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Meine erste IAA

Endlich glotzen, anfassen und reinsetzen

Meine erste IAA, 2011 Foto: Carsten Rose 57 Bilder

Wochenlang habe ich mich auf die IAA gefreut, aber sieben Uhr ist einfach keine Zeit. Also lasse ich mich halb komatös und frei von jeder Vorfreude auf den Beifahrersitz fallen. Selbst der sportliche Fahrstil des Kollegen Rose hält mich nicht vom Einschlafen ab.

20.09.2011 Dina Dervisevic

Im Parkhaus komme ich zu mir und schon setzt die Adrenalin-Ausschüttung ein: Wir sind da! Autos, Autos, Autos! Eine Armada von Polizei-Bussen ist das Erste was ich erblicke. Kollege Rose schreit mir noch hinterher: "Das sind keine Ausstell-Fahrzeuge!", aber ich befinde mich schon im Sprint und sitze Sekunden später am Steuer des Polizeiwagens. Über Funk werden geheime Informationen durchgegeben, mit denen ich nichts anfangen kann, also drücke ich ein paar Knöpfe und eile dann zur nächsten Attraktion, dem Gelände-Parcours.

Ich entscheide mich für den Hyundai Santa Fe inklusive Fahrer mit Berliner Schnauze. Er legt gleich los, wir hängen an der 30-Grad-Steigung, ich jauchze wie bei einer Achterbahnfahrt. Das Podest für den Schräglagentest vor uns, sieht an sich sehr harmlos, ja fast langweilig aus. Ich klebe aber mittlerweile am Seitenfenster und erwarte jede Sekunde, dass wir umkippen - meine Jubelschreie bekommen einen panischen Unterton.

Geräuschlos im E-Auto Mia

Mit weichen Knien, hochrotem Kopf und voller Begeisterung verlassen wir das SUV-Feld in Richtung Halle der Elektromobilität. Meine erste Fahrt in einem E-Auto bestreite ich in einem Mia. Statt eines Motors höre ich das Kommando von Fuhrpark-Verwalter Luigi: "Signora, sie können jetzt losfahren." Lautlos und etwas ruckelig kurve ich auf dem Gelände rum. Die Stille ist mir unheimlich und ich drücke kurzerhand die Hupe. Luigi schreckt zusammen und ermahnt mich, kein Aufsehen zu erregen, hier sei alles voll mit Polizei. Ich stutze, aber entscheide mich, nicht länger über diese Äußerung nachzudenken. Meine erste E-Fahrt war spektakulär unspektakulär und den Mia respektiere ich sofort als vollwertiges Stadtauto - allerdings nicht für einen Preis um die 19.000 Euro.

Wir verabschieden uns von Luigi und stürmen die Volkswagen-Halle. Ich will wissen, warum da alle sabbernd über der Glasabgrenzung hängen, kämpfe mich in die erste Reihe und - sabber. Bugatti. Nur gucken, nicht anfassen. Dafür bin ich zu rastlos. Ich hüpfe in den Up, der mich versucht mit dem Spruch "Klein ist groß" anzumachen. Nicht ganz abgeneigt verabschiede mich, erblicke dann die Sailing-Studie des Up und ergreife die Flucht.

Gut gekühlt bei Mercedes auf der IAA

Erst in der Mercedes-Halle komme ich wieder zum Stehen. Es ist rappelvoll, aber die Lautstärke erträglich und die Luft angenehm kühl. Ich entrüste mich über die lahme Rolltreppe und schaue neidvoll nach links, wo auf der Turbo-Rolltreppe alle an mir vorbeiziehen. Vor lauter Lichtshow hätte ich dann beinahe das A-Concept übersehen. Ein kurzer Blick, und aufkommender Ärger über die wahrscheinliche Serienversion, treiben mich in die Halle der Tuner.

Entrüstet am Brabus-Stand

Dank Brabus-VIP-Karte betrete ich hinter der Absperrung den Stand und verlasse ihn sogleich wieder - "Nein, entschuldigen Sie bitte, in die Autos darf man nicht einsteigen." Pffft! Und Tschüss, ab zu Fiat: Ferraris und eine unerträgliche Hitze - ich bin wahrhaft in Italien gelandet. Ich glotze solange bis mir der Schweiß die Schläfen runterperlt und ziehe weiter nach Frankreich.

Das Interieur des Tubik hätte ich gerne aus der Nähe betrachtet, aber die Tür ist defekt und bleibt geschlossen. Ich ziehe enttäuscht weiter zu Peugeot. Der HX1 päppelt mich wieder auf. Die Studie beeindruckt mich live noch mehr als auf Fotos. Sie ist wunderschön und die Idee mit der zweiten Sitzreihe, die in der ersten verschwinden kann, finde ich genial. Kollege Rose stört meine Andacht und zieht mich gewaltsam weiter: "Wir waren noch nicht bei BMW, los auf geht’s!". Wie im Flug werde ich durch die Halle gezogen und erkenne nur noch schemenhaft eine Toyota-Diskokugel, an deren Heck ein DJ auflegt und ein Junge vor der Handykamera seiner Eltern tanzt.

Leinen los in der BMW-Halle

In Halle elf werde ich wieder von der Leine gelassen. Der Auslauf währt nicht lange, schon klebe ich hinter der Absperrung des i8. Von Fotos ist der Funke bisher nicht auf mich übergesprungen, aber jetzt hat es mich erwischt. Damit ich weitergehe reicht dieses Mal aber ein sanfter Ruck an der Leine. Gegen frische Luft habe ich jetzt nichts einzuwenden.

Draußen angekommen entdecken wir eine Kirche aus Holz und Plexiglas. Ich betrete sie neugierig und bin überrascht, wie gut die Geräuschkulisse der Umgebung ausgeblendet wird. Außerdem riecht es gut nach frischem Holz. Zum Glück wird auf der Messe keine Messe gelesen. Ich setze mich auf einen Hocker und merke, wie erschöpft ich bin. Nach acht Stunden Messe braucht es nun keine Leine mehr, um mich in Richtung Parkhaus zu zerren.

Wir kommen noch einmal an den Polizeibussen vorbei, ein Beamter schließt mit zusammengekniffenen Augen vielsagend die Fahrertür. Ich nehme es ihm nicht übel, dazu bin ich zu müde.

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