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Mazda-Chef

Deutliche Reduzierung der Händlerschaft

Foto: Mazda 13 Bilder

Im Gespräch mit auto motor und sport äußert sich Mazda-Europachef James M. Muir zur Lage auf dem deutschen Automarkt.

06.09.2008 Birgit Priemer

Sie verkaufen in Russland mit rund 40 Händlern die gleiche Anzahl an Autos wie in Deutschland mit 710 Stützpunkten. Gibt Ihnen das nicht zu denken?
Muir: Natürlich gibt mir dass zu denken. Wir verfügen in Deutschland über ein verdientes und über viele Jahre gewachsenes Händlernetz. Aber wir werden es den veränderten Marktbedingungen der letzten Jahre anpassen müssen.

Wo liegt für Sie die Rentabilitätsgrenze?
Muir: In Deutschland verkaufen die Händler im Jahr durchschnittlich 150 bis 160 Autos. Unsere Erfahrung aus Europa zeigt, das die Wirtschaftlichkeit eines Händlers in Europa bei rund 300 Einheiten gegeben ist.

Das bedeutet aber eine Halbierung der Händlerschaft.
Muir: Ja, das gilt im Prinzip für alle Marken in Deutschland, und der Trend dorthin hat bereits begonnen. Wir werden uns diesem Trend nicht entziehen können.

Werden Sie Ihre Planziele für 2008 erreichen, und was haben Sie sich für 2009 vorgenommen?
Muir: Unsere Ziele für 2008 werden wir erreichen. Darüber hinaus plane ich eine komplette Restrukturierung in allen Bereichen wie Vertrieb, Marketing und Produktprogramm.

Was bedeutet das konkret?
Muir: Ich fordere eine Erweiterung der Produktpalette im SUV- und Kleinwagensegment.

Ist denn Ihr Einfluss auf das japanische Stammhaus so groß, dass Sie diese Forderungen durchsetzen können?
Muir: Mazda Europe hat einen großen Einfluss auf die Produktentwicklung. Wir sind für 25 Prozent der weltweiten Verkaufszahlen verantwortlich und leisten einen noch viel höheren Ergebnisbeitrag.

Ist das von Ihnen geplante Stadtauto gleichzusetzen mit einem Billigauto?
Muir: Ein 5.000 Euro-Auto wird es von Mazda nicht geben. Wir sind nicht Tata. Wir planen ein Urban Driving Vehicle für den Stadteinsatz. Also nicht für Deutschland, Italien oder Russland. Sondern für Berlin, Moskau oder London. Dabei soll es sich um ein Umweltauto handeln, das Platz für vier Personen ohne Kofferraum oder für zwei mit Gepäckabteil bietet. Dabei wird es auch eine Variante geben, die im CO2-Ausstoß unter 100 g/km liegt.

Wie halten Sie dennoch die Kosten im Rahmen?
Muir: Warum müssen wir beispielsweise unbedingt elektrische Fensterheber anbieten, statt einer mechanischen Lösung mit sehr schicker Funktion. Brauchen wir unbedingt ein Radio oder reicht ein Anschluss für den iPod. Das sind Fragen, die wir uns in diesem Zusammenhang stellen. Außerdem basiert dieses Auto kostengünstig auf der Mazda 2-Plattform.

In vielen europäischen Ländern ist in diesem Jahr eine CO2-basierende Steuer eingeführt worden. Hat sich der Markt dadurch für Sie stark verändert?
Muir: Ja, es hat in den letzten zwölf Monaten gravierende Veränderungen gegeben. Bei den Modellen mit einem CO2-Ausstoß unter 120 g/km ist der Absatz um zehn Prozent gestiegen, bei denen mit mehr als 160 g/km um zehn Prozent gesunken. Aber es ist nicht okay, dass es innerhalb der EU keine einheitliche Richtlinie bei der CO2-Steuer gibt. Das bringt die Industrie zum Stillstand.


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