Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mercedes 300 SLR vs. Maserati 300 S vs. Jaguar D-Type

Sportwagen-Duell auf dem Nürburgring

Drei Rennwagen Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Auf dem Nürburgring fuhren sie nie gegeneinander - das machte erst Motor Klassik möglich. Das Eifelrennen 1953 gewann zwar der 300 SLR - doch Jaguar und Maserati war nicht am Start.

14.07.2009 Mike Riedner Powered by

Und als ein Jahr später der 300 S den D-Type schlagen konnte, hatte sich Mercedes schon zurückgezogen. Trotzdem war es wohl der größte Sieg in der Karriere des Renners aus Modena. Der D-Type war für eine andere Bühne gebaut: Er sollte in Le Mans siegen - war er auch schaffte: dreimal hintereinander in den Jahren 1955 bis 1957 in Folge.

Regeln gab es so gut wie keine - die Konstrukteure hatten freie Hand. Mitte der 50er Jahre gaben Sportwagen-Rennen emsigen Ingenieuren weit mehr Gelegenheit, ihre Vielseitigkeit zu beweisen, als die Formel 1 mit ihrem doch recht eng gefassten Reglement.Der Hubraum der Motoren beispielsweise war freigestellt - Ferrari baute bald Aggregate in seine Rennsportwagen ein, die weit mehr Leistung hatten, als die Triebwerke der Modeneser für die Formel 1. Sportwagen zogen damals Hersteller wie Zuschauer gleichermaßen in ihren Bann - ab 1953 gab es für sie eine Weltmeisterschaft der Marken.

Jaguar D-Type, Maserati 300 Sund Mercedes 300 SLR treffen sich auf dem Nürburgring

Besonders Italien, Austragungsland der berühmten Mille Miglia und der Targa Florio sowie Ursprung der großen Sportwagenhersteller Ferrari und Maserati in Modena und Lancia in Turin, gab den Sportwagen-Rennen immer wieder neue Impulse. Drei Vertreter jeder großer Zeit der Rennsportwagen trafen sich 1986 für eine Motor-Klassik-Termin auf der Nordschleife des Nürburgrings: Jaguar D-Type in standesgemäßen British racing green, Maserati 300 S im italienischen Rennrot und Mercedes 300 SLR, natürlich silbern lackiert - drei Rennwagen, die, jeder für sich gegeneinander, eine Epoche mitprägten, große Siege einfuhren und (zumindest für zwei von ihnen trifft dies zu) auch in Tragödien verwickelt waren.

Der Fototermin begann morgens, acht Uhr. Die Eifel erwacht zu einem wunderbaren Sommertag. In den Tälern waberten noch die Frühnebel, doch die Sonne schien bald kräftig genug, die Schleier wegzusaugen. Und die drei Renner aus den großen 50er Jahren nahmen ihre erste Nordschleifen-Runde des Tages unter die Räder. Zuvor waren insgesamt 75 Liter Rennöl der feinsten Sorte auf Betriebstemperatur gebracht worden - 15 beim Maserati, 25 beim Jaguar und 35 beim Mercedes. Nun zeigten die Kontrollinstrumente in allen drei Cockpits beruhigende 80 Grad Celsius für das Öl an, und auch die Wasserkühler hatten sich warmgemacht. Unter den flachen Motorhauben regte sich fast lüstern Leben, die Auspuffe röhrten gemeinsam zum Angriff.

Durch die Hatzenbach ging es noch fast gemächlich, schneller dann schon über die Brücke und hinauf zum Flugplatz; auf der Qiddelbacher Höhe dann gemeinsames Singen im Vierten, schnell durch die Rechtskurve beim Schwedenkreuz und dann hinunter in den Schlund der Fuchsröhre, wo Herz und Magen stets im Wettkrampf liegen. Kurz hinter dem Adenauer Forst begann der Nebel, hier unten, vorbei an Breidscheid bis hoch zum Kesselchen, wollten die Wolken noch nicht Platz machen für uns. Die Nebel schluckten die Geräusche wie Watte, langsam tasteten wir uns vorwärts. Und während die Augen stierten, machten sich die Gedanken auf Entdeckungsreise, drehten wie eine Zeitmaschine das Datum gute 30 Jahre zurück und versuchten, die Nebel zwischen dem Heute und der Vergangenheit zu lichten.

Der D-Type bricht mit zahlreichen Konstruktionsmerkmalen seines Vorgängers

1954. In Coventry, jener Stadt, die durch die deutschen Bombenangriffe ein Jahrzehnt zuvor fast völlig zerstört worden war, regt sich wieder der technische Fortschrittsgeist. Symbol für den automobilistischen Erfolg und für den Tatendurst ist die springende Katze, das Firmenzeichen des Unternehmens William Lyons´. 1950 ist Jaguar zum ersten Mal in Le Mans angetreten, ein Jahr später wird ein XK 120 C (der bekannte C-Type) als Sieger abgewunken - Beginn einer langen Reihe großartiger Jaguar-Erfolge in Frankreich.
Als 1953 ein Doppelsieg in Le Mans gelingt, läuft in der Rennabteilung unter Lofty England bereits die Planung für den C-Nachfolger. Schon früh erhält das neue Jaguar-Modell die Bezeichnung D-Type, und dennoch handelt es sich keinesfalls um eine direkte Weiterentwicklung des zweimaligen Le Mans-Sieger: Der D-Type bricht mit zahlreichen Konstruktionsmerkmalen, die seinen Vorläufer auszeichneten.
 
Der wichtigste Unterschied liegt darin, dass der neue Wettbewerbswagen von Jaguar nicht mehr über ein separates Chassis und eine daraufgesetzte Karosserie verfügt. Vielmehr weist er eine selbsttragende Karosserie auf. Längs durch die Mitte des D-Type verläuft ein ovaler Träger, an den die Aluminiumbleche der Karosserie genietet sind. Zur Versteifung des ganzen sind profilierte Stahlbleche eingesetzt. Dieses Bauteil bildet die Zentralstruktur, den Mittelteil des D-Type.

An den Monocoqe-artigen Mitteltel wurde nun vorne ein Rohrrahmen angeschweißt, der den Motor und die Radaufhängungen aufnahm. Später wurde dieser Rohrrahmen dann nicht mehr verschweißt, sondern angeschraubt, weil sich Montagearbeiten schon nach einer nur leichten Beschädigung der Frontpartie als zu zeitraubend und umständlich erwiesen hatten. Das Heck mit Hinterachse, Benzintank und Reserverad ist an das Mittelteil gleichfalls angeschraubt. Der D-Type kann also binnen kurzem in drei Hauptteile zerlegt werden, was eine sehr gute Zugänglichkeit der einzelnen Aggregate sichert.
Die vorderen Radaufhängungen entsprechen dem C-Type: Dreiecks-Querlenker oben und unten, Drehstabfedern. Auch die Zahnstangenlenkung con Alford ist aus dem Vorgängermodell und dem XK 140 bekonnt.

Hinten kommt eine starre Salisbury-Achse zm Einsatz, die durch eine kräftige Schwinge mit dem quer unter dem Fahrzeug angebrachten Drehstabfedern verbunden ist. Ein zusätzlicher Längsträger bildet mit der Schwinge ein Parallelogramm, die Hinterachse wird durch geneigt eingebaute Newton-Teleskopstoßdämpfer gedämpft. Der D-Type verfügt über Dunlop-Scheibenbremsen. Vorne sind pro Rad der Bremssättel mit den dazu notwendigen sechs Radbremszylinder und Belägen montiert. Er rollt auf Scheibenrädern von Dunlop mit je 15 großen und kleineren Löchern zur Verbesserung der Bremskühlung.

Der Jaguar D-Type leistet 250 PS

Und das Kernstück eines Rennwagens, der Motor? Der barg zunächst nichts sensationell Neuer: Es war zunächst wieder der frisierte, langhubige Serienmotor der XK-Baureihe mit 83 mm Bohrung und 106 mm Hub (Gesamthubraum 3.442 cm3). Allerdings verfügt er übereinen speziell bearbeiteten Zylinderkopf, große Einlassventile ( Ø 47,6 mm), optimierte Nockenprofile - eher bescheidene 250 PS ließen sich so erzielen. Kurzzeitig wären sicher mehr PS möglich gewesen, dann aber nur auf Kosten der Standfestigkeit - und schließlich wollte Jaguar in Le Mans gewinnen. Neu war für die 54er-Version des D-Type nur die Trockensumpfschmierung, die es ermöglichte, auf die Ölwanne unter dem Motor zu verzichten und diesen einige Zentimeter tiefer einzubauen.

Umfrage
Welche Jubiläumsgeschichte gefällt Ihnen am besten?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Gebrauchtwagen Angebote