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Mazda Classic Museum Augsburg

Mazda Maniacs

Mazda Cosmo Sport 110 S Foto: Christian Bittmann 20 Bilder

Familie Frey verkauft Mazdas und sammelt begeistert die Oldtimer der Marke. Diese nur als Autos zu bezeichnen, wäre aber fast schon eine Beleidigung. Denn hinter jedem Modell steckt eine Geschichte, die erzählt werden muss.

25.05.2016 Natalie Diedrichs Powered by

Verrückt. Total verrückt seien sie alle, sagt Marcus Frey. Damit meint er seine Familie und sich. Immerhin besitzen er, Vater Walter und Bruder Joachim jetzt ein Automuseum. Mit alten Mazdas drin. Ja, richtig gelesen. Keine Mercedes-Flügeltürer, keine luftgekühlten Porsche, sondern Mazdas. Die japanischen mit dem Wankel-Motor. Woher die Begeisterung kommt, sei doch wohl eigentlich klar: "Otto kann jeder“, begründet Walter Frey kurz und knapp seine jahrzehntelange Leidenschaft. Die technische Raffinesse eines Kreiskolbenmotors, das Anderssein gegenüber herkömmlichen Antriebsmethoden begeistere ihn schon seit der Schulzeit. Und da sei Mazda eben ein Vorreiter. 1978 hat der 78-Jährige damit begonnen, die Autos zu verkaufen. Inzwischen führt er mit seinen Söhnen drei Mazda-Autohäuser im Großraum Augsburg.

Vergangenes Jahr haben sie mit dem Projekt "Mazda Classic“ begonnen. Sie kauften ein altes Straßenbahndepot in der Innenstadt, ließen es herrichten und stellten nach und nach ihre Schätzchen rein. Oder zumindest eine erlesene Auswahl ihrer Sammlung. Die beläuft sich inzwischen nämlich schon auf über 120 Mazda-Modelle. "Die wichtigsten haben wir alle“, sagt Marcus Frey, der "Jäger“ der Familie. Er ist vor allem fürs Ausspähen zuständig, sagt er. Hat die Internetportale stets im Blick, checkt ständig seine "Connections“ in Japan auf der Suche nach neuen Juwelen. "Ja, das macht schon süchtig“, beschreibt der 46-Jährige und seine Augen funkeln.

Mazda Cosmo Sport 110 SFoto: Christian Bittmann
Mit dem Cosmo fing die Sammelleidenschaft an.

Mit dem Cosmo fing es an

An ihren Ersten kann er sich noch ganz genau erinnern. Mitte der Achtziger starteten die Freys ausgerechnet mit dem Prachtexemplar Mazda Cosmo. Der erste Wankel mit zwei Scheiben. Fahrgestellnummer "5“. "Der hat uns alle mit dem Sammel-Virus infiziert“, so Frey. Damals reisten sie nach New Jersey, um den Wagen an einem Hafen abzuholen. In einem Topzustand sei er nicht gewesen, "da mussten wir noch einiges machen wie zum Beispiel die Windschutzscheibe.“ Preis? "Darüber spricht man nicht.“ Inzwischen haben die Freys drei Cosmos in ihrer Sammlung. Damit sie sich nicht darüber streiten müssen, wer den schicken Zweisitzer fahren darf. Nummer "5“ hat einen Ehrenplatz im Museum und thront auf einem Podest. Die Familientrophäe. Er sei auch der teuerste Mazda, der hier rumstehe, schätzt Marcus Frey. Wert? Über hunderttausend dürften es schon sein.

Vater und Söhne verbindet nicht nur das Sammeln, sondern auch das Basteln. Abgesehen von Lackierung und Karosseriearbeiten machen die Freys nämlich alles selbst an ihren "Goldstücken“. Praktischerweise ist Vater Walter gelernter Auto-Elektriker, Bruder Joachim ist Diplom Kfz-Wirt und Marcus Frey selbst Automechaniker. "Wir haben uns unsere Gebiete klar abgesteckt“, erklärt Frey die Familien-Hierarchie. So komme sich keiner in die Quere. An den Wochenenden genießen sie trotzdem gemeinsame Schraubstunden mit ihren Mazdas. "Freyzeit“ sozusagen.

Mazda K360Foto: Christian Bittmann
Eigentlich ein Geheimprojekt: das K360 Dreirad.

Mit dem Containerschiff nach Deutschland

Zu tun gebe immer etwas. Denn im Internet kaufen sie häufig "die Katze im Sack.“ Will heißen, dass sie für die Autos zahlen, ohne sie vorher in Natura gesehen zu haben. "Wir holen die Dinger aus Japan, Australien, Neuseeland oder sonst wo. Da kann man nicht immer vorher hinreisen.“ So verlassen sie sich dann darauf, dass die Verkäufer die Autos zum Hafen bringen, von wo aus sie dann nach Europa verschifft werden. Purer Nervenkitzel sei das jedes Mal. "Immer, wenn sich die Containertür öffnet, ist für mich Weihnachten“, beschreibt Frey die ersten Begegnungen mit den Internetkäufen. Da hätten sie schon einiges erlebt. Von perfekt geschniegelten Neuwagen wie dem Mazda 616 Capella, der mit "Null“ Kilometern auf dem Tacho da stand, über Modelle, bei denen der Motor ausgebaut vorne drin lag, wie beim R360 Coupé. "Aber so richtiger Schrott war bis jetzt nie dabei. Zum Glück.“

Autos verkaufen sie übrigens auch noch nebenbei - das kostspielige Hobby müsse sich schließlich irgendwie finanzieren. Die Freys kennt man in der Szene inzwischen jedoch eher als Oldtimer-Doktoren mit dem Spezialgebiet "Mazda und Wankel“. Eine derart umfassende Sammlung der japanischen Kultmodelle gebe es sonst nirgendwo. Selbst Japan bietet keine größere Auslese, vermutet die Familie. Das hätten sie sonst sicherlich erfahren - sie waren ja schon ein paar Mal dort, auch bei den Mazda-Chefs.

Eine Begegnung ist Markus Frey besonders im Gedächtnis geblieben: "Da haben wir den Wankel-Gott Kenichi Yamamoto getroffen.“ Der japanische Ingenieur leitete in den Siebzigern bei Mazda die Wankelforschung, als das Unternehmen noch Toyo Kogyo hieß. Frey zeigte dem inzwischen weit über 80 Jahre alten Japaner ein Foto ihres frisch restaurierten K360, einem vorne geschlossenen, rosa lackierten Dreirad mit Ladefläche. Yamamoto zuckte angeblich zusammen, als er es sah, seine Augen weiteten sich: "Er erzählte uns, dass es sich dabei um eine Art Geheimprojekt gehandelt hatte“, so Frey weiter. Yamamoto habe das Modell heimlich mit seinem Team entwickelt. Es sollte der Nachfolger des ersten serienmäßigen Mazda-Fahrzeuges werden, einem GB-Dreirad von 1950. "Die Kunden verlangten ein weiterentwickeltes Dreirad mit Dach, der Vorstand lehnte das jedoch ab.“ Also habe Yamamoto den K360 kurzerhand hinter verschlossenen Türen konzipiert und seine Chefs vor vollendete Tatsachen gestellt. "Als er das Foto von unserem Dreirad sah, war das ein sehr überwältigender Moment, weil er so viel Herzblut in diesen Mazda gesteckt hat“, erinnert sich Frey.

Familie FreyFoto: Christian Bittmann
Marcus Frey, Vater Walter und Bruder Joachim besitzen jetzt ein Automuseum.

Einzigartiger Wankel-Bus als Teil der Sammlung

Sein persönlicher Favorit in der Sammlung sei übrigens ein RX7 von 1979. Der damalige Konkurrent des "Volksporsche“ 924 sei zwar kein besonders wertvolles Auto, es hängen aber persönliche Erinnerungen daran: "Mit dem bin Anfang der Achtziger nach England gegangen.“ Nach der Ausbildung wollte er mal "etwas anderes sehen“ und beschloss, mit Sack und Pack auszuwandern. Bis unters Dach gefüllt ist er mit dem RX7, seinem ersten Mazda, auf die britische Insel gefahren, wo er sich ein paar Monate in einer Autowerkstatt durchschlug. Nach einem knappen Jahr ging er aber wieder zurück: "In Deutschland gefiel es mir dann doch besser.“ Freys Vater dagegen schwärmt für den Parkway-Bus, einem echten Exoten. "Das ist der einzige Bus mit Kreiskolbenmotor“, erzählt er aufgeregt. Wie viele Modelle es von den ursprünglich 42 produzierten ehemaligen Schulbussen noch gibt, ist unklar. So oder so sei der Wankel-Bus aber eine Rarität.

Auf diese Weise könnten die Freys stundenlang weiter erzählen. Da gäbe es schließlich noch den winzigen Flügeltürer namens "Autozam AZ1“, ein Micro-Car mit aufgeladenem Dreizylinder, das nie nach Deutschland kam. Oder den Pathfinder XV1, ein Geländewagen, der in Burma gebaut wurde und einem alten Land Rover verdächtig ähnelt. Oder den prestigeträchtige Luce, der neben dem Cosmo sicherlich der zweitwertvollste Wagen ist, der hier rumsteht. Vom legendären MX5 wollen sie gar nicht erst anfangen, da fehle ihnen momentan noch einer in Gelb. Sie sprechen schnell und grinsen dabei, vervollständigen gegenseitig ihre Sätze.

Die weitläufige Museumshalle ist inzwischen leicht abgedunkelt, an den blechernen, schweren Geruch alter Autos hat sich die Nase längst gewöhnt. Im Oktober ist die offizielle Eröffnung geplant. Die Ausstellungen wechseln sich themenorientiert ab, sodass immer verschiedene Mazdas präsentiert werden. Sobald die "Mazda Classic“ mit einem Restaurant ausgestattet ist, soll sie nicht nur Besucher anlocken, sondern auch als Eventfläche dienen. Bei der Planung wird die Familie von Mazda Deutschland sowie von Klassikprojekt-Geschäftsführer Marc Baumüller unterstützt, der auch die Klassikstadt in Frankfurt oder die Zeche Ewald in Recklinghausen betreut.

Aktuell überlegen die Freys, wie viele Werbeplakate sie an die Wände hängen sollen. Außerdem wollen sie ihre Sammlung noch um ein paar Rennwagen aufstocken. Gerade haben sie sich einen 727C gekauft, der 1984 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans zum Einsatz kam: "Da fehlen uns dann schon noch ein paar“, gibt Frey zu und krempelt sich die Ärmel hoch. Er halte die Augen offen. Bruder Joachim nickt zustimmend. Sie sind ein eingespieltes Team. Mazda-Maniacs. Und total verrückt.

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