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Magisches Motodrom

Foto: www.hockenheimring.com 61 Bilder

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr findet kein Formel 1-WM-Lauf am Hockenheimring statt. Dann muss eben Motor Klassik an die besseren Zeiten des badischen Motodroms erinnern.

29.05.2007 Eberhard Reuß Powered by

Was für ein Duell: Jochen Rindt und Jacky Ickx wechseln sich immer wieder an der Spitze ab. Clay Regazzoni im zweiten Ferrari führt immerhin zwei Runden - ehe der Zwölfzylinder platzt und der Schweizer mit einem gewaltigen Dreher seinen dritten Grand Prix eingangs des Motodroms beendet. Das Publikum applaudiert dem wilden Tessiner, der beim Marsch Richtung Box zurückwinkt.

Sensationelle Stimmung im Motodrom 

Das Motodrom scheint an jenem 2. August 1970 vor Zuschauern zu bersten. Einige Rennfans haben es vorgezogen, die Tribünendächer zu erklimmen. Bei Temperaturen von weit über 30 Grad beschleunigen der führende Lotus und der Ferrari ein letztes Mal aus der Nordkurve heraus in Richtung Hardtwald. Jetzt braucht es Geduld, keine Live-Übertragung auf Großbildschirmen überbrückt die fünfzig bis sechzig Sekunden gespannter Erwartung, bis das Spitzenduo aus Richtung Ostkurve heranbraust.

Der Lärm von Rennmotoren am Drehzahllimit schwillt an und vermengt sich schlagartig mit dem Geknall von Böllerschüssen und Feuerwerksraketen: Der Lotus biegt vor dem Ferrari in das Stadion ein, Jochen Rindt gewinnt den Großen Preis von Deutschland - den ersten und wichtigsten Formel 1-Grand Prix in der Geschichte des Hockenheimrings.

Nach dem Sieg haben die Lotus-Mechaniker Rindts Siegerkranz am Rande der Rennstrecke an einer Stelle im Hardtwald abgelegt, die ein kreuzförmiger Gedenkstein markiert. Hier ist Jim Clark am 7. April 1968 tödlich verunglückt, der beste Rennfahrer seiner Zeit. Dass bereits zwei Jahre später die Formel 1 zum ersten Mal in Hockenheim Station machen wird, ist nicht zuletzt dem Unfall des zweifachen Weltmeisters geschuldet.

Tragische Ironie

Erst musste Clark sterben, ehe bis April 1969 Sicherheitsstreifen, Leitplanken und Fangzäune entlang des Streckenteiles im Hardtwald angelegt werden. Bis Juni 1970 baut man auf den beiden langen Waldgeraden zwei Schikanen ein. Die reduzieren nicht nur das Tempo, sondern sorgen auch dafür, dass die Zeit der riskanten Windschattenschlachten zu Ende geht.

Und der Hockenheimring steht parat, um nach dem Fahrerboykott der Nürburgring-Nordschleife als Ausweichquartier für den deutschen F1-Grand Prix zu dienen. Der Beginn eines andauernden Konkurrenzkampfes, der sich ab 1977 zu Gunsten der Kurpfälzer entscheidet. Die Reaktion bleibt nicht aus: 1984 wird der neue Nürburgring eröffnet - erstmals gibt es zwei Formel 1- Läufe in Deutschland, ab 1985 sollen sich der Eifelkurs und das Motodrom als Austragungsort des Deutschland-GP abwechseln.

22 Jahre später wären wir wieder so weit. Aber bereits 1986 hatten es Ecclestone & Co. vorgezogen, lieber in Hockenheim zu gastieren. Nur um mit Blick auf den lukrativen Schumi-Boom ab 1995 auch den Nürburgring für einen zweiten deutschen Grand Prix ins Geschäft kommen zu lassen. So schaukelt man sich gegenseitig hoch - und übernimmt sich am Ende.

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