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Fahrzeugsicherheit

Meilensteine der Geschichte

Foto: dpa 32 Bilder

Als vor mehr als 100 Jahren Bertha Benz die erste Autoreise unternahm, waren die schlimmsten Gefahren die schlechten Straßenverhältnisse. Das nächste tiefe Schlagloch konnte schon einen Achsbruch und das Ende der Reise bedeuten.

21.11.2008 Kai Klauder Powered by

Mit den Jahren nahm der Verkehr zu und immer mehr motorisierte Zweiräder, Vehikel mit schwachen oder nicht vorhandenen Bremsen und fehlende Überprüfung auf Verkehrssicherheit sorgten für einen Anstieg von schweren Unfällen – und ein Umdenken. Vor allem in den 1960er Jahren wurde das Thema Fahrzeugsicherheit immer bedeutender. In den USA griffen neue Gesetze, die Weiterentewicklungen auf dem Weg zum sicheren Auto forderten. Stoßfänger mussten eine bestimmte Energie abbauen können, die Windschutzscheibe einen bestimmten Abstand vom Kopf des Fahrers haben, neue Formen im Automobildesign waren nötig, um die Anforderungen zu erfüllen. auto-motor-und-sport.de stellen die wichtigsten Entwicklungen vor.

Passive und Aktive Sicherheit

Unter der passiven Sicherheit versteht man alle Maßnahmen, die die Unfallfolgen abmildern. Diese Maßnahmen gelten für die Fahrzeuginsassen ebenso, wie für Passanten. Gepolsterte Armaturenbretter, Prallschutz am Lenkrad, Sicherheitsgurte, Überrollbügel, Seitenaufprallschutz, aber auch glattflächige Karosseriebleche und abgerundete Ecken gehören zu der passiven Sicherheit.

Zu Bestandteilen der aktiven Sicherheit werden alle Maßnahmen gerechnet, die dabei helfen, Unfälle zu vermeiden. In den Bereich der aktiven Sicherheit spielt der Zustand der Verkehrswege eine große Rolle, ebenso die Beschilderung. Auf Seiten der Kraftfahrzeugentwicklung sind gerade in den letzten 15 Jahren viele Erfindungen gemacht worden, die die Stabilität, das Bremsverhalten, die Wahrnehmungssicherheit sowie die Bedienungssicherheit verbessert haben. Elektronisch geregelte Bremsassistenten, Antiblockiersysteme, Stabilitätsprogramme, Traktionskontrolle und vieles mehr bis hin zu Spurassistenten und neue Bedienungskonzepte wie I-Drive oder Sprachsteuerung zeigen neue Wege auf.

Die Meilensteine der Verkehrssicherheit

1903: Vollen Durchblick: Scheibenwischer

Eines der ersten Patente im Bereich der Verkehrssicherheit wurde 1903 ausgegeben. Die Amerikanerin Mary Anderson entwickelte einen mechanischen Scheibenwischer. Der als Autonarr bekannte Heinrich von Preußen – Bruder von Kaiser Wilhelm II – meldete 1905 ein Patent auf einen mechanisch angetriebenen Scheibenwischer an und erhielt es 1908. Der Vorläufer des noch heute eingesetzten elektrisch betriebenen Scheibenwischers wurde von Bosch entwickelt und 1926 patentiert.

1904: Der Luftreifen

Bei den wichtigsten Entwicklungen im Bereich der automobilen Sicherheit, dürfen die Reifen nicht vergessen werden. Der Chemiker Charles Goodyear erhielt 1844 das Patent auf die Vulkanisierung von Kautschuk. Damit schuf er die Voraussetzung für ein dauerelastisches Material – Gummi.

Zunächst wurden bei Fahrzeugen jeglicher Art Vollgummireifen eingesetzt. Die Erfindung des Luftreifens (Dunlop, 1888) sorgte für besseren Komfort und erlaubte höhere Geschwindigkeiten. Ab 1904 wurden die Reifen mit Profil versehen und konnten damit bessere Traktion erreichen. Bald wurde der Gummimischung Ruß beigemischt, der für die bis heute charakteristische schwarze Farbe sorgte, eigentlich aber für eine bessere Haltbarkeit und Widerstandfähigkeit sorgt.

Weitere große Schritte auf dem Weg zur besseren Sicherheit waren die Entwicklung von Stahlgürtelreifen Anfang der 50er-Jahre, die Reduzierung des Höhe-Breite-Verhältnisses und die Einführung von Radialreifen, die die Diagonalreifen fast vollständig verdrängten. Neben einer längeren Haltbarkeit zeichnet diese Bauweise vor allem bessere Kurvenstabilität, Laufeigenschaften und Nasshaftung aus.

1922: Selbsttragende Karosserie

Für den heutigen Fahrzeugbau besonders bedeutend war die Erfindung der selbsttragenden Karosserie. Die Bauform ohne tragenden Rahmen stellte einen Paradigmenwechseln dar. Bis auf die amerikanischen Hersteller und ein paar versprengte Kleinserienhersteller wie Morgan oder Lotus, werden heute beinahe alle Personenkraftwagen mit dieser Bauweise produziert.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch die Verbundstruktur der Karosserie können Kräfte besser aufgenommen werden, die selbsttragende Karosserie ist zudem leichter bei besserer Stabilität – und meist günstiger zu fertigen, da weniger Material benötigt wird.

Das erste Auto mit einer selbsttragenden Karosserie war der Lancia Lambda (1922), die erste Ganzstahlkarosserie besaßen Citroën 11CV (1934) und Opel Olympia (1935).

1922: Fahrtrichtungsanzeiger oder Winker/Blinker

In den Großstädten wurde langsam das Verkehrsaufkommen größer, die Straßen breiter, mehrere Fahrstreifen wurden nötig. Und damit auch das Wechseln der Fahrspuren ohne Blechschaden und Kampfspuren von statten gehen konnte, mussten sich die Verkehrsteilnehmer verständigen können. Erster Schritt dahin war die Erfindung des Winkers. Dieses rein mechanische System erlaubte einem Fahrzeugführer seinem Hinter- und Nebenmann sein Vorhaben zu signalisieren.

In den USA wurden schon in den 1930er-Jahren Blinkleuchten eingesetzt, durch die Militärfahrzeuge wurde die Technik in Deutschland verbreitet und Bosch fertigte seit den 1950er-Jahren elektrische Blinkanlagen, die auch nachgerüstet werden konnten. In Deutschland sieht die Straßenverkehrsordnung seit 1956 Blinkleuchten als Fahrtrichtungsanzeiger vor. An den Winker erinnern heute die in die Rückspiegel integrierten Blinkleuchten.

1951: Die gute Explosion im Innenraum: Airbag

Das Prinzip ist eigentlich jedem Kleinkind klar, das mit einem Luftballon gespielt hat. Ein gefüllter Luftsack nimmt Energie auf und mildert die Aufprallgeschwindigkeit. Bis der Airbag aber zu einem festen Bestandteil der Fahrzeugausstattung wurde, vergingen Jahrzehnte.

Schon 1920 wurde ein Luftsack patentiert. Hierbei handelte es sich um eine Sicherheitseinrichtung für Flugzeuge. Er bestand aus einem luftgefüllten Gummibeutel, der eigentlich eine kissenartige Polsterung ist. In Kraftfahrzeugen beginnt die Geschichte des Airbags 1951, als Walter Linderer ein Patent mit dem Titel „Einrichtung zum Schutze von in Fahrzeugen befindlichen Personen gegen Verletzungen bei Zusammenstoessen“ erhielt.

Die Unfallzahlen stiegen mit der Motorisierung stark an, viele tödliche Unfälle ließen Forderungen nach sicheren Fahrzeugen laut werden. Mercedes arbeitet ab Mitte der 1960er an dem lebensrettenden Luftsack. In den letzten Jahren gab es einen regelrechten Boom, was die Einsatzorte von Airbags angeht. Ob Kopf-, Knie-, Seiten- oder seit 2006 auch Motorrad-Airbags, der Einsatzmöglichkeit sind kaum Grenzen gesetzt.

1952: Patent 854157 – die Knautschzone

Die Erfindung, die 1952 Béla Barényi mit der Nummer 854157 patentiert wurde, gehört zu den wichtigsten Errungenschaften – und ist die Erfindung, die die meisten Menschenleben gerettet haben dürfte. Ihr Name „gestaltfeste Fahrgastzelle, umgeben von Knautschzonen vorn und hinten“ – einfacher ausgedrückt: das Prinzip der Knautschzone.

Der Vorreiter der passiven Fahrzeugsicherheit stellte alle bis dahin favorisierte Theorie auf den Kopf. Das Ziel lautete nun nicht mehr, eine möglichst stabile Karosseriestruktur zu konstruieren, sondern durch definierte Knautschzonen die kinetische Energie möglichst gut abzubauen. Hinter Barényis Idee steckt eine Dreiteilung der Karosserie. In der Mitte der formstabile „Käfig“, in der die Passagiere gut geschützt sind. An Front und Heck wird diese Fahrgastzelle von verformbaren Knautschzonen bei einem Unfall geschützt.

Beim Deutschen Patentamt führt eine Suche nach Patenten, an denen Barényi mitgearbeitet hat, zu 1.396 Treffern. Mehr zu Béla Barényi und seinen Erfindungen gibt es bei unserer Schwesterzeitschrift Motor Klassik

1959: Einfach Gurt, besser Dreipunktgurt

Wie viele andere Erfindungen, kam der Sicherheitsgurt aus dem Flugzeug ins Automobil. Schon zwischen den Weltkriegen waren beinahe alle Flugzeuge mit Beckengurten ausgestattet. Monsieur Gustave-Désiré Leveau ließ sich 1903 einen Vierpunkt-Gurt patentieren. 1885 wurde bereits ein allgemeiner Sicherungsgurt von Claghorn patentiert. Auch im Bauwesen, waren Sicherungsgurte schon seit Ende des 19. Jahrhunderts im täglichen Einsatz. Die Erfindung des Dreipunktgurtes, mit dem wir uns heute anschnallen wird dem schwedischen Luftfahrtingenieur Nils Ivar Bohlin zugeschrieben.

1961 erhielt Bohlin auf sein Rückhaltesystem ein Patent (DE 1101987A). Zwei Schlaufen, die an stabilen Punkten der Karosseriestruktur angebracht sind, fixieren den Körper des Insassen im Becken- sowie Brustbereich und sind mit einer Schnalle zu lösen, um den Ein- und Ausstieg zu erleichtern.

Die Rückhaltesysteme wurden über die Jahrzehnte weiterentwickelt und um Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer ergänzt. Ab 1959 waren alle Volvos serienmäßig mit einem Dreipunkt-Sicherheitsgurt ausgestattet und ab 1974 besaß jedes neu zugelassene Auto vorne Gurte, zwei Jahre auch hinten.

1985: Elektronisches Antiblockiersystem

Einfach ausgedrückt überwacht ein Antiblockiersystem ständig den Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn. Sobald das Rad den Grip verliert, greift das System ein und verhindert ein Blockieren. Großer Vorteil ist dabei, dass das Fahrzeug selbst bei Vollbremsungen noch weitestgehend lenkbar bleibt – unabhängig von der Beschaffenheit des Untergrundes.

Erstes Serienauto mit ABS – einem elektro-mechanischen System von Dunlop – war der Jensen FF (1966), erstes Großserienfahrzeug mit serienmäßigem ABS war der Ford Scorpio (1985). Bosch gab 1978 den Startschuss für die Serienfertigung des elektronisch geregelten Antiblockiersystems und ließ sich den Begriff Antiblockiersystem (ABS) schützen. Zunächst konnten nur Käufer von Luxus- und Oberklasse-Limousinen die ABS-Option nutzen. Die S-Klasse der Baureihe W116 und der neue 7er von BMW (E23) galten als die Technologieträger für neue Sicherheit auf den Straßen. Erst seit dem 1. Juli 2004 ist in allen Modellen der europäischen Fahrzeughersteller das Antiblockiersystem serienmäßig.

1995: Elektronische Stabilitätsprogramm ESP

Das ESP ist die logische Weiterentwicklung des Antiblockiersystems und wird als die wichtigste Entwicklung im Bereich der Fahrzeugsicherheit der letzten 15 Jahre angesehen. 1995 wurde das Elektronische Stabilitätsprogramm zum ersten Mal in der S-Klasse von Mercedes eingesetzt. Bei dem ESP, das bei anderen Herstellern andere Namen wie DSC, DSCT, MASC, MSP, PSM oder CST trägt, handelt es sich um ein System, das die Fahrstabilität des Fahrzeugs im Grenzbereich aufrecht erhält.

Durch Sensoren wird die Fahrsituation analysiert. Dabei werden die Einflüsse von Lenkwinkel, Rad-Drehzahl, Querbeschleunigung, Beschleunigung und Traktion kontrolliert und im Bedarfsfall einzelne Räder abgebremst. In heiklen Fahrsituationen wie bei Lastwechselreaktionen, glatter Fahrbahn kann ein Elektronisches Stabilitätsprogramm innerhalb von Hundertstel Sekunden reagieren.

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