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Maybach

100 Jahre Maybach-Motorenbau

Maybach Zeppelin DS 8 Foto: Daimler 39 Bilder

Am 23. März 1909 gründen Wilhelm und sein Sohn Karl Maybach mit der Luftfahrzeug-Motoren GmbH die spätere Maybach-Motorenbau GmbH, bei der ab 1921 die legendären Luxus-Fahrzeuge entstehen. 1941 endet die Produktion in Ludwigshafen. Erst 2002 trägt wieder ein Fahrzeug das berühmte doppelte "M" auf seinem Kühler.

07.03.2009 Kai Klauder

Wilhelm Maybach (1846 bis 1929) ist das Genie hinter der Marke Maybach. Der Frühwaise (seine Mutter starb 1854, sein Vater 1856) wuchs in einem Waisenhaus mit angeschlossener Maschinenfabrik auf, ließ sich zum Technischen Zeichner ausbilden und wird von Gottlieb Daimler zur Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe geholt. Als Daimler zu Deutz wechselt, folgt Wilhelm Maybach ihm nach Köln. Die Verbindung zwischen den beiden Automobilbegeisterten ist eng, 1878 heiratet Maybach mit Bertha Habermaas eine Freundin von Daimlers Frau. Ein Jahr später wird der Sohn Karl geboren. Damit sind die zwei Protagonisten der späteren Firma Maybach komplett.

Kongeniales Team: Wilhelm Maybach und Gottlieb Daimler
 
1882 folgt Maybach wiederum Daimler nach Cannstatt bei Stuttgart, um die Arbeit dieses kongenialen Teams weiterzutreiben. Dort wird 1885 das erste motorgetriebene Vehikel gefertigt und 1886 die erste Motorkutsche. Bis zum Tod von Gottlieb Daimler (1900) macht Maybach zahlreiche für die spätere Fahrzeuggeschichte elementare Erfindungen: Spritzdüsenvergaser, Röhrchenkühler und den ersten Vierzylinderwagen.
 
Nach Daimlers Tod bleibt Maybach bei der Daimler-Motorengesellschaft. Nach anhaltenden Unstimmigkeiten zieht er jedoch 1907 die Konsequenzen und verlässt das Unternehmen. Im Jahr darauf beginnt die Zusammenarbeit mit dem Flug-Visionär Graf Zeppelin. Gemeinsam mit seinem Sohn Karl entwickelt Wilhelm Maybach die Motoren für die mächtigen Luftschiffe. Daher gründen Vater und Sohn Maybach sowie Graf Zeppelin 1909 die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH in Bissingen/Enz als Tochtergesellschaft der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Vater Wilhelm wird technischer Berater, Sohn Karl technischer Leiter. Das berühmteste Luftschiff, die Hindenburg wurde allerdings nicht von Maybach-Motoren angetrieben.
 
Nach dem Ersten Weltkrieg wird das Unternehmen 1918 in Maybach-Motorenbau GmbH umbenannt. Zunächst sollen nur Motoren für andere Hersteller gebaut werden, schließlich nimmt Maybach aber auch die Entwicklung von Automobilen auf. Schon 1919 unternimmt Karl Maybach die ersten Testfahrten mit dem Versuchswagen W1. W2 bezeichnet einen 5,7-Liter-Sechszylinder mit 70 PS. Er wird von der niederländischen Firma Trompenburg, später Spyker, eingesetzt. Die Niederländer wollten ursprünglich 1.000 Maybach-Motoren verbauen; nach dem Konkurs der Firma 1925 konnte jedoch der Auftrag nicht erfüllt werden - nur rund 150 Motoren wurden an Spyker geliefert. Maybach entwickelte von nun an eigene Fahrzeuge. 1921 steht auf der Berliner Automobilausstellung mit dem W3 der erste Maybach.

Fahrzeuge der Superlative aus Friedrichshafen
 
1930 erscheint mit dem Zeppelin die größte Luxuslimousine der damaligen Zeit. Angetrieben von einem zunächst 155 PS, später bis zu 200 PS starken V12-Motor ist das Fahrzeug eine bis zu 170 km/h schnelle Reminiszenz an den 1917 verstorbenen Grafen Ferdinand Zeppelin. Bis 1941 folgen weitere Fahrzeuge der Superlative, etwa der Fliegende Hamburger - ein Triebwagen, der mit zwei Maybach-Zwölfzylindermotoren rund 160 km/h erreicht.
 
Rund 1.750 Maybach-Fahrzeuge entstehen in den zwei Dekaden, dabei wurden sämtliche Automobile bei Blech-Couturiers eingekleidet, kein Aufbau wurde von Maybach gefertigt. Bei der Bezeichnung übertrafen sich die Karossiers, zig Namenskreationen von Ballonlimousine über Theater-Coupé bis zu Spezial-Sportphaeton reichen die phantasievollen Bezeichnungen. Allen gemein sind heute die zu erwartenden Höchstpreise bei Auktionen weltweit.
 
Während des Zweiten Weltkriegs werden bei Maybach Motoren für Panzer und Schiffe gebaut. 1941 endet die Automobilproduktion in Friedrichshafen. Nach dem Krieg wird das Werk in Friedrichshafen als Reparaturwerkstatt aufgebaut. 1951 entscheidet sich Karl Maybach, auch wegen Kapitalmangel, gegen einen Neuanfang mit der Automobilproduktion. Ein Jahr später zieht er sich aus dem Unternehmen zurück, 1960 stirbt er mit 81 Jahren in Ludwigshafen.

Würdige Wiederbelebung des klangvollen Namens
 
42 Jahre nach Karl Maybachs Tod und 93 Jahre nach der Gründung der Luftfahrzeug-Motoren GmbH erscheinen 2002 mit den beiden Modellen Maybach 57 und Maybach 62 zwei würdige Nachfolger der Maybach-Tradition: Schwelgerischer Luxus, alles was man als Fahrer und Passagier benötigt oder auch nicht, Sessel-ähnliche Sitzgelegenheiten mit Massagefunktion und Dingen, von denen man selbst als Autofan noch nie geträumt hat - auf den der Typenbezeichnung entsprechenden Fahrzeuglängen von 5,7 beziehungsweise 6,2 Metern konnten sich die Entwickler mal so richtig austoben. 550 bis 612 PS sorgen für rasantes standesgemäßes Gleiten. Auch die Preise sind gigantisch: Zwischen 300.000 und 500.000 Euro müssen investiert werden.
 
Das neue Topmodell, der auf 100 Exemplare limitierte Maybach Zeppelin kostet nochmals ein wenig mehr (483.140 Euro für den 57er, 563.108 Euro für einen halben Meter mehr), setzt dem Luxus aber dafür weitere Krönchen auf: Eine Weltneuheit stellt dabei die Beduftungsanlage dar. Der Eigner kann sich von seinem Lieblungsparfum olfaktorisch verwöhnen lassen. Zwei Düfte wurden eigens kreiert, um das Wohlbefinden der Insassen zu steigern.

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