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Mercedes-Benz 230 Cabrio

Die B-Probe

Foto: Hardy Mutschler 21 Bilder

Was tun, wenn die Pensionierung droht? Einfach ein Hobby suchen. Oldtimer zum Beispiel. Rudolf Bäumer entdeckte in einem sanierungsbedürftigen Vorkriegs-Mercedes-Benz 230 Cabriolet B (W 153) seinen Traum.

18.01.2008 Thomas Wirth Powered by

Rudolf Bäumer war 2003 sehr zuversichtlich. "Wenn der Wagen fertig ist", versprach er damals seinem 86-jährigen Onkel, "kommen wir dich in Osnabrück besuchen." Mit Wagen meinte er seinen Traum: ein Mercedes-Benz 230 Cabriolet B, gebaut 1939. Und 2003 noch ein Sanierungsfall.

Als der 230 kam, gab es kein Halten mehr

Ein Mercedes-Klassiker sollte die drohende Leere des Pensionärsdaseins füllen. Bäumer, heute 65 Jahre alt, trat in den Schweizer Mercedes-Veteranen-Club ein und begann mit der Suche. Der Tipp kam aus dem Club. Sektionsleiter Jacques Marmillod wusste von einem seltenen 230 Cabriolet B. Seit 1965 stand der Wagen in der Nähe von Zürich. Nur zwei Besitzer hatten ihn davor bewegt.

Als der 230 kam, gab es für Rudolf Bäumer kein Halten mehr. Warum noch zwei Jahre auf die Pensionierung warten? Er startete sofort durch. Mit rustikalen Methoden trennten er und Marmillod die Karosserie vom Chassis.

Rost fand sich auch nach sieben Jahrzehnten nicht

Bäumer ließ das seinerzeit moderne, aus Ovalrohren geschweißte X-Chassis sandstrahlen. Es blieb ohne Befund: Rost fand sich hier auch nach sieben Jahrzehnten nicht.

Der Fraß beschränkte sich auf Tür- und Kofferraumböden sowie die Unterseiten der Schweller. Und der Rest, die Bodenbleche etwa? "Nichts", sagt Bäumer, "hier musste nirgendwo geschweißt werden."

Auch das Interieur hätte Bäumer gern gerettet. Denn das lindgrüne Leder präsentierte sich in gutem Zustand, mit Ausnahme eines 40 Zentimeter breiten Streifens allerdings, der sich entlang der rechten Seitenwand zog. "Dieser Teil muss einst unter einem Dach herausgeragt haben", vermutet Bäumer, "ständig hat es hereingetropft."

Der Motor war verrostet und völlig festgegangen

Die Anfertigung des voluminösen Dachs bereitete dem Sattler keine Probleme. Glücklicherweise war das Gestänge komplett geblieben. Einfach war die Anfertigung einer neuen Nagelleiste aus Holz, während sich die Spannleiste komplizierter gab: Das Original bestand einst aus exakt angepassten Teilen, die mit Nut und Feder zusammengefügt waren.

Mit dem Mercedes hatte Rudolf Bäumer auch zwei Motoren übernommen, einen bereits sanierten und das Original, das von Beginn an den 230 antrieb. Bäumer reizten die korrespondierenden Nummern: Deswegen ließ er den Motor überholen, obwohl er verrostet und völlig festgegangen war.

"Er soff 30 Liter auf 100 Kilometer." Das lag jedoch am falschen Vergaser. Heute versorgt das korrekte, aber noch geliehene Solex-Doppelfallstrom-Exemplar den Sechszylinder mit Gemisch. Probleme bereitete auch der Zylinderkopf aus Alu-Guss, der an einer Stelle so porös geworden war, dass er Wasser spuckte.

Kosten- und Zeitplan wurden nicht eingehalten

Der Motorenbauer griff zur letzten Waffe und montierte mit Industriekleber ein Alu-Blech, das er zusätzlich mit Schrauben sicherte. Kaum zu glauben: Der Kopf ist dicht.

Nicht ganz eingehalten hat Bäumer seinen Kosten- und Zeitplan, das gibt er zu. Dennoch konnte er nach drei Jahren Restaurierung 2007 in seine erste Oldtimer-Saison starten. Es waren insgesamt 6.000 problemlose Kilometer. Sogar nach Osnabrück ist er mit seiner Frau inzwischen gefahren, über Landstraße. Dort begutachtete sein Onkel, inzwischen 90 Jahre alt, den restaurierten Mercedes. "Wieso machst du so etwas?", fragte er. Die Antwort kam schnell. Rudolf Bäumer: "Es macht Spaß."

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