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Mercedes-Benz 190 SL Restaurierung

Erst Rostlaube, dann Traumauto

Mercedes-Benz 190 SL, Seitenansicht Foto: Fact 13 Bilder

Durch Zufall konnte Hans Kindermann relativ günstig einen restaurierungsbedürftigen Mercedes-Benz 190 SL erwerben. Er zögerte nicht lange, kaufte und restaurierte.

07.02.2015 Bernd Woytal Powered by

Now or never: Vor 5 Jahren kaufte Hans Kindermann einen Mercedes-Benz 190 SL und erfüllte sich damit einen Traum. Damals bot sich ihm die Chance, eines dieser schicken Cabrios günstig zu bekommen, und das wollte sich der in Sandersdorf bei Halle geborene Fahrzeuglackierer- und Karosseriebaumeister nicht entgehen lassen.

Zuvor hatte ihn der in Berlin ansässige Besitzer eines Mercedes 190 SL gefragt, ob er nicht seinen Wagen restaurieren wolle. Doch es kam erst gar nicht zu einem Kostenvoranschlag. "Der Mann war Rentner, weit über 70 und sehr oft für längere Zeit verreist", erinnert sich Kindermann. Und nach einer dieser Reisen entschloss sich der Herr, den Wagen doch besser zu verkaufen.

Über die Geschichte dieses 1962 gebauten Mercedes 190 SL ist wenig bekannt. Der Rentner besaß ihn schon seit gut 30 Jahren und hatte damit bereits vor dem Mauerfall Verwandte in Ostdeutschland besucht, weshalb er auch Kindermanns Werkstatt kannte. Offenbar hatte er stets in Erhaltungsreparaturen investiert, sprich, es waren etliche Bleche eingeschweißt worden, um Roststellen zu beseitigen, aber das hatte nicht im Entferntesten mit Restaurieren zu tun.

Nur repariert statt restauriert

Die Mercedes 190-SL-Karosserien waren leider sehr rostanfällig, nicht zuletzt durch die mangelhaften Korrosionsschutzmaßnahmen in dieser Zeit. Kein Wunder, dass Kindermann auf viele Spuren zurückliegender Reparaturen stieß. Zuerst zerlegte er aber das Fahrzeug komplett, bis nur noch die Karosse übrig blieb. Diese wurde dann entlackt, wobei diverse alte Lackschichten zum Vorschein kamen, und entrostet.

Großes Glück hatte Kindermann, dass der Vorbesitzer in den vergangenen Jahren bereits etliche Blechteile für die Restaurierung seines Autos gesammelt hatte, die er mit dem Mercedes 190 SL zusammen abgab. Dabei handelte es sich um Originalteile, sodass es keinen Ärger mit schlecht passenden Nachfertigungen gab.

Umfangreiche Blecharbeiten an der SL-Karosserie

Die Blecharbeiten nahmen sehr viel Zeit in Anspruch, denn es mussten die Front, das Heck, die vier Kotflügel, die übrigens alle angeschweißt sind, der Boden und einige Verstärkungsträger der Bodenpartie sowie der Kofferraumboden erneuert werden. Damit sich die Karosse des Mercedes 190 SL dabei nicht verzog und nachher die Spaltmaße nicht mehr stimmten, fixierte Kindermann sie auf einem Gestell. "Wir haben auch nicht alle maroden Teile auf einmal herausgetrennt, sondern sind Schritt für Schritt vorgegangen, haben also, wenn möglich, ein neues Teil eingesetzt, bevor wir ein anderes herausschnitten."

Mit wir meint Kindermann seinen Sohn Stefan und sich. Auch der ist gelernter Karosseriebauer und Lackierer, und wenn beide nach Feierabend gleichzeitig am Mercedes 190 SL arbeiteten, kam es schon mal zu der einen oder anderen Diskussion.

Viel Erfahrung vorhanden

Bei solchen Restaurierungen fließt viel Erfahrung ein, Dinge, die nicht in Lehrbüchern stehen. "Da kann selbst entscheidend sein, in welche Richtung man schweißt, weil es dabei zu Verzugserscheinungen kommt, und jede Karosserie verhält sich anders", erklärt Kindermann. Aber er zeigt sich auch offen für Verbesserungsvorschläge seines Sohns: "Denn nicht jeder Handgriff, den man seit 30 Jahren immer gleich macht, muss der Weisheit letzter Schluss ein."

Profitieren konnten beide außerdem von den Erfahrungen, die sie bei den bisherigen Restaurierungen von einigen Mercedes 190 SL für Kunden gesammelt haben. Die Türen und Hauben mit Häuten aus Alu mussten sie nicht erneuern. Allerdings haben sie die Falze am Rand aufgebördelt und den Rost darunter beseitigt.

Das Endergebnis sollte 1a werden, also wurde nichts dem Zufall überlassen. Da an allen Mercedes 190 SL die Türen oder die Anbauteile nicht ohne Weiteres untereinander austauschbar sind, war es für Kindermann selbstverständlich, dass er nicht mehr zu rettende Teile wie den Frontgrill und die Stoßstangen zunächst als Rohteil erwarb, um sie an der fertiggestellten, aber noch unlackierten Karosse anpassen zu können.

190 SL-Lackierung in DB172-Anthrazit

Erst dann brachte er die Anbauteile zum Verchromen und begann, die Karosse zu lackieren. Als Farbe wählte er für seinen Mercedes 190 SL allerdings nicht den Originalton, sondern das auf spezielle Anfrage erhältliche Anthrazit DB172, das ihm besonders gut in Kombination mit einer roten Innenausstattung gefällt.

Innen wurde der Mercedes 190 SL komplett renoviert. Lediglich die Sitzgestelle blieben erhalten, wurden entrostet und lackiert. Ein Sattler übernahm das Polstern, das Beziehen der Sitze und der Verkleidungen sowie das Erneuern des Verdecks.

"Wenn sie nicht gerade kürzlich überholt wurden, gebe ich auch grundsätzlich alle Instrumente zur Prüfung und Revision an einen Spezialisten", erläutert Kindermann, denn nach Abschluss der Arbeiten soll der Mercedes 190 SL störungsfrei laufen.

Sensible Vergaser wurden bei Vergaser-Bob überholt

Ebenso kompromisslos ging er bei der Restaurierung der Technik seines Mercedes 190 SL zu Werke. Der Vierzylindermotor wurde total zerlegt und mit vielen Neuteilen wieder aufgebaut. Die sensiblen Solex-Vergaser gab er in die geschulten Hände der Bob-Vergaser-Instandsetzung in Kassel. "Dennoch brauchte es später noch einiges an Zeit und Fingerspitzengefühl, bis die montierten Vergaser korrekt justiert und synchronisiert waren", sagt Kindermann.

Um das Getriebe des Mercedes 190 SL, dessen vierter Gang immer heraussprang, kümmerte er sich selbst. Er zerlegte es und suchte bei verschiedenen Anbietern die benötigten neuen Teile zusammen. Dass ihm dann einer einen rostigen, unbrauchbaren Synchronkörper lieferte und nicht mehr zurücknehmen wollte, muss er als teure Erfahrung verbuchen.

Überholung des Mercedes 190 SL-Fahrwerks verlangt Geschick

Bei den Arbeiten am Fahrwerk des Mercedes 190 SL gab es keine Katastrophen. Alle Verschleißteile wurden erneuert, wobei speziell die Vorderachse einiges an handwerklichem Geschick erfordert, weil dort zum Beispiel Achsschenkelbüchsen eingepresst und mit einer Reibahle aufgerieben werden müssen. Klar, dass auch alle verschlissenen Komponenten der Bremsanlage durch Neuteile ersetzt wurden. Der Bremskraftverstärker konnte aber überholt werden.

"Wir hatten jede Schraube mindestens einmal in der Hand, und da entsteht schon eine enge Beziehung zu einem Auto", gesteht Kindermann, der nach gut zwei Jahren Arbeit jeden Kilometer mit dem fertiggestellten Mercedes 190 SL genießt. Bei Ausfahrten muss er sich selten mit seinem Sohn absprechen, denn der schraubt lieber an Oldtimern, als sie zu fahren. Aber den spontanen Kauf haben beide nicht bereut.

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