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Meine erste IAA

Unzählige Autos und Angela Merkel

Foto: Tobias Grüner 31 Bilder

Die Vorfreude soll ja bekanntlich die schönste Freude sein. Mein erster Besuch auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt widerlegt jedoch dieses Sprichwort. Denn direkt vor Ort auf der Messe sein zu können, übertraf jegliche Vorstellung.

14.09.2013 Andreas Haupt

Nun ist es soweit: Die graue Tür hinter mir schließt sich und sperrt das etwas grelle Tageslicht aus. Auf einem riesigen Bildschirm erscheint Heikki Kovalainen in seinem Renault R27 aus dem Jahr 2007. Der Finne fährt gerade mit leicht stotterndem Motor aus der Box heraus. Während er die Boxengasse hinunter tuckert, erklärt eine kindlich klingende Computerstimme, dass sich oberhalb der fünf Sitzreihen ein rotleuchtender Stoppschalter befindet. Für diejenigen, denen es doch zu schnell werden sollte. "Hoffentlich drückt keiner meiner fünf Mitfahrer drauf!"

Pistolenkugel auf Hydraulikstelzen

Los geht es auf die Rennstrecke in Barcelona: Kovalainen beschleunigt und mich drückt es in den schwarzen Ledersitz hinein. Nach fünf Sekunden kommt es zum ersten harten Bremsmanöver. Mein Oberkörper wird umgehend nach vorne geschleudert. Von außen betrachtet, sieht der Renault-F1-Simulator aus wie eine überdimensionierte Pistolenkugel auf ein Meter hohen Hydraulikstelzen. Ich sitze mitten in dieser Kugel und mein Körper spuckt sekündlich Glückshormone aus. Nach etwa fünf Minuten ist die wilde Fahrt zu Ende. Sie war mein großes Highlight an einem Tag bestückt voller selbiger.

Mein erster Tag auf der IAA beginnt im Untergeschoss von Halle drei. In meiner Brust verspüre ich ein angenehmes Kribbeln. Doch so recht weiß ich noch nicht, wohin mit mir. Überall Autos, überall Menschen. An allen Ecken wird getuschelt und gemurmelt. Von der Decke strahlen helle Lichter dunkelschwarzer Scheinwerfer auf die ausgestellten Fahrzeuge. An den Wänden befinden sich große Leinwände. Sie zeigen die Videos der Hersteller. Und dann wären da noch zwölf Polizisten samt Schäferhund. Ich halte Ausschau nach Angela Merkel, deren Besuch für den Donnerstag angekündigt worden war. Doch anstelle der Bundeskanzlerin erblicke ich links von mir den Lamborghini Gallardo LP 570-4 Super Trofeo. Ich erwidere seinen Blick und meine Mundwinkel schieben sich gen Decke. Nun fühle ich, dass ich auf der der IAA in Frankfurt angekommen bin.

Überschlag gegen die Müdigkeit

Jedoch fehlt noch etwas, um meine Müdigkeit zu bekämpfen. Immerhin stehe ich bereits seit 4:30 Uhr auf den Beinen. Im ersten Stock gibt es eine gute Attraktion, um richtig wach zu werden. Dort hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ein Fahrgerüst aufgebaut, in dem man einen Überschlag simulieren kann. Ich greife in meine Hosentaschen, krame meine Wertgegenstände heraus und verstaue sie in meiner Tasche. Über drei Stufen steige ich gemeinsam mit meinem Kollegen Roman Domes ein. Wir werden von Klaus-Dieter Beppler vom DRK festgeschnallt. Langsam drehen wir uns auf den Kopf. Plötzlich wird es mir ganz heiß vom Brustkorb aufwärts, und meine Augen beginnen zu tränen. Insgesamt machen wir drei Überschläge – jetzt bin ich wach.

Der nächste Halt ist die Audi-Präsentationshalle. Gleich rechts neben dem Eingang steht der Audi R18 e-tron quattro – ein wahres Renngeschoss. In der Halle tummeln sich hunderte Menschen. Einige von ihnen sitzen Probe auf dem Fahrersitz und im Fond der Autos, andere öffnen die Kofferraumdeckel, um einen kurzen Blick zu erhaschen. Sich selbst in eines der Fahrzeuge zu setzen, wäre aufgrund des Andrangs zu nervenzerrend. Also geht es weiter zu Mercedes.

Vorbei an zahlreichen Smart-Modellen betrete ich Halle zwei. Mit der Rolltreppe geht es nach oben. Auf einer U-förmig angeordneten Plattform steht ein Mercedes-Fahrzeug neben dem nächsten. Als ich auf den neuen GLA zulaufen will, geht ein Raunen durch die domartige Halle und die Besucher auf der oberen Ebene stürmen an die Balustrade. Sie blicken nach unten. Der Grund: Kanzlerin Merkel hat soeben die Bühne betreten. Was dort unten gesprochen wird, kann ich von hier oben aus nicht verstehen.

Nach einem etwa zehnminütigem Blitzlichtgewitter legt sich die Aufregung wieder. "Was wollte ich denn eigentlich machen? Ach ja, im neuen GLA Probe sitzen." Mittlerweile hat es sich jedoch ein Mann bequem gemacht. Er richtet den Sitz ein und misst mit einem blauen Maßband die Breite des Lenkrades ab. Außerdem inspiziert er mit aufgerissenen Augen das Armaturenbrett. Nach gefühlten zehn Minuten des Wartens bin ich endlich an der Reihe. Im Innenraum bestätigt sich der äußere Eindruck: Dieser Kompakt-SUV wird die Konkurrenz kräftig aufmischen. Zum Abschluss meines Besuches bei Mercedes schieße ich ein paar Fotos vom aktuellen F1-Renner W04, bevor ich mein Gesäß im SLS AMG Coupé Black Series platziere. Ein Traumauto mit Engelsflügeln

Rot vor Augen

Gestärkt vom Mittagessen betrete ich Halle sechs. Darauf habe ich mich gefreut, seit mir an meinem ersten Arbeitstag mitgeteilt worden war, dass ich auf die IAA fahren darf. Mir wird rot vor Augen: Mythos Ferrari. Der 458 Speciale dreht sich auf einer weißen Plattform, die von glänzend roten Fliesen umrandet wird. Dahinter sehe ich den aktuellen Formel-1-Bolliden aus Maranello – den F138. Alonsos Dienstfahrzeug will ich unbedingt aus der Nähe betrachten.

Hinter einem Absperrband steht ein Mann mit verschlossenen Armen. Sein Namensschild verrät mir, dass er Stephan heißt. Ob das sein Vor- oder Nachname ist, erschließt sich mir nicht. Stephan jedenfalls lässt mich nicht rein. Man müsse den deutschen Pressesprecher von Ferrari kennen, verrät er. Mein Kollege und Formel 1-Experte Tobias Grüner sagt: "Ich kenne Alonso, Massa und Räikkönen, aber leider nicht den Pressesprecher." Auf die Enttäuschung folgt schnell der Trost. Ein paar Ecken weiter befindet sich ein anderer Ferrari-Renner – kein Absperrband weit und breit. Neben der roten Göttin steht ein Security-Guard mit ziemlich breiten Schultern. "Darf ich da mal reinschauen", fragt ein Besucher. "Aber nur reinschauen", erwidert der Security-Guard mit mürrischer Stimme. "Darf ich wenigstens einsteigen?", schießt es mir durch den Kopf.

Formel-1-Autos an der Wand

In Halle acht vergesse ich meine müden Beine für einen Augenblick. An der Decke hängen luftballonartige Lampen in grün und pink. "Ist heute etwa mein Geburtstag?", frage ich mich, als ich die an der Wand hängenden Formel-1-Autos von Red Bull, Renault, Williams und Caterham sehe. Ebenso hat Renault seine F1-Motoren der letzten drei Jahrzehnte ausgestellt. Statt Rockmusik aus den Lautsprechern, höre ich nur noch den brüllenden Sound des V6 Turbo, des V8 und V10. Ein innerlicher Vorgeschmack auf die später folgende Simulatorarbeit.

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