind mittlerweile selbst unter den Lotus-Puristen so gefragt wie der Kick beim Beschleunigen.

Zudem rühren die Zuwachsraten im Verkauf – innerhalb des letzten Jahres Jahres Verdoppelung auf 3.500 Einheiten – in erster Linie vom Eintritt in den US-Markt her. In Deutschland wurden 2004 gerade mal 80 Lotus-Neuwagen verkauft. Mittel- und langfristig ist mit nur zwei Modellen auf einer Plattform – der Roadster Elise und das Coupé Exige – weder in den USA noch in Europa für Lotus ein Blumentopf zu gewinnen.

Zusätzliche Modelle müssen deshalb her, um die Kapazität der neuen Fabrik in Hethel (maximal 10.000 Einheiten pro Jahr im Dreischicht-Betrieb) so profitabel wie möglich auszulasten - zumal Fremdaufträge wie die Fertigung des Opel Speedster im Herbst dieses Jahres auslaufen.

Ein Schlüssel zu neuen Kleinserien-Modellen liegt für Lotus in der sogenannten VVA-Plattform (Versatile Vehicle Architecture). Um Gewicht zu sparen, besteht sie größtenteils aus Leichtmetall und ist zwecks höchster Flexibilität modular aufgebaut. Sie kann daher sowohl Front- als auch Mittelmotor-Sportwagen unterschiedlicher Länge und Breite tragen, aber auch SUV- und Crossover-Modelle. VVA ist ein Konzept der Engineering-Sparte von Lotus, die damit natürlich auch Kleinserien-Aufträge bei anderen Autoherstellern einsammeln will.

Esprit-Nachfolger mit neuem Namen, neuem Motor und auch Allradantrieb

Lotus selbst wird die VVA-Plattform vorerst nur für ein einziges neues Modell nutzen: den Esprit-Nachfolger, der 2007 an den Start gehen soll. Die Neuauflage des 25 Jahre alten Supersportwagen-Klassikers erhält nicht nur eine neue technische Basis, sondern auch einen neuen, noch geheim gehaltenen Namen, weil im Vergleich zum Vorgänger keine Schraube gleich bleibt.

Beibehalten wird allerdings das Konzept mit längs eingebautem Mittelmotor, doch ein Comeback des bisherigen V8-Biturbo mit 384 PS wird es nicht geben. Die Adaption der alten Maschine auf die heutigen Emissionsstandards wäre zu aufwendig. Ein Achtzylinder mit rund 450 PS sollte es aber schon sein, um mit Hochkarätern wie Lamborghini Gallardo, Ferrari F430 und Porsche 911 Turbo konkurrieren zu können.

Ein eventuelles Leistungsmanko gegenüber diesen Wettbewerbern will man durch konsequenten Leichtbau ausgleichen. Das Leergewicht des Zweisitzers soll 1300 Kilogramm nicht übersteigen, obwohl ernsthaft erwogen wird, auch eine allradgetriebene Version anzubieten.

Die Suche nach einem Motorenlieferanten läuft noch. Ein möglicher Kandidat ist wie bei Elise/Exige natürlich Toyota, aber über den malaysischen Mutter-Konzern Proton, der seit neuestem auch mit VW kooperiert, erhofft sich Lotus insgeheim Zugang zum Motorregal des Wolfsburger Konzerns. Denkbar ist aber auch der Einsatz eines großkalibrigen US-V8 von General Motors.

1.000 bis 1.500 Einheiten will Lotus vom Esprit-Nachfolger jährlich absetzen – zu Preisen deutlich über 100.000 Euro. Zum Vergleich: Der in Europa im Jahr 2003 zuletzt angebotene Vorgänger lag bei etwa 83.000 Euro.

Neues Coupé oberhalb Exige mit mehr Platz und Turbomotor von Opel

Um die Lücke zwischen Elise/Exige und dem kommenden Supersportwagen zu schließen, bringt Lotus wahrscheinlich schon im Frühjahr 2006 ein zusätzliches Coupé. Er basiert auf einer verlängerten und verbreiterten Elise-/Exige-Plattform und ist als Konkurrent zu Audi TT und Nissan 350 Z gedacht. Dieser weiterhin zweisitzige Mittelmotor-Sportwagen mit Schrägheck-Karosserie soll die Bedürfnisse jener Kunden ansprechen, die dem Elise und Exige entwachsen sind.

Er bietet einen gut nutzbaren Kofferraum, mehr Bewegungsfreiheit für groß gewachsene Passagiere, serienmäßig KomfortMerkmale wie elektrische Fensterheber und Klimaanlage und bei aller Agilität auch eine sanftere Federung sowie zeitgemäße aktive und passive Sicherheitsfeatures.

Damit der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, wird motorseitig gegenüber Elise/Exige aufgerüstet: Zum Einsatz kommt der aus dem Opel Speedster bekannte Zweiliter-Vierzylinder-Turbo, der mit seinen 200 PS zwar nicht viel zusätzliche Leistung, aber mehr Drehmoment als der 192-PS-Vierzylinder von Toyota entwickelt.

Ein billiges Vergnügen indes wird auch dieser neue Lotus nicht. Angesichts des teuren britischen Pfunds ist mit Preisen jenseits von 50.000 Euro zu rechnen.

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fis

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