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Mercedes-Ausstattungsvielfalt

Mercedes mit allem!

Mercedes-Ausstattungsvielfalt, Mercedes 560 SEL, Frontansicht Foto: Hardy Mutschler 31 Bilder

Stern-Fetischisten tauchen gerne tief in den Mikrokosmos der Extras, Farb- und Polstercodes ein. Hit im Club wäre ein 380 SEL in 482 Apricotorange mit Velours Siennarot 937. Noch Fragen?

10.09.2013 Alf Cremers Powered by

Zur Mercedes S-Klasse gehört seit jeher die Opulenz. Sie drückt sich naturgemäß in Zylinderzahl, Hubraum und Wagengröße aus, aber ganz besonders in der Fülle der lieferbaren Sonderausstattungen, Farb- und Polsterkombinationen. Leicht lässt sich der Listenpreis einer S-Klasse verdoppeln, wenn man aus den 30-seitigen unscheinbaren Heftchen nur fleißig genug bestellt. Manches ist richtig teuer, die Becker Autotelefone für den 108er etwa, die Klimaautomatik für den 116er oder Coupé-Sitzanlage und hydropneumatische Federung für die langen 126er mit V8-Motor.

Mimosengelb, Citrusgrün oder Inkarot

Die "Preisliste Personenwagen und Sonderausstattungen" genießt bei Fans längst Kultstatus, ebenso beliebt sind die Prospekte über Polsterungen und Lackierungen. Letztgenannte verzücken mit authentisch auflackierten Farbsegmenten, am liebsten grellbunt aus den Siebzigern oder den frühen Achzigern mit Farben wie Mimosengelb, Citrusgrün oder Inkarot. Die Vielzahl der noch erhaltenen S-Klasse-Mercedes gerade der jüngeren Baureihen W 116 und W 126 führt bei den Hardcore Mercedes-Freaks zu geradezu obsessiven Wunschvorstellungen in puncto Lack, Leder und Lametta. Denn sie haben die Wahl.

Irgendwann taucht er auf, der radikalindividualistische 280 S in fiesem Kaledoniengrün, also Nichtmetallic, mit MB-Tex Bambus, sprich unbeliebtem Kunstleder, Lenkradautomatik, Scheinwerferwischeranlage und getönter Verbundglasheckscheibe.

Übersetzt in die einschlägigen DB-Codeziffern, die manche sogar auswendig lernen, heißt dies: W 116 V28, 867, 104, 421, 600 und 590. Die Mercedes-Ausstattungsfetischisten neigen heute zum Umkehrschluss. Beliebte, gemeinhin als attraktiv empfundene Allerweltsautos in Astralsilber mit Verlours blau, womöglich noch als Massenmodell 280 SE mit elektrischem Schiebedach, Automatik und Fuchs-Barockfelgen, haben bei ihnen keine Chance.

Mehr als 20 Ziffern machen den Ausstattungsfetischisten nervös

Lieber restaurieren Sie aufwendig einen 350 SEL in 470 Coloradobeige mit Velours Moos 106, Tempomat 440 (obwohl der nie funktioniert) und längst verstummtem C-Netz-Telefon TeKaDe BSA 31 S, ach ja: Code 263. Der Sechsneuner ist natürlich das Goldene Kalb der Ausstattungs-Anbeter. Den aber bitte gern in Englischrot 504 mit Leder Tabak 203, rechtem Außenspiegel 502, mit Feuerlöscher montiert 682, Fanfare Zweiklang 452 und Hecklautsprecher Stereo 812. Unfassbar, dass diese Kleinigkeiten bei dem 78.960 Mark teuren Topmodell noch Aufpreis kosteten.

Neben seltenen Kombinationen, pastelligen Fehlfarben und sprödem MB-Tex bringen der Ausstattungsfetischisten vor allem vollgeschriebene Fahrzeugdatenkarten aus der Fassung. Diese länglichen, blau bedruckten Zettel sind die Geburtsurkunde des Mercedes. Unten stehen die Sonderausstattungen. Bei mehr als zwanzig Ziffern wird der Ausstattungsfetischist nervös.

Und er dreht durch, wenn er unter der Rubrik "Selten gewünscht" noch ein paar versprengte Zahlen findet. Zustand und Kilometerleistungen haben dann weit weniger Bedeutung als Reiserechner 245, Standheizung 228 und Rollo, elektrisch, für Heckfenster 540. Nicht fahrbereit? Kein Problem, Pajettrot 587 und Velours creme 955 sind doch viel wichtiger als eine funktionierende KE-Jetronic. Dann wird selbst für einen 260 SE der Trailer angespannt und notfalls bis nach Bad Reichenhall oder Süderlügum gefahren. "Was, ein ehemaliges Botschafterauto mit Standartenhalter und Gardinen, 328.000 Kilometer? Springt nicht an? Kein Problem, ich komme morgen mittag, ohne zu handeln."

Ausstattungswunder gibt es immer wieder

Sobald er die Beute vom Trailer gezerrt hat, wirft der Ausstattungsfetischist den Taschenrechner an und zieht die Preisliste Nr. 50 vom 11. September ’87 aus dem Regal. Er lächelt erst zufrieden, wenn die 27 Extras zwei Drittel des Listenpreises einspielen, dann nennt er ein sogenanntes Ausstattungswunder sein Eigen. Dieses gilt als Orden, damit kann man beim Clubtreffen renommieren, plus Fehlfarbe und kurioser Kombi wird er zum Joker, der alle sticht.

Und die Kameraden mit den arcticweißen (147) Dreihunderten (W 126 E 30) in Stoff blau (052) und Buchhalterausstattung (420, 412 und 835), schauen trotz Jahreswagenzustand in die Röhre. Der 126er betrieb den Ausstattungskult exzessiv, man konnte sogar eine Kühlbox im Kofferraum ordern 300, eine elektrische einstellbare Lenksäule 441 und Fußstützen im Fond à la Rolls-Royce, Code 226, für bescheidene 125,40 Mark.

Die geschickte und lohnende Maßanfertigung eines Großserienmodells hat bei der S-Klasse Tradition. Schon die noch unnummerierte Preisliste für einen 250 SE W 108 vom November 1967 kannte mannigfache Koffersätze, vier einzeln zu ordernde Kopfstützen, ein elektrisches Schiebedach, pneumatische Zentralverriegelung, Sperrdifferenzial, wärmedämmendes Glas in Grün und eine Klimaanlage.

Gibt es auch etwas, das den Ausstattungsfetischisten abtörnt? Aber ja, Code 428 – mechanisches Fünfganggetriebe. Eine S-Klasse muss Automatik haben, da sind sich alle Obsessiven einig.

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