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McCormick's in Palm Springs

Peepshow für Petrolheads

McCormick´s in Palm Springs, Impression, Klassiker-Händler Foto: Hardy Mutschler 50 Bilder

Über 500 Oldtimer stehen bei Keith McCormick auf dem Hof - Cadillac reiht sich an Porsche, Jaguar, Plymouth, und so weiter. Ein spontaner Besuch beim Klassikhändler und Auktionator im kalifornischen Palm Springs. Leider 3 Tage zu spät.

09.08.2015 Heinrich Lingner Powered by

Palm Springs heißt ja nicht so, weil hier so viele Palmen im Wüstenwind wedeln, sondern weil die Spanier in der Umgebung im 18. Jahrhundert heiße Quellen entdeckten und diese dann "Handfläche Gottes" nannten: Palma de la Mano de Dios.

Ein paar zerzauste Wedel werfen nur sehr spärliche Schatten auf die Asphaltfläche im Hinterhof am North Indian Canyon Drive. Das Licht ist kalifornisch grell an diesem Frühjahrsmorgen, auf der Fläche stehen rund 250 Klassiker dicht gedrängt wie auf einem Supermarkt-Parkplatz vor Weihnachten. Cadillac neben Dodge neben Porsche neben Jaguar neben Plymouth, alle von der Sonne angestrahlt wie von Neon-Prüflampen. "Seht euch ruhig um", sagt eine nette Dame im Empfangsraum von McCormick's Collector Car Auctions, der Chef sei noch nicht da.

Kein Problem, sich umschauen, das kann Stunden dauern, das ist hier wie eine Peepshow für Petrolheads. Und wenn nicht an den meisten Autos "Sold"-Schilder hingen, wäre das Umschauen zudem nicht ungefährlich. Der gelb-schwarze 69er Plymouth Roadrunner etwa mit 6,3-Liter-V8 und Viergang-Schaltgetriebe, an dem ein Zettel mit der Losnummer 411 hängt, der sieht richtig gut aus. Oder die 47er Lincoln-Limousine mit Zwölfzylindermotor in Grau, sonst ja nicht so im Beuteschema, wirkt authentisch und original.

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Reportage Klassikerhändler McCormick´s in Palm Springs
Motor Klassik 03/2015
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Alle Autos hier aufzuzählen, das würde etwas zu weit führen. 576 Sammlerfahrzeuge wurden bei der letzten Auktion angeboten, die meisten davon stehen hier. Rund 80 Prozent davon sind verkauft, vermeldet eine Pressemitteilung, den vielen "Sold"-Vermerken an den Autos nach keine Übertreibung. Den Chef hört man, bevor er zu sehen ist. Keith McCormick fährt in einem Ferrari Italia Spider vor, parkt schwungvoll millimeternah am Bordstein und springt mit dem Elan eines sehr jungen Mannes aus seinem Sportwagen.

McCormick's Weg zum Oldtimer-Auktionator

"Ihr seid zu spät, Jungs", sagt er zur Begrüßung, und die nordenglische Färbung seines Amerikanisch ist unüberhörbar. Am Wochenende seien 481 Autos auktioniert worden. Ein Riesenspektakel in Palm Springs mit mehreren Tausend Besuchern. "90 Prozent sind Tire-Kicker, aber auch die können zukünftige Bieter sein", verrät Keith. Gern erzählt er seine Lebensgeschichte, die zwar nicht vom Tellerwäscher zum Millionär reicht, doch immerhin vom VW-Händler bei Birmingham zum Besitzer eines der größten Oldtimer-Auktionshäuser in den USA.

Eigentlich, sprudelt es aus ihm heraus, habe ihn Telly Savalas in der Idee mit den Auktionen in Palm Springs bestärkt. "Wir standen bei der Klassiker-Auktion in Newport nebeneinander und kamen so ins Gespräch, er fand den Gedanken ebenfalls gut." Das ist nun 30 Jahre her, das Geschäft floriert, zweimal im Jahr veranstaltet McCormick große Versteigerungen.

Um die 500 Autos werden dann jeweils angeboten. Die meisten kommen von privaten Anbietern und liegen im fünfstelligen Bereich, so zwischen 10.000 und 50.000 Dollar. Ausreißer nach oben oder unten sind eher selten, können jedoch vorkommen.

Ein Vector, erinnert sich der kalifornische Engländer, sei das teuerste Auto gewesen: 950.000 Dollar wollte der Anbieter haben - nicht verkauft. Es sind die Brot-und-Butter-Klassiker, die hier gehen, meist die amerikanischen, doch auch Mercedes, BMW, Porsche und Jaguar sind häufig in den Listen zu finden.

481 verkaufte Autos

Das Telefon klingelt weiter, während McCormick erzählt. Und Mitarbeiter stecken die Köpfe ins Büro. Heute, am Montag nach dem Auktionswochenende, sei viel los, bittet Keith um Entschuldigung. Die 481 verkauften Autos werden von Spediteuren oder Besitzern abgeholt, ständig gibt es Details zu klären. "Kein Problem, Keith", sagen wir, schließlich gibt es draußen noch einiges zu sehen. Der Hinterhof steht immer noch voller Autos. Viele davon gehen nach Europa, gibt uns der Chef mit auf den Weg. "Ich habe in Europa inzwischen Stammkunden, die bestellen blind - und wir liefern."

Draußen steht die Mittagssonne so hoch am Wüstenhimmel, dass die Palmen kaum noch Schatten werfen. Wir erhalten eiskalte Softdrinks in der Dose und die Liste mit den versteigerten Autos des Wochenendes. Den Camaro Z28 IROC hätte ich vielleicht mitgenommen, wenn er nicht verkauft wäre. Für 13.125 Dollar. Mit 5,7-Liter-V8 und gerade mal 3.700 Meilen auf dem Tacho.

Er wirkt so neu, als sei 1987 höchstens fünf, und nicht über 25 Jahre her. Aus einer Sammlung soll er stammen, wie der Auktionskatalog mitteilt. Wäre ich bereits am Freitag in Palm Springs gewesen, dann hätte meine Kreditkarte womöglich jetzt einen Camaro IROC auf der Ausgabenliste stehen.

Fotograf Hardy, der vermutlich an einer geheimen Stelle ein Mopar-Tattoo hat, umschleicht einen 67er Dodge Coronet. Nur 11.000 Dollar hat das metallicblaue Coupé mit 383-Big-Block gebracht. Dabei steht es auf den ersten Blick gut da - mit originalem Vinyl-Interieur und den echten schwarzen California-Schildern.

Ich bin ein paar Schritte weiter bei einem matt-roten 911 S 2.7 in leicht patiniertem Zustand: 22.000 Dollar. Kein schlechter Deal. Während wir über Sales Tax und Verschiffungsgebühren fachsimpeln, hat sich der Hinterhof merklich geleert. Die meisten Autos sind unterwegs zu neuen Eignern, die Show vorbei. Vielleicht sind wir ja im Herbst wieder hier, diesmal rechtzeitig, wenn die Palmen über den Auktionszelten wedeln.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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