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Mercedes-Benz 350SLC

Doppelt hält besser

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Die frühen SLC-Modelle sind verführerische Sirenen, die es faustdick unter dem Lack haben. Oft lassen sie sich erst beim zweiten Mal erobern.

01.06.2007 Alf Cremers Powered by

"Ganz auseinander hatte ich ihn nicht", gesteht Jürgen Kreuer - und blickt dabei sehr nachdenklich. Seine Stirn legt sich sorgenvoll in Falten. "Motor und Achsen sind dringeblieben, andererseits hatte ich das Drama zweimal." Mit entwaffnender Offenheit bekennt sich der pensionierte Unternehmensberater aus Wuppertal zur letztlich misslungenen ersten Restaurierung seines silbergrauen 72er SLC.

Zwei Restaurierungen in 13 Jahren

Sie taugte offenbar nur als bessere Reparatur mit einem Verfallsdatum von knapp drei TÜV-Intervallen. Kreuer hat Lehrgeld bezahlt, weil sich der durchaus schraubtalentierte DKW-Fan damals mit jüngeren selbsttragenden Klassikern wenig auskannte. Schon gar nicht mit kapriziösen Mercedes-Coupés. Weil es die Karosseriewerkstatt versäumte, den Mercedes 350 SLC nach dem offenbar zu zaghaften Ersatz maroder Bleche dauerhaft zu konservieren, gab es nach sechs Jahren ein Da Capo.

Jürgen Kreuer kaufte das elegante Achtzylinder-Coupé 1994 für 13.500 Mark bei einem Mercedes-Vertragshändler im Nachbarort Haan. Einige Zeit bewährte sich das Auto als zuverlässiger Daily Driver. Doch plötzlich markierten handtellergroße Öllachen das neue Revier des SLC und verhießen nichts Gutes. Motor und Getriebe mussten raus und neu abgedichtet werden, vor allem die Wellendichtringe tropften heftig.

Die Reparatur kostete stolze 2.000 Mark. Das bestärkte Kreuer in dem eisernen Entschluss, die Aggregate künftig drinzulassen, komme, was da wolle. Es kam mehr, als ihm lieb war - und es begann mit scheinbar harmloser Kosmetik. Der Fahrersitz war durchgesessen, sein edler Veloursbezug an der Sitzwange aufgescheuert, und die einst tiefblauen Teppiche wirkten grau und unansehnlich. Allein die Fahrersitzrevision verschlang 1.200 Mark.

Restaurierung Nummer eins

Bei einer gründlichen Handwäsche an einem strahlenden Spätsommertag entdeckte Jürgen Kreuer dann größeres Unheil. Fiese Lackbläschen hatten sich um Schiebedach und Heckfensterrahmen gebildet, auch am geriffelten Seitenblech blätterte am Übergang zu den Radläufen auf einmal der Lack ab. Eine partielle Neulackierung der waidwunden Stellen wurde rasch verworfen. "Pfusch, der gleich wieder hochkommt", beschied Kreuer lapidar.

Eine erste Obduktion ergab nach der Demontage der Leuchten, Stoßstangen und Zierleisten größere Spachtelmassen im Bereich der kritischen Riffelblechzone. Wie immer zeigt sich erst beim Zerlegen das wahre Ausmaß der Katastrophe. Das Angebot konnte nicht gehalten werden, die Werkstatt schweißte für weitere 2.000 Euro Reparaturbleche ein. Neu lackiert, in einfarbigem Silbergrau, noch ohne Fuchs-Räder, aber weiter mit Radlaufchrom stand der 350 SLC pünklich zur 98er Frühlingsausfahrt bereit.

Nach fünf Jahren zeigen sich die alten Wunden

Fünf Jahre und 30.000 Kilometer später tauchen die Rostblasen plötzlich wieder auf, einige sogar an den gleichen Stellen wie zuvor. Jürgen Kreuer ist fassungslos, aber nicht entmutigt. Nach eingehender Ursachenforschung, die nichts brachte außer Ärger, startet er zum zweiten Anlauf durch.

Diesmal hat er das Glück, im erfahrenen Kfz-Meister Heinrich Großjung einen Kenner der 107er-Baureihe anzutreffen, der auch noch ein virtuoser Karosseriekünstler ist. Großjung und seine Mitarbeiter packten es entschlossen an und zerlegten den 350 SLC an den neuralgischen Punkten.

Spritzwand reparieren ohne Motorenausbau

Sie schafften das Kunststück, die Durchrostungen an der Spritzwand ohne den Ausbau von Motor und Getriebe fachgerecht zu reparieren. Sie schweißten links und rechts neue Innen- und Außenschweller ein, nahmen sich der hinteren Radhäuser an und sanierten sie von Grund auf, erneuerten die Vorderkotflügel und ersetzten die darunterliegenden maroden Stehbleche mit Reparaturblechen.

Meist wurde stumpf auf Stoß geschweißt (nicht etwa gepunktet aufgebraten, was nur neue Rostfallen züchtet), und zum Schluss mit Fließfett versiegelt. Die Scheiben raus, Front- und Heckscheibe hatten milchige Ränder und wurden gleich erneuert, ab zum Lackierer. Der hatte gute Arbeit geleistet.

Silber steht dem Wagen ausgezeichnet, die barocken Fuchs-Räder passen prächtig zur einst umstrittenen Seitenfenster- Jalousie, deren raffiniertes Motiv sich an den Rillen der Wagenflanken widerspiegelt. Wenn Kreuer mal wieder für eine Aufnahme das Waldstück passiert, grummelt der Achtzylinder sonor vor sich hin und unterstreicht mit seinem angenehmen Klang die dezente Schönheit des Wagens.

Die Frontpartie lächelt einen förmlich an, inmitten der große Stern. "Der ist bei der ersten Serie noch massiv", sagt Kreuer fast ein wenig stolz.

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