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Mercedes-Benz W124 auf dem Marktplatz

Das ist der beste 124er der Techno Classica

Der beste Mercedes W124 der Techno Classica Foto: Kai Klauder 48 Bilder

Wir suchen nach dem besten Mercedes W124 der Techno Classica - und das muss man in diesem Jahr sogar wörtlich nehmen, denn das Angebot ist ungewöhnlich mau. Wir haben dennoch ein paar Schmuckstücke gefunden.

16.04.2015 Kai Klauder Powered by

Klassiker mit Alltagsqualitäten

In den letzten Jahren gab es auf der Techno Classica immer eine große Auswahl von 124er-Mercedes, doch die Zeiten scheinen vorbei zu sein. Waren in den letzten Jahren die Freigelände zu rund 25 bis 30 % mit den verschiedenen 124ern belegt, scheint die Übermacht nun gebrochen - zumindest, was das Angebot betrifft.

"Die meisten sind eben schon in festen Händen, denn nun weiß auch wirklich der letzte, dass der W124 der letzte echte Mercedes war", meint Reinhold Schneider vom W124-Club, der in Halle 1 zu finden ist. Sein Club feiert in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag und gehört zu den von Mercedes-Benz Classic anerkannten Markenclubs. In Halle 1 haben sie sich um die Sonderschau zum Thema Aerodynamik aufgestellt und sind Anlaufstelle für alle Freunde der Marke mit dem Stern.

Der 124er befindet sich auf dem Weg zum Klassiker, der Übergang vom Alltagsauto über den Youngtimer-Status zum gesuchten Klassiker ging - und geht - fließend vonstatten. Durch die 4 verschiedenen Karosserieformen Limousine, T-Modell, Coupé und Cabrio gibt es für jeden Geschmack den passenden 124er. Zusätzlich findet man noch einige Sonderaufbauten wie den 6-Türer, Krankenwagen und Beststatter.

Re-Importe werden niedriger gehandelt

Wir entdecken als erstes ein 320-Cabrio mit 72.474 km auf der Uhr ist schon von weitem als US-Reimport zu erkennen - anhand der Blinkergläser und der kleineren Kennzeichenhalter. "Importe werden grundsätzlich niedriger gehandelt, als deutsche Autos", weiß Schneider. Vor allem aus den USA und Japan kommen derzeit W124 auf den Markt. "Dabei sind gerade die Japan-Importe fast immer top ausgestattet, top gepflegt und befinden sich in Topzustand - die sind in Japan eben Prestige-Autos, die vor allem zum Golfplatz gefahren werden. Da braucht man eher einen Betriebsstunden- als Kilometerzähler."

W124-Topmodell Mercedes 500 E

Aus Japan kommen derzeit vor allem auch einige E 500 und 500 E nach Deutschland zurück. Bei der Techno Classica gibt es einen 500 E von 1992 im Angebot. Der Wagen hat 114.000 km auf der Uhr und soll 29.000 Euro kosten. Der Preis ist hoch, aber angemessen. Der Mopf 1-500 E steht noch höher in der Gunst der 124er-Kenner. "Manche behaupten, dass nur die Mopf 1-500er bei Porsche gebaut, die Mopf 2 dagegen bei Mercedes endmontiert wurden. Zudem hat der Mopf 1-500 die besseren Bremsen", sagt Schneider. Und wo wir schon bei den Gerüchten sind: "Der Schrempp war ja ein Sparfuchs. Es heißt, dass er bei den Tauchbädern für die Grundierung der Karosserien die Wechselintervalle hochsetzen ließ. Die letzten Modelle, die dann in die Bäder tauchten, rosten schneller", meint Schneider.

Beliebter Sportline

Besonders beliebt sind auch die Sportline-124er, die schon äußerlich gut zu erkennen sind. Sie liegen 15 mm tiefer, haben serienmäßig breitere Felgen (7x15 statt 6,5x15) und Sportsitze an Bord. Ein solches Sportline-Cabrio steht auf dem Freigelände 4. Der Kennerblick von Schneider erkennt sofort, dass da etwas nicht stimmt. "Das ist kein deutsches Auto, denn der hat ein Handschuhfach - in Deutschland hatten die Cabrios serienmäßig einen Beifahrerairbag, und damit kein Handschuhfach." Und tatsächlich, der Wagen wurde nach Südfrankreich erstausgeliefert. Mit 111.000 km auf dem Tacho soll der gepflegte 300 13.800 Euro kosten. Knapp 2.000 Euro weniger wären marktgerecht, schätzt Schneider.

Der beste 124 der Techno

Auf dem Freigelände 1 finden wir schließlich unseren Favoriten, einen E 200 von März 1995, der als "einer der Letzten" angepriesen wird. Das ist zwar so nicht ganz richtig, denn die Limousine wurde bis August gebaut, doch Schwamm drüber. Der Zustand des imperialroten 136-PS-Wagens überzeugt. Der Verkäufer spricht von einem 20 Jahre alten Neuwagen - und so Unrecht hat er damit nicht. Die Laufleistung von 87.000 km sieht man ihm nicht an. Die cremefarbenen Polster wirken wie unbenutzt, die Rücksitzbank ist es wohl auch.

Auch außen gibt es keinen Makel zu entdecken - bis auf eine kleine Delle über dem Infrarot-Empfänger an der Kofferraumhaube. "Da hat wohl mal einer versucht, die Einheit durch Heraushebeln zu demontieren", meint Schneider, "das Problem haben wir immer häufiger: die jungen Kfz-Mechaniker kennen sich mit dem W124 nicht mehr aus. Kein Wunder, dass jetzt die Classic-Center aus dem Boden wachsen."

Zurück zum Auto: Die Datenkarte weist 20 Positionen Zusatzausstattung aus, darunter Automatikgetriebe, orthopädischer Fahrersitz, Mercedes Spezial-Radio, Stereolautsprecher im Heck, CD-Wechsler, Tempomat, elektrische Fensterheber und Schiebedach, Kopfstützen im Fond, Sitzheizung, G-Kat, Feuerlöscher, Colorglas und Wegfall der Typenbezeichnung.

8.500 Euro soll der Wagen kosten, der aus einer Sammlung stammt. "Ein Händler hat mir schon 7.500 Euro geboten", erzählt der Verkäufer, "doch da nehm ich ihn lieber wieder mit." Wahrscheinlich muss er dann noch 2 bis 3 Jahre warten, bis er das Geld bekommt, doch der Verkäufer sieht das gelassen: "Ich hab ja noch Zeit."

Alle Mercedes W124, die wir auf der Techno Classica gefunden haben, zeigen wir in unserer Fotoshow.

Idealer Klassiker für Einsteiger

Der W124 wurde noch von Ingenieuren konstruiert, die auch an morgen denken - in Sachen Reparaturfreundlichkeit spielt der W124 in der ersten Liga, wie auch bei dem Aufwand, um eine luxuriöse Mittelklasse zu bauen, die den Eindruck eines Tresors auf vier Rädern macht. "Da muss man sich nur mal die Schwingungstilger im Cabrio anschauen. Die sind vorne links auf dem Federbeindom, im Windschutzscheibenrahmen und hinten rechts eingebaut. Selbst das Cabrio knarzt und quietscht nicht, liegt satt auf der Straße und verwindet sich zudem nicht", erklärt Reinhold Schneider.

Die Trends in der 124er-Szene: Zwitter am begehrtesten

Aktuell macht Schneider vier  Trends aus. 1. die Zwitter: "Das sind die W124, die von etwa November 1992 bis Juli 1993 gebaut wurde. Die sind sehr selten und verbinden die Optik vom Mopf 1 mit den Motoren und der Technik vom Mopf 2", erklärt Schneider. Mopf steht für die Modellpflege. Einfach zu unterscheiden durch folgende Merkmale: Mopf 0 bedeutet schmale Stoßleisten, Mopf 1 ist an den "Sacco-Brettern" zu erkennen und Mopf 2 durch den Plakettengrill.

Zweiter Trend sind die "Volle Hütte-124er", die durch eine möglichst umfangreiche Ausstattung glänzen. Trend 3 ist das genaue Gegenteil, die kargen "Buchhalter-Autos", die spätestens durch die Abwrackprämie selten geworden sind. "Da sind wirklich viele W124 über den Jordan gegangen. Ein Clubkollege, der gegenüber eines Schrottplatzes arbeitet, hat mir mit Tränen in den Augen erzählt, was damals für schöne Autos gepresst wurde. Da waren Coupés im Neuwagenzustand dabei", so Schneider.

Der vierte Trend: Schräge Farbkombinationen. "Vor ein paar Jahren, war Almandinrot noch verschreien, das wollte niemand haben. Heute stehen die Leute drauf. Vor allem, wenn das dann noch mit Champagner-Leder kombiniert wurde.

Der W124-Club

"In unserm Club haben wir rund 500 Mitglieder mit mindestens doppelt so vielen Autos. Einer besitzt gleich 14 W124 - alles Limousinen", berichtet Reinhold Schneider, der seit 5 Jahren mit an Bord ist. "Eigentlich bin ich ja nicht so ein Vereins-Typ, aber bei uns macht das richtig Spaß. Unser jüngstes Mitglied ist 19, unsere Älteste W124-Freundin schon 93. Die Bandbreite reicht vom Kieferchirurgen bis zum Studenten und Bandarbeiter" - der 124er ist ein klassenloses Auto geworden.

Das Vereinsleben umfasst beim W124-Club Stammtische, Ausfahrten, ein großes Jahrestreffen und Workshops. "Wir haben vor kurzem einen Workshop zum Thema Getriebespülung und zur Vorderachsüberholung gehabt und waren auch schon beim Beulendoktor", erzählt Schneider.

Schon ab 2.000 Euro gibt's Alltags-W124

Dass der W124 noch immer für jeden erreichbar ist, zeigt sich auch bei den Preisen, denn schon für rund 2.000 bis 2.500 Euro gelingt der Einstieg mit einer Limousine im alltagstauglichen Zustand 3. Wer ein Coupé fahren möchte, muss mit rund 4.500 Euro rechnen, die T-Modelle liegen leicht darüber - bei rund 5.000 Euro aufwärts. "Das liegt daran, dass die meist in zweiter oder dritter Hand als Arbeitstier genutzt wurden - das können sie ja auch extrem gut", weiß Schneider, der mit seinem T-Modell auch mal schnell einen Trailer angehängt hat, um einen Brabus-Smart für seine Frau aus Luxemburg zu holen. "Das macht der klaglos mit, da lacht der drüber", freut sich Schneider.

Am teuersten sind die Cabrios, die es ab etwa 10.000 Euro gibt. Doch die Preisspanne ist recht groß, wenn die Laufleistung weit unter 200.000 km beträgt, der Pflegezustand gut ist, das Scheckheft durchgängig geführt wurde und die Ausstattung reichhaltig ist, geht das Cabrio schnell auf die 20.000 Euro zu.

Was beim Kauf entscheidend ist, bringt Reinhold Schneider auf die simple Formel "Zustand entscheidet". "Die Laufleistung ist eigentlich egal, auch bei der Anzahl der Vorbesitzer bin ich nicht so pingelig. Vielmehr geht es um den allgemeinen Pflegezustand und die regelmäßige Wartung. Die beschränkt sich beim W124 allerdings auf Ölwechsel und Inspektion - ich musste zum Beispiel in 14 Jahren noch nie Öl nachfüllen", resümiert Schneider.

Der W124 ist also ein dankbarer Klassiker, der zu Recht zu den beliebtesten Klassikern gehört. Die Suche nach einem guten Exemplar, das auch noch fair eingepreist ist, kann zwar etwas länger dauern, doch sie lohnt sich.

Welche 124er wir auf der Techno Classica 2015 noch gefunden haben, zeigen wir in unserer Fotoshow.

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