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Mazda-Deutschland-Geschäftsführer Josef Schmid

"Wir werden in der Branche vielfach kopiert“

Josef Schmid Foto: Mazda 36 Bilder

Mazda-Deutschland-Geschäftsführer Josef Schmid spricht mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über seine ambitionierten Absatzpläne in Deutschland. Auch skizziert der Vertriebsprofi die Maßnahmen, mit denen Mazda seinen Flottenverbrauch bis 2015 nochmal um 30 Prozent senken will.

20.10.2009 Harald Hamprecht

Herr Schmid, in den ersten neun Monaten konnte Mazda knapp 50.000 Fahrzeuge verkaufen und liegen damit nur fünf Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Andere japanische Importeure haben stärker von der Abwrackprämie profitiert.
Schmid: Ja, es hätte mehr sein können. Das Ergebnis liegt teilweise an der mangelnden Verfügbarkeit an Modellen im Klein- und Kompaktwagenbereich, sprich an unserem Mazda 2 und Mazda 3. Außerdem haben wir kein Angebot im A-Segment, das durch die Abwrackprämie besonders profitiert hat. Nicht zuletzt sind wir nicht so preisaggressiv vorgegangen, wie einige Wettbewerber.  Und dennoch sind wir zuversichtlich.

Mazda 3 i-Stop 2:32 Min.

Weil der September ordentlich gelaufen ist?
Schmid: Ja, im September hat unsere Marke mit fast 6.700 Neuzulassungen und einen Marktanteil von 2,1 Prozent erreicht, was eine Steigerung gegenüber dem Vorjahresmonat von rund 27 Prozent entspricht. Damit hat sich die Marktpositionierung unserer Marke seit April ganz wesentlich verbessert: Von 0,9 Prozent (April) kommend auf 1,3 Prozent im Juli, 1,8 Prozent im August und jetzt diese 2,1 Prozent im September.

Hat Ihr kleinstes Modell am stärksten von der Abwrackprämie profitiert?
Schmid: Ja, unser erfolgreichstes Modell in diesem Jahr ist der Mazda 2 mit rund 18.000 Zulassungen bis Ende September, gefolgt vom Mazda 3 mit fast 12.100, dem Mazda 6 mit knapp 9.200 Verkäufen und dem Mazda 5 mit rund 6.000 Stück.

Wie viele Neuzulassungen erwartet Mazda 2009 in Deutschland insgesamt, wie viele 2010?

Schmid: 2009 ist unser Ziel, rund 65.000 Mazda im deutschen Markt zu verkaufen und damit den Marktanteil von 1,7 Prozent zu halten. Für 2010 streben wir einen Marktanteil von mindestens zwei Prozent an, was bei einem prognostizierten Gesamtmarkt von 2,75 Millionen Fahrzeugen etwa 55.000 Einheiten entspricht.

Welche Rolle hat Mazda Deutschland damit in Europa?
Schmid: Deutschland ist für Mazda vor Großbritannien und Russland der wichtigste Markt in Europa, unsere Verkäufe hierzulande stehen für ein Viertel aller Mazda-Zulassungen in Europa. In Deutschland liegen wir 2009 kumuliert bei 1,7 Prozent Marktanteil. In Europa werden wir im Kalenderjahr 2009 rund 270.000 Fahrzeuge verkaufen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent erreichen.

Wie viel Luft ist Mittelfristig noch für Mazda nach oben?
Schmid: Ich glaube, dass wir mittelfristig in Deutschland einen Marktanteil von 2,5 Prozent verdienen - bei einem Gesamtmarkt, der sich irgendwo bei drei Millionen Neuzulassungen im Jahr einpendeln wird.

Kommen wir zur Gegenwart. Wie sieht es mit der Bilanz von Mazda aus?
Schmid: Vor wenigen Tagen hat unser Mutterkonzern seine Prognose für die erste Hälfte des Geschäftsjahres (April bis September) nach oben korrigiert, wir konnten dank erfolgreicher Kostensenkung, positiven Absatzimpulsen und einer für uns positiveren Wechselkursentwicklung schon im zweiten Quartal des Geschäftsjahres in die Gewinnzone zurückkehren. Für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres (bis März 2010) erwarten wir ebenfalls ein positives Ergebnis, so dass der operative Verlust im gesamten Geschäftsjahr nur noch 100 Millionen Euro betragen dürfte. Das Europa-Geschäft ist für den Ertrag von Mazda von entscheidender Bedeutung und hat in den letzten Jahren immer einen großen, wenn nicht gar den größten regionalen Anteil am globalen Ertrag von Mazda geliefert.


Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie derzeit - und wie soll sich die Zahl entwickeln?
Schmid: Wir haben unsere deutsche Mazda Organisation erst im Frühjahr dieses Jahres in erster Linie im Vertrieb, im Marketing und im After-Sales neu aufgestellt. So haben wir unsere Struktur von drei auf vier Regionen vergrößert und den Außendienst auf 28 Mitarbeiter aufgestockt, um die Händler in Ihren Geschäften noch besser unterstützen zu können. Darüber hinaus haben wir neue Abteilungen für den Flotten- und Gewerbekundenvertrieb sowie für die Netzentwicklung aufgebaut und bestimmte bisher von externen Mitarbeitern durchgeführte Tätigkeiten wieder intern besetzt. Insgesamt hat dies zu einer leicht erhöhten Anzahl an Mitarbeitern geführt, zur Zeit arbeiten rund 153 Mitarbeiter bei Mazda Deutschland.

Und wie sieht es im Vertriebsnetz aus?
Schmid: Im Moment haben wir in unserem Netzt 79 Wirtschaftsraumleiter mit direkten Verträgen und 691 Vertriebsstandorte. Damit sind wir flächendeckend in Deutschland aufgestellt. Insgesamt kämen wir auch mit einer etwas geringeren Anzahl an Standorten aus, unsere Händlernetzentwicklung ist dabei, die Strukturen - wo erforderlich und sinnvoll - neu zu gestalten. Ich sage mal, 600 bis 650 Standorte wären eigentlich optimal. Aber ich betone noch einmal: Wir werden unseren Partnern nicht kündigen, wir setzen auf natürliche Fluktuation.

Wie ist es um die Profitabilität Ihrer Händler bestellt?
Schmid: Die durchschnittliche Umsatzrendite aller Mazda Händler lag 2009 bisher bei 1,4 Prozent. Das ist ein erfreuliches Ergebnis, denn alles, was sich hier um die 1,5 Prozent plus minus 0,5 Prozentpunkte bewegt, ist aus unserer Sicht ein gutes Niveau. Genau deswegen ist die Zahl der Insolvenzen bei uns auch relativ niedrig: 2008 hatten wir nur eine und 2009 bisher zehn Insolvenzen. 

Welchen Produkte haben Ihre Händler diese Situation zu verdanken; mit anderen Worten: Welche drei Modelle sind Ihre Haupt-Säulen beim Absatz?
Schmid: Man kann sicher sagen, das Mazda nicht nur auf drei, sondern vier relativ stabilen Säulen steht: Mazda 2, Mazda 3, Mazda 6 sowie der Mazda 5. Die Kür sind unsere Nischenmodelle wie der MX-5 und jetzt der CX-7 mit Diesel, die jeweils für rund 3.000 Zulassungen sorgen und somit nicht unwesentlich zum Absatz beitragen. Wir haben also eine sehr junge und attraktive Palette mit einem Durchschnittsalter von nur einem Jahr, deswegen benötigen wir 2010 auch keine dramatischen Erneuerungen.

Verspüren Sie keinen Druck, das eine oder andere Segment neu oder besser zu besetzen?

Schmid: Natürlich könnten wir einen sportlichen, kompakteren Crossover unterhalb des CX-7 gut gebrauchen, aber wir sollten unsere Positionierung in bereits von uns besetzten Segmenten weiter festigen. Außerdem müssen wir unsere Entwicklungsressourcen möglichst effizient einsetzen, so entwickeln wir gerade eine komplette neue Generation von Benzin-Direkteinspritzern und Dieselmotoren, ein neues Automatikgetriebe, komplett neue, um die 100 kg leichtere Plattformen und weitere effizienzverbessernde Systeme, wie eine bessere Aerodynamik, um unseren globalen Flottenverbrauch bis 2015 nochmals um 30 Prozent gegenüber 2008 zu senken.

Erkennen Sie nicht auch den Trend zum Downsizing und die Notwendigkeit für ein neues Produkt unterhalb des Mazda 2?
Schmid: Wir denken, dass wir mit Mazda 2 als unterstes Modell sehr gut aufgestellt sind. Downsizing war schon immer Trend, wenn die Energie teuer wird oder eine sonstige Krise die Branche plagt. Zwei, drei Jahre später beruhigt sich dieser Trend in der Regel wieder; glauben Sie mir, ich bin schon 36 Jahre im Geschäft. Aber wie ich es bereits sagte, arbeiten unsere Ingenieure mit Hochdruck an Fahrzeug-Generationen, die nicht nur einzelne Sparvarianten bieten, sondern bei denen alle Varianten signifikant sparsamer sein werden. Und natürlich werden diese Autos nicht zu teuer sein, da wir durch eine intelligente Entwicklungsstrategie auf den Einsatz kostenintensiver Materialien und Komponenten verzichten können.
 
Wann sehen wir Hybrid- oder Elektrofahrzeuge von Mazda?
Schmid: In Japan bieten wir bereits seit April eine Kleinserie auf Basis des Mazda 5 mit einem Hybrid-Antrieb an, der eine Besonderheit aufweist: Sein Verbrennungsmotor ist ein Wankelmotor, der Wasserstoff statt Benzin verbrennt. Dieses Thema wollen wir als längerfristige Option verfolgen. Auch ein Plug-in-Hybrid ist in den Startlöchern; wir wollen hier aber noch das Marktpotenzial etwas abwarten. Wann wir definitiv ein Hybridfahrzeug in Europa anbieten werden, kann ich heute noch nicht sagen. Gleiches gilt übrigens für ein reines Elektroauto. Aber auch ohne diese neuen Technologien war Mazda in puncto CO2 hinter BMW die erfolgreichste Marke in Sachen C02-Reduktion: Von 2007 bis 2008 konnten wir den CO2-Ausstoß unserer Fahrzeuge im Schnitt um 8,2 Prozent auf 158 g senken. 

Wandelt sich Mazda zur grünen Marke?

Schmid: Natürlich werden unsere Fahrzeuge immer sparsamer, aber wir wollen nicht, dass der Fahrspaß dabei auf der Strecke bleibt. So werden wir auch in Zukunft Autos bauen, die sich durch geringes Gewicht auszeichnen und sich damit noch dynamischer und effizienter bewegen lassen und durch neue Motoren und Getriebe noch weniger verbrauchen.

Wofür steht die Marke Mazda schon heute - und welche Markendimensionen wollen Sie künftige noch stärker betonen?
Schmid: Mazda steht heute für attraktives Design, Fahrdynamik und Funktionalität gepaart mit Qualität und Zuverlässigkeit zu einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis. Und wir sind gerade beim Design offenbar Trendsetter: Unsere beim RX-8 vor sechs Jahren eingeführten prägnanten vorderen Kotflügel haben nicht nur wir in allen Mazda-Baureihen etabliert, sondern etliche andere Hersteller haben dieses Designmerkmal kopiert. Oder funktionale Features wie unser praktisches Karakuri-Sitzkonzept oder die Schiebetüren im Kompaktvan-Bereich finden sich heute auch bei anderen Marken. Und das ehrt uns natürlich, denn was kopiert wird, kann nicht ganz schlecht sein.

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