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Matthias Kahle

"Zu viel Politik"

Foto: Oliver Kleinz

Der siebenmalige deutsche Rallyemeister spricht im Interview über seine Umschulung zum Oldtimer-Piloten, verrät, warum ihm die deutsche Rallye-Szene zur Zeit überhaupt nicht fehlt, und wovon er in der Zukunft träumt.

15.02.2007 Markus Stier Powered by

Sie haben gerade die Histo-Monte als Fünfter beendet. Macht das Fahren mit einem Skoda 110R mit einem 45er Schnitt etwa Spaß?

Matthias Kahle: "Ja. Das Schöne ist, dass du bei so einer Veranstaltung viel mit dem Auto fährst, und es auch richtig hart ran nimmst. Das ist nicht nur Rumeiern. Außerdem gefällt es mir, dass ich auch mal die schöne Landschaft genießen kann."

Wie fährt sich denn so ein 71er Skoda, wenn man sonst ein Hightech-Rallyeauto gewohnt ist?

Matthias Kahle: "Der fährt sich erstaunlich komfortabel, und er ist auch nicht langsam. Auch wenn man kein Risiko eingeht, die modernen Autos stehen immer im Weg."

Ist so eine Gleichmäßigkeits-Rallye für einen Vollgasartisten nicht trotzdem ganz schön anspruchslos?

Matthias Kahle: "Nein. Man fährt zwar dabei nicht schnell, aber man versucht trotzdem, richtig gut zu sein."

Was bedeutet in so einem Fall richtig gut?

Matthias Kahle: "Ein Beispiel: Wir sind erstmal die Messstrecke für den Tripmaster zwei Stunden lang abgefahren, und dann noch eine Stunde mit einem anderen Zahnrad, um ihn möglichst genau einzustellen. Und auf den Prüfungen geht es darum, immer voll konzentriert zu sein."

Gibt es Dinge, wo Ihnen die Eingewöhnung schwer fällt?

Matthias Kahle: "Dass die Strecken nicht abgesperrt sind. Wenn du auf so schmalen Straßen mit einem 45er Schnitt ankommst, und da kommt dir einer entgegen, damit habe ich manchmal ein Problem."

Was fährt Matthias Kahle in diesem Jahr außer Oldtimer-Rallyes?

Matthias Kahle: "Nicht viel. Wahrscheinlich fahre ich ein paar Bajas in Amerika. Armin Schwarz hat schon angefragt wegen der Baja 500. Alles andere steht in den Sternen."

Hat es weh getan, die Rallye Dakar nur im Fernsehen zu verfolgen?

Matthias Kahle: "Jein. Als ich die da alle im Sandsturm fahren sehen habe, dachte ich, dass es gar nicht so schlimm ist, dieses Jahr nicht dabei zu sein. Aber im Nachhinein wäre ich schon gern gefahren, weil das einfach ein Riesenerlebnis ist, was man mitgemacht haben muss. Das kann man auch nicht erzählen."

Sind Wüsten-Rallyes weiter ein Thema für Sie?

Matthias Kahle: "Auf jeden Fall. Ich denke sogar, dass ich dafür sehr gut geeignet bin. Ich bin schon bei normalen Rallyes immer der Marathon-Typ gewesen. Das Tempo, das ich fahre, kann ich ewig fahren."

Gibt es denn Optionen?

Matthias Kahle: "Ich weiß natürlich nicht, was jetzt bei VW passiert."

Gibt es möglicherweise eine Wiedervereinigung mit Thomas Schünemann?

Matthias Kahle: "Das ist nicht ausgeschlossen."

Was passiert denn 2008 mit Ihnen?

Matthias Kahle: "Der Plan ist, einen Skoda Fabia Super 2000 in der Deutschen Meisterschafteinzusetzen, aber das hängt natürlich davon ab, ob das Auto rechtzeitig homologiert und entwickelt ist."

Aber das konkrete Angebot haben sie in der Tasche ...

Matthias Kahle: "Ja. Unser Sportchef Nikolaus Reichert hat gesagt, wir fahren dieses Jahr historisch, und dann greifen wir wieder an."

Wie kann das eigentlich sein, dass wir 2007 wieder eine Deutsche Meisterschaft haben, und der Mann, der ein Jahrzehnt lang dominiert hat, ist nicht dabei?

Matthias Kahle: "Ehrlich gesagt, finde ich das gar nicht so tragisch. Die ganze Politik, die da getrieben wurde und noch wird, hat mich so demotiviert, dass ich es nicht schlimm finde, mal ein Jahr nicht dabei zu sein."

Woran krankt es Ihrer Meinung nach?

Matthias Kahle: "Wir hatten 2005 eigentlich eine gute Meisterschaft. Wir hatten keine schlechten Starterfelder, und wir hatten Super-Rallyes. Anstatt das alles kaputt zu machen, hätte ich das Geld, das der ADAC investieren will, in die TV-Vermarktung gesteckt, um mehr Sponsoren anzulocken."

Was würden Sie sonst noch tun, wenn Sie die Macht hätten, die Dinge zu ändern?

Matthias Kahle: "Ich würde vor allem die Rallyes länger machen. Die DRM ist schließlich die Top-Liga."

Bedeutet Ihnen das eigentlich etwas, mit sieben Titeln Deutscher Rekordmeister zu sein?

Matthias Kahle: "Jede Meisterschaft für sich ist toll. Es jedes Jahr wieder zu schaffen, dass alles klappt, keinen Fehler gemacht zu haben, das bedeutet mir was. Es war nicht immer so leicht, wie es aussah. Aber im nächsten Jahr ist das letzte schon wieder vergessen."

Wie lange fährt Matthias Kahle noch?

Matthias Kahle: "So lange man mich lässt. Zum Rallyefahren ist man nie zu alt. Ich fühle mich auch noch nicht zu alt, das denken nur andere. Ich müsste eigentlich erst noch in der WM fahren. Außerdem:  Der Schlesser wird schließlich bald 60."

Haben Sie schon eine Idee, was sie nach Ihrer Fahrerkarriere machen?

Matthias Kahle: "Ich wüsste noch nichts Konkretes. Fahren ist das, was ich am besten kann."

Jutta Kleinschmidt hat mal verraten, sie würde gern zum Mond fliegen. Haben sie einen Traum?

Matthias Kahle: "Ich würde gern einen Hubschrauber-Führerschein machen oder noch besser Kunstflug. Die sind total bekloppt. Das wäre genau mein Sport nach dem Sport. Ich bin jetzt schon jetzt ein begeisterter Flieger am Computer."

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