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Mercedes-Benz 540 K Stromlinienwagen

Einzelstück wieder aufgebaut

Mercedes-Benz 540 K Stromlinienwagen Foto: Malte Jürgens 15 Bilder

Ein ganz besonderes Einzelstück wurde am Freitag (26.5.2014) im Untertürkheimer Windkanal der Öffentlichkeit vorgestellt: Der stromlinienförmige Mercedes-Benz 540 K.

23.05.2014 Malte Jürgens Powered by

Restaurierung des Mercedes-Benz 540 K Stromlinienwagens dauerte mehr als 2 Jahre

Das Modell wurde bei Daimler-Benz 1938 für das geplante Rennen Berlin-Rom gefertigt und vervollständigt nun wieder die Klassiker-Sammlung der ältesten Automobil-Fabrik der Welt.

Im Jahre 2011 entdeckten Mitarbeiter von Mercedes Classic Rahmen, Hinterachse und weitere Einzelteile des nie zum Einsatz gekommenen Unikats in den weitläufigen Lagern des Werks. Zweieinhalb Jahre dauerten die Restaurierung des Mercedes-Benz 540 K Stromlinienwagens beziehungsweise der Neubau von Teilen, die unwiederbringlich verloren gegangen waren.

535 Kilometer Vollgas

Das Rennen Berlin-Rom sollte 1938 überwiegend auf der neuen deutschen Autobahn ausgetragen werden, und zwar vom Start in der deutschen Hauptstadt weg zunächst auf der längsten und schnellsten Etappe zwischen der Raststelle Michendorf am Berliner Ring und dem Stadtrand von München. Auf diesen 535 Vollgas-Kilometern konnten die Rennwagen sogenannte Gut-Punkte sammeln: Grundlage war eine vorgegebene Durchschnittszeit, die zu unterschreiten war – pro gesparter Minute gab es einen Punkt.

Mercedes-Benz verwendete das Fahrgestell und den Reihen-Achtzylinder des Kompressor-Sportwagens 540 K, allerdings mit einer windschlüpfigen, in Sindelfingen gebauten Spezial-Karosserie aus Aluminium. Etwa vier Zentner leichter als der rund zweieinhalb Tonnen schwere 540 K, wurde der Rennwagen mit einem besonders lang übersetzten Hinterradantrieb versehen (2,9:1 statt 3,08). 

170 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit

Als Spitzengeschwindigkeit im Kompressor-Betrieb mit 180 PS wurden 185 km/h errechnet, wobei das gewaltige Stromlinien-Coupé dann ohne Kompressor mit 115 PS seine 165 bis 170 km/h als Dauergeschwindigkeit halten sollte.

Zu einem Start von Berlin nach Rom kam es allerdings nie: Das Rennen fiel 1938 wegen Annexion der Tschecheslowakei aus. 1939 durchkreuzte der Zweite Weltkrieg die Pläne für einen friedlichen Wettstreit auf der Straße. Später nutzte Dunlop den Stromform-Rennwagen zu Reifenversuchen.

Mercedes-Benz 540 K Stromlinienwagen mit einem cW-Wert von 0,36

In den 30er Jahren nie gemessen, erprobten nun die Windkanal-Spezialisten von Mercedes-Benz den wiederhergestellte Mercedes-Benz 540 K Stromlinienwagen im Windkanal: Statt einen cW-Wert von 0,66 wie das normale 540 K Coupé aufzuweisen, maßen die Kraftsensoren bei dem mit einem glatten Unterboden verkleideten Renn-Coupé einen cW-Wert von nur 0,36 – frappierend gering für die damalige Zeit.

Innen bot der Stromlinienwagen einen vergleichsweise hohen Komfort und rennwagenuntypische Bequemlichkeit: Max Sailer, einst Werksfahrer und seit 1935 das für den Rennwagenbau zuständige, stellvertretende Vorstandsmitglied, war stets überzeugt davon, dass auf Langstreckenrennen die Bequemlichkeit für die Fahrer nicht zu kurz kommen darf.

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