Seit Kundenbindung bei den Autoherstellern hoch im Kurs steht, werden sie immer kreativer. Im Trend liegt derzeit, Finanzierungs- oder Leasingangebote mit Versicherungspaketen zu koppeln.
Hinter den Angeboten stecken Versicherungsunternehmen
Zusammen mit der Rate für das Auto zahlt man dann einen Aufschlag für die Haftpflicht- und Kasko-Police. Doch lohnt es sich für den Kunden, wenn der Autohersteller gleichzeitig als Assekuranz auftritt? Grundsätzlich unterscheiden sich die Konditionen nicht von denen der freien Anbieter. Denn in der Regel steckt nicht der Hersteller selbst, sondern ein Versicherungsunternehmen dahinter. Die Police für Ford-Besitzer etwa kommt von der Garanta, jene für Mercedes-Kunden von der HDI Direkt. So erhöhen die Assekuranzen ihre Marktanteile und räumen im Gegenzug den Autoherstellern günstige Konditionen ein, die diese wiederum größtenteils an die Kunden weitergeben. Günstig heißt allerdings nicht zwangsläufig billig, denn mit den Schnäppchen-Angeboten mancher Direktversicherer wollen Mercedes und Co. gar nicht konkurrieren.
Mercedes erstattes auch nach 18 Monaten den Neupreis
Preislich liegen sie im Mittelfeld, wie die Auswertung zeigt. Ihre Vorteile stecken vor allem im Leistungsumfang. Beispiel Mercedes: Schon die Standard-Autoversicherung des Stuttgarter Unternehmens erstattet bei einem Totalschaden selbst nach 18 Monaten noch den Neupreis des Fahrzeugs. Die Plus-Variante dehnt diesen Schutz sogar auf volle vier Jahre aus - bei Ford sind es zwei, bei VW eineinhalb Jahre. Im Vergleich dazu erscheinen die Tarife der freien Anbieter mit einer im Durchschnitt nur zwölf Monate gültigen Neuwertentschädigung vergleichsweise geizig. Allerdings koppeln die Autohersteller ihre Großzügigkeit meist an die Bedingung, erneut ein Neufahrzeug der Marke zu ordern. Immerhin deckt zum Beispiel Ford etwaige Preissteigerungen bei Modellwechseln gleich mit ab.
Die Unterschiede der Versicherungen liegen im Detail
Der Leistungsumfang zwischen den Herstellern unterscheidet sich speziell im Detail. So verzichten Mercedes und VW im Gegensatz zu Ford darauf, bei grob fahrlässig verursachten Schäden die Leistungen zu beschneiden. Bei Unfällen mit Tieren wiederum beschränkt Volkswagen die Haftung auf Haarwild, Rinder, Schafe, Pferde und Ziegen, während Ford und Mercedes bei Zusammenstößen mit jeder Art von Tier die Folgekosten tragen. Grundsätzlich stehen die Herstellerversicherungen jedem Fahrer entsprechender Marken offen, unabhängig davon, ob das Auto bar bezahlt oder finanziert wurde. Doch die Hersteller locken all jene, die die Versicherung als Baustein einer Finanzierung ordern, durch hohe Nachlässe von bis zu 15 Prozent.
Im Schadensfall bleiben die Beiträge oft gleich
Darüber hinaus bergen diese Tarife ein erhebliches Einsparpotenzial. Schließlich handelt es sich oft um Pauschaltarife, die Schadenfreiheitsrabatt oder die Regionalklasse unberücksichtigt lassen. So zahlt man bei Mercedes beim Leasing einer Mercedes A-Klasse im Monat 29 Euro Aufschlag für den Vollkaskoschutz. Gerade die während der gesamten Kreditlaufzeit konstanten Versicherungskosten schätzen viele Kunden. Das gilt oft auch im Schadensfall, der sonst die Beiträge mitunter kräftig in die Höhe treibt. Eine Schadensfallmeldung kommt erst bei einem anschließenden Wechsel des Anbieters wieder ins Spiel. Um das zu umgehen, bleibt so mancher Autofahrer der alten Marke treu. Für die Hersteller eine gelungene Kundenbindung.
| Versicherung | Ford-Werkstatt-Plus-Flatrate | Mercedes-Privat-Leasing Plus | VW-Optimal-Tarif (All-inclusive-Fin.) |
|---|---|---|---|
| Modell | Focus 1.6 | A 170 | Golf 1.6 |
| Leistungen | Haftpflichtdeckung 100 Mio. Euro | Haftpflichtdeckung 100 Mio. Euro | Haftpflichtdeckung 100 Mio. Euro |
| 24 Monate Neuwertentschädigung | 48 Monate Neuwertentschädigung | 18 Monate Neuwertentschädigung | |
| Marderschäden | Marderschäden (inklusive Folgeschäden bis 1.000 Euro) | Marderschäden | |
| Zusammenstöße mit allen Tieren | Zusammenstöße mit allen Tieren | Zusammenstöße mit Haarwild, Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden | |
| Fest eingebaute Phono-, Funk- und Telegeräte bis 3.000 Euro | Radio- und Kommunikationsgeräte bei Diebstahl ohne Abzug vom Neuwert bis zwölf Monate | Teile bis 5.000 Euro beitragsfrei | |
| Serienmäßiges Zubehör | Sonderausstattung inklusive | Rabattretter (ab SF 25) | |
| Rabattschutz (optional) | Rabattretter (ab SF 25) | Rabattschutz (optional) | |
| Auslandsschutz | Rabattschutz (optional) | Auslandsschutz | |
| Schutzbrief | Versicherung bei grober Fahrlässigkeit | Schutzbrief | |
| Insassenunfallschutz (Todesfall 10.000 Euro, Invalidität 20.000 Euro) | Versicherung bei grober Fahrlässigkeit | ||
| Preis | 342 Euro | 348 Euro | 340 Euro |
| Versicherungsangebote freier Anbieter | |||
| Preis am Markt | 308 Euro | 330 Euro | |
| Vorgaben: Bei Herstellerangeboten ist die Versicherung Teil einer Finanzierung. Zahlweise: monatlich. Erstzulassung des Fahrzeugs und Versicherungsbeginn am 7. Dezember 2009; Zulassungsort: Stuttgart; Zahlungsweise jährlich per Lastschrift; Vollkasko mit 300 Euro/Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung; Fahrleistung 15 000 km; Garagen-Parker; Tarife ohne Werkstattbindung; Fahrten nur innerhalb der EU, Versicherungsnehmer und Partner fahren den PKW (beide 35 Jahre), SF 15, Leistungsfilter: mindestens zwölf Monate Neuwertentschädigung und erweiterte Wildschäden. Quelle: AUTOStraßenverkehr, Aspect Online, Stand: November 2009. |





