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Restaurierung

Magnetzünder

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In der automobilen Frühzeit lieferten Magnetzünder die für die Verbrennung nötigen Funken. Für Spezialisten ist ihre Überholung heute kein Problem.

30.08.2007 Thomas Wirth Powered by

Viele schalten ab, wenn sie von diesem Thema hören. Schon Elektrik ist für sie geheimnisvoll. Und Zündsysteme? Teufelszeug, mindestens.

Stimmt nicht ganz. Denn die eingesetzte Technik ist nicht nur hoch interessant, sondern - zumindest vom Prinzip her - recht einfach zu verstehen. Alles begann mit der Notwendigkeit eines Funkens, den jeder Verbrennungsmotor benötigt, um das im Zylinder komprimierte Gemisch zu entzünden.

Das Timing ist entscheidend

Damit ein Motor rund läuft und keinen Schaden nimmt, muss der Funken exakt im richtigen Moment zur Verfügung stehen. Bei einem Einzylinder gelang das leidlich, doch mehrere Zylinder forderten zunehmende ingeniöse Präzision. Dazu kam der Wunsch nach steigenden Drehzahlen.

Schwierig ist außerdem die Tatsache, dass dieser Funken recht stark sein muss, also eine hohe Spannung fordert. Den Strom, den praktischerweise (sofern vorhanden) eine Batterie liefert, transformiert deswegen eine Spule in Hochspannung. Der Unterbrecher gibt den Takt vor, während ein Verteiler die Zündspannung an die einzelnen Zündkerzen weiterschickt. Soweit das Schema einer Batteriezündung.

Problem: unzuverlässige Batterien - Lösung: Magnetzünder

In den ersten Jahrzehnten des Automobils war auf Batterien kaum Verlass, allein schon wegen der Aufladung. Stattdessen setzten die Hersteller auf Magnetzünder, die unabhängig von einer Stromquelle arbeiten, weil sie den nötigen Primärstrom mittels eines rotierenden Zündankers selbst erzeugen. Auch das macht die Magnetzündung äußerst zuverlässig, Feuerwehrleute und Piloten wissen es bis heute zu schätzen.

Aus dem Automobil verschwand sie, als Akkumulatoren und Lichtmaschinen sich zu leidlich ausfallsicheren Bauteilen entwickelt hatten. Eine ganze Epoche lang verfügten hochwertige Automobile über beide Zündsysteme, die sich wahlweise betreiben ließen. Das verbesserte die Betriebssicherheit, hatte zudem auch praktische Gründe. Denn bei einer Magnetzündung hängt die Intensität des Funkens systembedingt von der Drehzahl ab: Die im unteren Bereich schwache Zündspannung steigt bei hohen Touren stark an. Deswegen eignet sie sich besonders für sportliche Motoren. Eine Batteriezündung liefert dagegen schon im Moment des Anlassens volle Spannung.

Ob der Funken stark genug ist, zeigt ein Test auf dem Prüfstand

Magnetzünder büßen zudem ihre prinzipielle Zuverlässigkeit im Alter ein. Selbst wenn sie im simplen Test - von Hand gedreht zum Beispiel - noch einen Funken liefern, heißt das nicht, dass dieser auch stark genug ist. Oft machen Motoren, in denen alte Magnetzünder arbeiten, mit Knallen, Schießen und Zündaussetzern auf eine defekte Spule aufmerksam.

Ein Prüfstand zeigt schnell konkrete Ergebnisse. Hier muss der Magnetzünder Funken liefern, die eine gewisse Länge erreichen; 12.000 Volt entsprechen etwa sechs Millimeter Funkenstrecke. Diese Leistung muss er bei jeder Drehzahl erbringen, besonders im warmen Zustand. Denn dann neigen die alten Isolierlacke auf Schellack- oder Kopalbasis zum Schwächeln: Sie bilden keine dichte, harte Schicht wie moderne PU-Harze, sondern werden honigzäh - und erleichtern so einen internen Funkenüberschlag zwischen den Drähten oder von der Wicklung auf die Masse. Auch durch Haarrisse im Bakelit kann ein Kriechstrom fließen. Weitere Alterungserscheinungen zeigen oft die originalen Glimmerplattenkondensatoren, was einen hohen Verschleiß des Unterbrecherkontaktes zur Folge hat.

Alle für die Überholung benötigten Teile sind verfügbar

So macht es wenig Sinn, einen über Jahrzehnte gealterten Magnetzünder mit oberflächlichen Eingriffen sanieren zu wollen. Ein simples Aufmagnetisieren zum Beispiel kann die mangelhafte Isolation antiquierter Wicklungen nicht verbessern.

Doch es gibt Trost: Alle für eine Überholung benötigten Teile sind verfügbar. Nach je 75.000 Kilometer Betrieb sollte dann eine Wartung erfolgen, bei der die Kohlen getauscht und ihr Abrieb entfernt werden. Zudem erhalten die Lager Fett, die Unterbrecherkontakte werden geprüft.

Das sichert starke Funken über viele Jahrzehnte. Immerhin sind die Materialien heute langlebiger denn je.

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