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Lotus-Chef Dany Bahar im Interview

"Spielen bald in der Porsche-Liga mit"

Dany Bahar Foto: Lotus 25 Bilder

Dany Bahar, Chef und Miteigentümer der Lotus Group, im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Jens Dralle über die Ausweitung der Modellpalette mit E-Versionen  und die Vervierfachung des Absatzes.

14.07.2010 Jens Dralle

Wie ist die Marke Lotus derzeit positioniert und wohin soll sie sich entwickeln?
Dany Bahar: Die Marke hat eine große Ausstrahlung, hat sich aber in eine Ecke manövriert, wo sie nur von Enthusiasten gefunden werden kann. Vor rund zwanzig Jahre hat das anders ausgesehen, da wurde Lotus in einem Atemzug mit Porsche, Ferrari und Maserati genannt und auch in vielen Tests miteinander verglichen. Ich kann mir vorstellen, dass Lotus in der Zukunft wieder in dieser Liga spielen wird.

Bedeutet das die Abkehr vom Leichtbau?
Dany Bahar: Nein, Leichtbau wird immer eine der Konstanten in der Lotus-Philosophie bleiben. Wenn Sie sich umhören, dann merken Sie, dass jeder über Leichtbau und niedrige Emissionen redet. Das kommt uns jetzt zugute. Allerdings bedeutet das nicht, dass ein leichtes Auto nicht auch ein bisschen größer und komfortabler sein kann. Wenn wir weiterhin eine Rolle im Markt spielen wollen, dann müssen wir den Wettbewerbern ganz einfach ins Auge sehen, und das sind nun einmal die Porsches, Maseratis und BMWs dieser Welt. Unsere Aufgabe ist es nun, einen Lotus durch unsere Technologie-Kompetenz dementsprechend leichter zu machen, womit wir unseren Wettbewerbsvorteil beibehalten können. Aber die DNA von Lotus, und dazu zählt der Leichtbau, wird auch in die neuen Modelle integriert sein.
 
Bedeutet das geplante Wachstum das Ende der Elise?
Dany Bahar: Nein. Zum einen ist die Elise das Auto, das uns in den vergangenen Jahren am Leben erhalten hat, und zum anderen soll Lotus künftig das gesamte Spektrum des Sportwagen-Segments abdecken. Wenn beispielsweise Porsche über einen kleinen Boxster oder einen kleinen Cayenne nachdenkt, dann hat das einen bestimmten Grund. Porsche ist wie Lotus der Überzeugung, dass auch Kunden mit begrenztem Budget in den Genuss eines sportlichen Fahrzeugs eines traditionsreichen Herstellers kommen sollten.
Es wird immer eine Elise geben. Zum einen, um die Stammkundschaft zu halten und zum anderen durch etwas mehr Alltagstauglichkeit neue Käufer zu gewinnen. In ihrer jetzigen Form ist die Elise noch fit für einen langen Zeitraum.
 
Welche Strategie bevorzugen Sie bei den Antrieben? Stehen weiterhin kleinvolumige Motoren im Fokus?
Dany Bahar: Das kann, muss aber nicht unbedingt sein, auch wenn der Trend derzeit in diese Richtung zeigt. Entscheidend ist in erster Linie die Performance. Auch künftig muss ein Sportwagen ein Sportwagen sein, da spielen rationale Kaufgründe eine eher untergeordnete Rolle. Die Kunden wollen die Performance, das Handling und den Sound. Darüber hinaus möchten wir den Käufern aber eine besonders hohe Effizienz bieten. Ein Lotus muss also alles das bieten, was heutige Sportwagen können - oder mehr - und das bei besonders niedrigem Verbrauch.
 
Derzeit heißt hier Motorenlieferant Toyota. Bleibt es dabei?
Dany Bahar: Sicherlich ist Toyota ein Partner, der unser Vertrauen hat und es wäre vielleicht nicht klug, die Partnerschaft jetzt zu beenden - solange Toyota unsere Anforderungen an künftige Konzepte erfüllen kann. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich nicht erwarte habe, dass das Interesse an einer Partnerschaft mit uns so groß ist. Insoferne sprechen wir derzeit mit vielen verschiedenen Herstellern, darunter große Namen, die über die entsprechenden Technologien verfügen.
 
Welche Rolle spielen für Lotus die derzeit sehr beliebten Turbomotoren?
Dany Bahar: Es stellt sich nicht unbedingt die Frage, ob aufgeladen oder nicht. Speziell bei Turbomotoren kann Toyota uns kaum helfen, aber da sind wir relativ entspannt. Ohnehin bieten wir bereits jetzt entsprechende Triebwerke mit Kompressor an.
 
Und die einzige Alternative heißt auch für einen relativ kleinen Hersteller wie Lotus Elektro und Hybrid?
Dany Bahar: Viele wissen gar nicht, dass wir über 700 Ingenieure in unserem Engineering-Bereich beschäftigen. Wir haben viele der  großen Autohersteller als Kunden, und alternative Antriebe spielen da natuerlich eine ganz wichtige Rolle, speziell das Thema Elektromobilität. Aber nehmen Sie nur unsere Partnerschaft mit Tesla: Die hat uns im Bereich alternative Antriebe einen erheblichen Vorteil gebracht. Im Gegensatz zu allen anderen Herstellern, die zugegebenermaßen exzellente Technologien zeigen, haben wir mit Tesla schon über 1.000 Autos gebaut, die auf den Straßen dieser Welt fahren. Dabei haben wir die Stärken und Schwächen eines Elektroautos unter Alltagsbedingungen kennengelernt, und diesen Vorsprung möchten wir natürlich nicht nur für uns nutzen, sondern auch an unsere Kunden weitergeben.
 
Die Kunden können also bald einen Elektro-Lotus kaufen?
Dany Bahar: Wir sind mitten im Entwicklungsprozess, der sollte aber bald abgeschlossen sein.
 
Bleibt es dabei bei einem Modell?
Dany Bahar: Das ist unsere größte Herausforderung, denn wir möchten einen E-Antrieb eigentlich in jeder Baureihe anbieten.
 
Was bedeutet das von ihnen angedeutet Wachstum für das Absatzvolumen?
Dany Bahar: Da brauchen wir nicht lange drum herumreden: In den kommenden fünf Jahren soll sich der Absatz bis zu vervierfachen.
 
Benötigen Sie dazu eine größere Mannschaft?
Dany Bahar: Viele neue Mitarbeiter sind von Ferrari, Aston Martin, Porsche und Mercedes AMG zu uns gekommen, um den Ambitionen und der Grösse dieses Projekts gerecht zu werden. Ich habe mein Dream Team beisammen, und bei der Motorshow in Paris Ende September werdenwir die neue Lotus-Ära präsentieren.
 
Muss sich Lotus räumlich vergrößern?
Dany Bahar: Natürlich. Unser Businessplan sieht hohe Investitionen in eine neue Infrastruktur vor.
 
Auf welche Höhe belaufen sich die geplanten Investitionen in die Marke?
Dany Bahar: Das kann man natürlich nicht mit großen Herstellern vergleichen, aber in den nächsten Jahren werden um die 800 Millionen Euro in das Projekt investiert.
 
Derzeit machen Lotus Cars und Engineering je rund 50 Prozent des Umsatzes aus. Wird das so bleiben?
Dany Bahar: Nein, das Verhältnis wird sich deutlich zugunsten der Auto-Sparte verschieben. Mittelfristig rechne ich mit rund 90 Prozent.
 
Wird Lotus immer eine Sportwagen-Marke bleiben?
Dany Bahar: Lassen Sie mich das so sagen: Egal wie klein oder gross die Autos sein werden, und egal wieviele Türen sie haben werden - Lotus wird sich immer auf den Bau sportlicher Fahrzeuge konzentrieren.

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