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McLaren droht Punktabzug

Foto: Wilhelm

Der Spionagefall im Hause Ferrari könnte für McLaren-Mercedes und seine beiden Fahrer Lewis Hamilton und Fernando Alonso ein böses Nachspiel haben. Schlimmstenfalls können dem Team und den Piloten WM-Punkte in der laufenden Weltmeisterschaft abgezogen werden.

12.07.2007 Michael Schmidt Powered by

Sollte sich herausstellen, dass außer dem inzwischen suspendierten Ingenieur Mike Coughlan noch mehr McLaren-Mitarbeiter von dem 780 Seiten starken Dokument mit internen Ferrari-Daten gewusst haben, dann hat der englische Rennstall schlechte Karten. Die eidesstattliche Erklärung, die Coughlan Ferrari überlassen hat und in die auch der Weltverband FIA Einsicht gehabt haben soll, deutet offenbar darauf hin, dass es schon seit März Kontakt zwischen Ferrari-Werkstattchef Nigel Stepney und Coughlan gab. Die Übergabe der Dokumente soll Ende April stattgefunden haben.

Außerdem soll Coughlan zugegeben haben, dass sein Vorgesetzten Jonathan Neale von dem Kontakt gewusst habe. Neale habe ihn allerdings angewiesen, die Dokumente zu vernichten und die Verbindung zu Stepney abzubrechen. McLaren wird beweisen müssen, die vertraulichen Informationen nicht zum eigenen Vorteil verwendet zu haben. Außerdem muss McLaren erklären, warum man Ferrari nicht rechtzeitig in Kenntnis über die Machenschaften ihres ehemaligen Werkstattchefs Nigel Stepney gesetzt hat. Dabei spielt es scheinbar keine Rolle, ob die McLaren-Direktoren Ron Dennis und Martin Whitmarsh von Neale informiert worden sind. Laut FIA haftet in so einem Fall die Firma für ihre Angestellten.

FIA ruft Weltrat zusammen

Neale sei immerhin der Leiter des Technikbüros bei McLaren. Das Einverständnis Coughlans, eine eidesstattliche Erklärung in schriftlicher Form über die Vorfälle abzugeben, hat die Spekulationen neu angeheizt. Warum zieht Ferrari im Gegenzug das Verfahren gegen den Ingenieur in England zurück? Beobachter der Anhörung vor dem obersten Gerichtshof in England glauben, Ferrari erhoffe sich davon den entscheidenden Hinweis gegen McLaren. Dabei könnte es sich um die Tatsache handeln, dass mindestens ein McLaren-Mitarbeiter schon seit März in Besitz vertraulicher Informationen ist.

Die FIA, die seit vergangener Woche den Vorfall untersucht, hat am 26. Juli den Weltrat zu einer dringenden Sitzung zusammengerufen. Dann soll entschieden werden, ob und wie McLaren-Mercedes bestraft wird. FIA-Präsident Max Mosley hatte bereits in Silverstone angedeutet, dass der Strafenkatalog in so einem Fall bis zum Punktabzug für Team und Fahrer reichen könne. McLaren muss sich gegen den Vorwurf verteidigen, Artikel 151c des Sportgesetzes verletzt zu haben. Demnach sei das Team von März bis Juli in unerlaubten Besitz von Dokumenten und vertraulichen Informationen des Wettbewerbers Ferrari gewesen. Das könnte McLaren theoretisch in die Lage versetzt haben, den Ferrari F2007 in Teilen oder als ganzes nachzubauen oder zu testen.

Zwei mögliche Anklagepunkte

Sollte McLaren nicht in der Lage sein, die Vorwürfe hinreichend zu entkräften, wären zwei Anklagepunkte denkbar. Der eine lautet auf unerlaubten Wettbewerbsvorteil. Selbst wenn bei der noch laufenden Untersuchung bezüglich der Übereinstimmung von Komponenten zwischen dem Ferrari F2007 und dem McLaren MPT4-22 kein positives Ergebnis herauskommt, kann die FIA noch eine zweite Strafbegründung auffahren. Die lautet dann auf Rufschädigung für den Sport. Für die FIA ist der Fall ein heißes Eisen. Dadurch könnte das Titelrennen zwischen Hamilton, Alonso, Räikkönen und Massa am grünen Tisch entscheiden werden und den diesjährigen WM-Titel entwerten.

Der Weltverband, dem immer schon Nähe zu Ferrari nachgesagt wird, könnte bei einem Urteil gegen McLaren erneut Parteinahme vorgeworfen werden. Es ist und bleibt ein Fall, bei dem es nur Verlierer geben wird.

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