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Mazda Cosmo-Werkstatt in Japan

Sprechstunde beim Wankel-Papst

Wankelpapst Foto: press-inform 33 Bilder

Eineinhalb Stunden nördlich von Tokio, im Distrikt Maebashi, sagen sich Fuchs und Hase Sayonara. Doch echte Fans des Mazda Cosmo haben auf dem heimischen Globus hier ein Fähnchen platziert. Senji Hoshino ist ihr Wankel-Papst.

26.10.2009

In dieser abgelegenen Gegend deutet nicht viel auf eine Spezialwerkstatt für asiatische Wankel-Preziosen hin. Felder mit Reis und Gemüse so weit das Auge reicht. Hier und da gibt es ein paar Häuser und eine einspurige Bahnlinie. Das war es auch schon. Bis zur nächsten Ortschaft sind es schon ein paar Kilometer, als an einer winzigen Straßenkreuzung die unscheinbare Werkstatt von Senji Hoshini auftaucht.

20 Mazda 110 Cosmo vor der Garage Star Field

20 Autos umrahmen in L-Form die grau verkleideten Hallen mit der Aufschrift "Garage Star Field". Sieht vom weitem aus wie eine typische Autowerkstatt auf dem Land; wohl für Landmaschinen oder die Privatfahrzeuge der lokalen Anwohner. Doch beim Anblick der zwei Handvoll Mazda 110 Cosmo auf dem Vorplatz würden Wankel-Jünger aus den USA oder Europa in Jubelschreie ausbrechen. Senji Hoshini lächelt nur milde.

Obwohl der heute 48jährige Automechaniker erst lange nach dem Produktionsende zum Cosmo-Fan wurde, kann er sich ein Leben ohne den japanischen Kultsportler aus den 60ern kaum mehr vorstellen. "Als ich Anfang der 80er Jahre auf einer Autobahn nahe Tokio erstmals einen Cosmo sah, war es um mich geschehen", erzählt der Vater von drei Kindern, "ich habe den Fahrer zig Kilometer verfolgt und letztlich angehalten. Ich wollte wissen, was das für ein Auto ist. Den musste ich einfach haben. Nach eineinhalb Jahren hatte ich ihn endlich soweit. Der Besitzer heiratete und brauchte Geld. So bekam ich meinen ersten Cosmo."

Senji Hoshino: Spezialist für Mazda Cosmo


Die Liebe blieb, doch das Auto wurde nach ein paar Jahren wieder verkauft. "Jetzt brauchte ich das Geld - für mein erstes Haus. So musste ich den Cosmo wieder abgeben", trauert Senji Hoshino seinem weißen Erstling bis heute nach. Im Laufe der letzten 25 Jahre mutierte Senji Hoshino und seine Firma "Garage Star Field" zum weltweit größten Spezialisten auf dem Spezialgebiet des Mazda Cosmo. Wer irgendwo auf der Welt ein größeres technisches Problem mit seinem Asien-Sportwagen hat, kommt um den fachkundigen Rat des Japaners kaum herum. Selbst Autohersteller Mazda schickt seine Oldtimer-Kunden mit technischen Fragen und Instandsetzungen rund um die Wankelmotoren nach Maebashi.

In der Oldtimer-Branche hat der Mazda 110 Cosmo einen Ruf wie Donnerhall. Ist auf einer Rallye oder einer Ausstellung einer der seltenen Wankel-Sportler aus den 60er Jahren dabei, sind Applaus und Aufmerksamkeit groß. Ein schmucker Exot, den jeder kennt. Knapp 1.200 Mal wurde der Nippon-Sportler in den 60er Jahren gebaut. Längst ist er durch sein auffälliges Design und den Wankelmotor zur Automobillegende geworden.

Hoshino kennt jeden zweiten Cosmo, der noch unterwegs ist

"Viel mehr als 300 Autos haben die Zeit nicht überlebt", bedauert Hoshino, "davon kenne ich rund jeden zweiten Cosmo, der noch unterwegs ist." Im Wochenrhythmus werden per Kurierdienst in die abgelegene Provinz komplette Wankeltriebwerke und Motorkomponenten angeliefert. Die Anfragen für historische Mazda-Wankel wie Cosmo, Carol, Luce oder RX kommen aus den USA, Europa, Japan, Neuseeland, Belgien oder der Schweiz. Rund die Hälfte des Werkstattgeschäfts gehen auf den Cosmo. Auf dem Parkplatz vor dem Eingang stehen zwei prächtige weiße Cosmos. Einen hat Senj Hoshino gerade für einen Kunden in den USA gekauft und in monatelanger Arbeit auf Vordermann gemacht. Nächste Woche geht der Wagen via Yokohama mit dem Schiff auf die Reise.

Vor dem Gebäude stehen weitere Cosmos, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Zerrupft, verrostet und ohne Triebwerke warten sie auf ihre Restaurierung. Das Geschäft mit der Instandsetzung alter Cosmo-Modelle brummt. Von der Wirtschaftskrise, die Japan ebenso ereilt hat wie die gesamte Autoindustrie, spürt der Wankel-Experte aus dem Süden Japans nichts. "Leute, die solche Autos sammeln, müssen nicht auf den letzten Yen schauen. Ich habe mehr als genug zu tun." Obwohl die Garage in fast schon unwirklicher Lage auf dem Land liegt, brummt das Geschäft. Professor Wankel hat selbst 15 eigene Autos. Neben seinen Cosmo-Lieblingen ist er Fan des Porsche 911. Doch sein spektakulärstes Auto steht in der heimischen Garage und wird nur zu speziellen Anlässen heraus geholt: ein Rennwagen vom Typ Mazda 767 B, mit dem er bei Showveranstaltungen auf japanischen Rennstrecken unterwegs ist. Natürlich mit Wankeltechnik. "Davon hat Mazda gerade einmal drei Stück gebaut. Einen von den Le-Mans-Rennern habe ich mir vor 13 Jahren gekauft", erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln, "an Modalitäten und den Preis erinnere ich mich nicht mehr." Wer’s glaubt.

Wankelmotoren sind sein Leben

In einer der beiden unscheinbaren Werkstatthallen dümpeln zwei weitere teilzerlegte Cosmos vor sich hin - von Planen und Teilen bedeckt. "Da muss noch einiges dran gemacht werden. Aber die meisten Ersatzteile habe ich bereits", erzählt Senji Hoshino. Viele Komponenten der aufwendig zu reparierenden Wankelmotoren liegen ein paar Meter weiter auf dem Hallenboden. Dann lässt Mister Hoshino von einem seiner sieben Mitarbeiter den eigenen 110er Cosmo vorfahren. Kennzeichen: 58-89-17. Holzlenkrad, Pepitasitze, Alufelgen und rot-graue Fußmatten. "Man muss sich nur den Motor anschauen", erzählt er, "habe ich den letzten Jahren einiges dran gemacht. Mehr Hubraum, mehr Leistung. Ist ein völlig anderes fahren." Von jedem fünften Kunden bekommt er den Auftrag, den Motor nachzuschärfen.

Mit einem Hindernis hat der japanische Cosmo-Papst jedoch seit Jahren zu kämpfen. Er spricht nur ein paar Brocken Englisch. "Wenn es um Kunden aus den USA, Neuseeland oder Europa geht, müssen mir Freunde hier in Japan und in den USA die Mails übersetzen", erklärt Senji Hoshino mit einem Lachen, "wenn das so weitergeht, muss ich wohl doch noch Nachhilfe nehmen. Es gehen immer mehr Teile in alle Welt."

50 Cosmo-Aufträge pro Jahr

Pro Jahr bekommt der Cosmonaut rund 50 Jahrzeuge zur Instandsetzung nach Maebashi gebracht. Einige Kunden brauchen nur ein paar Teile oder eine kleine Instandsetzung; andere wollen eine Komplettrestauration. "Die kann aufgrund des Aufwandes und der Nachproduktion von einzelnen Teilen schon einmal zwei Jahre dauern und bis zu drei Millionen Yen kosten", erzählt Senji, "bei kleineren Sachen sind es zumeist Arbeiten am Motor. Hier hat der Cosmo so seine Probleme." Doch die aufwendige Instandsetzung lohnt. Ein gut erhaltener Mazda 110 Cosmo kostet in Japan leicht sechs Millionen Yen (umgerechnet rund 44.000 Euro). Und in den USA oder Europa sind solche Modelle kaum zu bekommen. Die Organisation in dem kleinen Büro um die Ecke macht seine Frau Kimiko. Hinter den beiden Büroarbeitsplätzen gibt es auf kleinstem Raum hunderte von Wankel-Devotionalien zu bestaunen. Besonders stolz sind die beiden auf einen überdimensionalen Rotationskolben als Andenken vom diesjährigen Fantreffen in Augsburg, zu dem Cosmo-Fans aus aller Welt angereist waren. Senji Hoshini kennt hier jeder.

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