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Kommentar von Marcus Schurig

Haben Hybridautos Zukunft im GT-Sport?

Marcus Schurig, Audi R18 TDI Foto: Audi 26 Bilder

Marcus Schurig über die komplexe und langwierige Neuordnung des GT-Sports für 2016 und die neu aufflammende Diskussion, ob Hybrid-GT-Sportwagen jetzt doch Teil dieser Neuordnung sein sollten.

23.10.2013 Marcus Schurig Powered by

Porsche hat mit dem Nordschleifen-Rundenrekord des 918 Spyder jetzt unter Beweis gestellt, dass Sportwagen mit Hybridtechnik extrem schnell sind, schneller sogar als klassische Supersportler ohne Hybrid. "Der Porsche Carrera GT war sozusagen der letzte analoge Supersportwagen, mit dem 918 Spyder und Hybridtechnik bricht die digitale Ära an“, sagte ein Porsche-Ingenieur bei den Rekordfahrten am Nürburgring.

Was bedeutet das für den Sportwagensport?

Muss jetzt hier ebenfalls aktiv eine Zeitenwende eingeläutet werden? Die Weltmotorsportbehörde FIA, die zusammen mit dem Le-Mans-Veranstalter ACO und 16 im GT-Sport vertretenen Automobilherstellern zurzeit über eine Neuordnung des GT-Sports für die Saison 2016 verhandelt, steht auf dem Standpunkt, dass Sprit sparende und emissionsarme Technologien in allen Sparten des Motorsports eingeführt werden müssen, und zwar flächendeckend und zeitnah.

In der Formel 1 und im LMP1-Prototypensport beginnt diese neue Zeitrechnung schon 2014, sukzessive sollen andere Klassen folgen. Andernfalls, so orakelt die FIA, könnte die Politik dem Motorsport aus Gründen des Umweltschutzes schon in naher Zukunft den Garaus machen.

Hybrid-Sportwagen sorgen für eine komplizierte Neuordnung im GT-Sport

Damit kreuzen sich zwei Handlungsstränge: Auf der einen Seite sollen die Kosten im GT-Sport unter Kontrolle gebracht werden, indem die zukünftigen Fahrzeuge für Kundensport und Werksrennsport auf der gleichen, modularen Plattform aufbauen. Die GT-Topklasse soll in Le Mans fahren, das Reglement wird schriftlich fixiert, wodurch der Schabernack der Werkseinsätze unter nachvollziehbaren Bedingungen stattfindet.

Die GT-Basisklasse soll den Privatfahrern vorbehalten sein, am besten mit einer Preisdeckelung. Auf der anderen Seite steht das Thema Hybridtechnik in GT-Autos auf der Agenda, und die FIA möchte den Rundumschlag nutzen, um hier Fortschritte zu erzielen. Dagegen spricht aber eine lange Reihe guter Gründe.

Porsche 911 GT3 R Hybrid beim 24h-Rennen am Nürburgring

Da sind zuerst einmal die Kosten. Porsche hat einst den Vorreiter gespielt, mit dem Porsche 911 GT3 R Hybrid, der zwei Mal beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring antrat. Letztlich war das Auto ein Flop, denn es passte in kein Reglement, weil es seiner Zeit voraus war. Man konnte sich nur selbst schlagen, was Porsche tat, weil das Auto beim wichtigsten Rennen am Nürburgring zwei Mal in Folge ausfiel. In der Summe hat das Hybrid-Programm angeblich 15 Millionen Euro verschlungen. Nun war der GT3 R Hybrid ein Prototyp.

Aber was, wenn man Hybridtechnik für jene Autos zulässt, die im Straßenmodell serienmäßig über Energierückgewinnung verfügen? Dann könnte man den Hybrid-Plunder ganz einfach als Teil der Homologation betrachten. Das ist aber leider Blödsinn, denn momentan verfügen nur die Leuchtturmprojekte von Porsche, Ferrari und McLaren über Hybridtechnik. Diese Autos kosten schon im Stand eine Million Euro. Wie teuer soll dann bloß das Rennauto werden?

Hybrid käme viel zu teuer

Man kann es drehen und wenden, wie man will: GT-Sport ist Produktionswagensport. So lange die Basis-Sportwagen serienmäßig kein Hybridsystem haben, macht ein Einsatz im GT-Sport null Sinn. Die Kosteneskalation durch den Hybrideinsatz und die gestiegenen Sicherheitsanfoderungen würden den GT-Rennsport vermutlich killen.

Dazu müsste wohl auch Allradantrieb erlaubt werden, und die "analogen“ GT-Autos ohne Hybrid sollen ja auch weiterfahren. Ergo müsste man Hybrid-GT gegen Nicht-Hybrid-GT über Balance of Performance angleichen. Fazit: Mit der Zulassung von Hybridautos im GT-Sport wäre nichts gewonnen – aber fast alles verloren.

Ihre Meinung ist gefragt

Soll der GT-Sport für den Einsatz von Hybridtechnik in Zukunft geöffnet werden? Oder wäre das nur ein teurer Irrweg der Regelbehörden?

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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