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Mercedes C63 AMG, BMW M3, Audi RS4

Gebrauchte Premiumsportler

Audi RS 4, Seitenansicht Foto: Arturo Rivas 42 Bilder

Mit deutlich über 400 PS rocken Mercedes C63 AMG, BMW M3 und Audi RS4 auch als Gebrauchtwagen jede Ausfahrt. Kernige V8-Saugmotoren vertreiben endgültig die muffige Vertreter-Diesel-Aura.

03.09.2014 Frank Mühling Powered by

Forza Deutschland! Im Jahr der Fußball-WM scheint eine Prise Nationalstolz durchaus angebracht. Doch während der Erfolg von Jogis Jungs beim brasilianischen Kickerturnier alles andere als sicher ist, gelten Deutschlands PS-Helden als Platzhirsche par excellence. Den V8-Sportlern Audi RS 4, BMW M3 und Mercedes C63 AMG macht so schnell keiner was vor. Weder Großbritannien, Frankreich noch Italien haben den Mut, über 400 PS sozialverträglich in der Mittelklasse zu verpacken.

Drei V8-Platzhirsche treten an zur Hatz

Und dann noch der Luxus: Was darfs denn sein? Viertürer, Kombi, Coupé oder Cabrio? Auch Lexus und die "Big Three" aus den USA erzielten allenfalls zaghafte Achtungserfolge in diesem Prestige-Segment.

A wie Anpfiff, A wie Audi: 420 PS bei 7.800 Umdrehungen, Achtzylinder-Direkteinspritzer. Quattro-Antrieb. Der 2005 präsentierte Audi RS4 mit dem Kürzel B7 machte schon im Prospekt ordentlich auf dicke Hose. Im sport auto-Test schaffte die knallrote Limousine seinerzeit eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 4,9 Sekunden, damit war das Niveau des Referenzsportwagens Porsche Carrera S erreicht. Auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim erzielte der mit Pirelli-Corsa-Reifen besohlte Audi RS4 eine Rundenzeit von 1.15,4 Minuten - das war schneller als ein BMW M3 E 46 mit Straßenreifen.

Mit diesen Daten im Kopf stürzen wir uns in die Suche nach einem Audi RS4-Gebrauchtwagen mit dem Kürzel B7. Der von 2005 bis 2009 angebotene Audi wurde nur gut 14.000 Mal produziert, entsprechend knapp fällt das Angebot aus. Knapp 20.000 Euro müssen mindestens investiert werden, bei den günstigsten Autos steht dann schon mal eine "2" ganz links auf dem Kilometerzähler. Unser daytonagrauer Avant hat erst knapp 83.000 Kilometer runter und parkt im schwäbischen Herrenberg beim Autohaus Weeber. 82.000 Euro hat der Audi RS4 bei seiner Erstzulassung am 14. Juni 2007 gekostet, 32.900 Euro ruft der Audi-Händler heute auf.

Audi RS4 mit hohen Inspektionskosten

"Die Nachfrage nach gebrauchten S- und RS-Modellen ist momentan eher schwach", so Betriebsleiter Michael Mayer. Prinzipiell gut für den Interessenten, der aber vorher einmal die Preise für die Verschleißteile und Inspektionskosten checken sollte.

Die zum Teil enormen Beträge zeigen, wieso ein A4 TDI schneller den Besitzer wechselt als ein Audi RS4. Immerhin: Der Audi hat im direkten Vergleich mit BMW und AMG die niedrigsten Versicherungstarife. Vertrauen erwecken der supergepflegte Zustand und die Gebrauchtwagengarantie unseres Testexemplars von Audi.

Erwartungsvoll brummelt der 4,2-Liter des Audi RS4 im Leerlauf aus seinen großen ovalen Endrohren. Zum Aufwärmen geht es zunächst einige flüssige Kilometer über Landstraßen. Dass der schnelle Kombi schon 83.000 Kilometer gelaufen ist, spürt man nicht. Alles ist straff und frisch, nichts fühlt sich ausgeleiert an. Die beiden Vorbesitzer waren zum Service immer bei Audi. Mittlerweile liegt die Öltemperatur bei gut 90 Grad, also schnell vom fünften direkt in den dritten Gang runtergeschaltet und "pedal to the metal": Der V8 des Audi RS4 ändert seinen Ton, die Klangfarbe wechselt von dezent zu markant.

Dank Allrad hat der Audi RS4 null Probleme, seine Kraft auf die Straße zu bringen. 40 Prozent gehen an die Vorderachse, 60 Prozent an die Hinterachse. Das Dynamic-Ride-Fahrwerk präsentiert sich trocken, aber nicht zu hart. Die Bremse packt satt zu. Unangenehme Geräusche? Fehlanzeige. Bekannte Schwachpunkte beim Audi RS4 sind leckende Stoßdämpfer und Leistungsmangel. Zahlreiche Einträge in den Internetforen künden davon, dass einige Motoren nicht immer die angegebenen 420 PS erreichen sollen.

BMW M3 verfügt über 420 PS in vierter Generation

420 PS - die gleiche Nennleistung hat auch der BMW M3 mit V8-Motor. Der Urmeter aller Sportlimousinen geht mittlerweile in die fünfte Generation. Grund genug, sich Nummer vier einmal näher anzusehen. Die von 2007 bis 2013 produzierten E90 (Limousine), E92 (Coupé) und E93 (Cabriolet) dürften, sobald der Neue auf dem Markt ist, als Gebrauchtwagen noch interessanter sein. Dabei ist die Auswahl jetzt schon enorm groß. Für 25.000 Euro gibt es 2007er-Coupés mit Handschaltung. Mehr Auswahl gab es erst ab 2008, dann folgten das DKG-Getriebe und die Karosserievarianten Limousine und Cabrio.

Mit 25.000 Euro (Wertentwicklung 2014) rangiert der Münchener BMW M3 zwar deutlich über seinem Ingolstädter Wettbewerber, aber was, bitte schön, gibt es denn neu für 25.000 Euro? Richtig, beispielsweise einen nicht mal halb so starken Opel Corsa OPC.

BMW M3-Vorbesitzerin sattelte auf Pferd und X5 um

Also zurück zum Thema: Unser Objekt der Begierde ist zwar mit 36.500 Euro gut 10.000 Euro teurer als die günstigsten BMW M3, stammt dafür aus dem Frühjahr 2009 und lockt mit attraktiver Ausstattung samt Blechklappdach, rotem Leder und manuellem Sechsganggetriebe. Das Cabrio parkt in Heidenheim/Brenz, ist zweite Hand, und der Tacho steht bei 75.600 Kilometer.

"Die Vorbesitzerin hat sich ein Pferd gekauft. Und einen X5", schmunzelt Rolf Preissing von BMW Kaufmann. Der Verkaufsleiter bestätigt die schwache Nachfrage nach M-Fahrzeugen in den Wintermonaten: "Verstärktes Interesse spüren wir immer um den Frühlingsanfang." Wer also antizyklisch kauft, hat den besseren Verhandlungsspielraum, denn lange Standzeiten kann sich heutzutage kein Händler mehr leisten.

Genug der Theorie, wo ist der Fahrzeugschlüssel? Die Außentemperaturanzeige signalisiert plus 1,0 Grad Celsius, also erst einmal das BMW M3-Klappdach schließen. Sonor brummelnd nimmt der Vierliter-V8 seine Arbeit auf und klingt schon im Leerlauf eine Spur aggressiver als das Pendant von Audi. Das Interieur des BMW M3 mit rotem Leder und Carbon-Zierteilen gefällt auf Anhieb - auch wenn es hier nicht ganz so geleckt aussieht wie im RS4 Avant.

Auf zum 8.000er-Gipfel

20 Minuten später. Power-Taste gedrückt. Die Nadel des Drehzahlmessers im Gebrauchtwagen schwingt sich in Richtung 8.000er-Gipfel. Fuß kurz vom Gas, kuppeln, die rechte Hand bewegt den Schaltstock von Stufe zwei auf drei. Wieder Vollgas. Der V8 des BMW M3 saugt vollmundig an und brüllt seine Lebensfreude aus den vier Auspuffrohren. Gedankenwechsel: Der Mann hinterm Lenkrad ist froh, jetzt nicht in einem X5 mit angekoppeltem Pferdeanhänger übers Land schaukeln zu müssen.

Subjektiv fühlt sich das schwarze BMW M3 Cabrio bissiger, ja stärker an als der zuvor gefahrene Audi RS4. Der Motor hängt unerbittlich am Gas und dreht wie entfesselt. Dafür läuft das Cabrio Spurrillen auf der Landstraße nach. Ein bekanntes Thema in Verbindung mit den 19-Zöllern, vor allem wenn die Verschleißgrenze in Sichtweite kommt. Weitere Schwachpunkte: Modellübergreifend hat BMW bei seinen Benzinern Ärger mit den Zündspulen, auch beim BMW M3 können hier Probleme auftauchen. Dafür kennt der V8-Motor (S65) anders als das V10-Triebwerk (S85) des M5 und M6 keine mechanischen Probleme bei Pleuellagern oder den Vanos-Einheiten.

Der Verbrauch rangiert mit rund 16 Litern auf dem Niveau des Audi. Die Bremsenteile fallen vergleichsweise günstig aus, dafür rufen die Versicherer für den BMW M3 die höchsten Tarife auf. In sämtlichen sport auto-Tests konnte der Bajuware voll überzeugen, egal ob auf der Nordschleife oder in Hockenheim. Auch wenn die Rundenzeit auf dem Kleinen Kurs mit 1.14,2 Minuten nur geringfügig besser ausfiel als beim Audi RS4. Allerdings waren auf dem BMW M3 keine Sportreifen montiert.

Mercedes C63 AMG der Stärkste mit 457 PS

Ebenso wenig wie beim Mercedes C63 AMG, der nach einer Runde auf dem badischen Rennkurs die gleiche Zeit auf der Stoppuhr markierte. Die Power-C-Klasse aus Affalterbach ist mit 457 PS der Stärkste im Verein der hier gesuchten Gebrauchtwagen - kein Wunder bei 6,2 Litern Hubraum. Befürchtungen, der mächtige Big Block auf der Vorderachse könnte für ein kopflastiges Fahrverhalten sorgen, sind unbegründet.

Der M156-Motor bringt nebenbei bemerkt weniger Kilos auf die Waage als das kleinvolumigere S65-Kraftpaket des M3. Dafür liegt das Fahrzeugleergewicht mit über 1,7 Tonnen höher als bei BMW M3 und Audi RS4.

Bei der Suche im Netz entdecken wir einen viertürigen Mercedes C63 AMG von 2008. Perlmuttweißer Lack, schicke 19-Zöller und das Performance Package sind Top-Argumente. Eine Vmax-Anhebung ist ebenso an Bord wie eine PS-Spritze auf glatte 500 PS. Ein Seitenblick klärt auf: Seit Ende 2009 ist der V8-Motor ab Werk mit Performance Package 487 PS stark. Im aktuellen Edition-Modell leistet er heute 507 PS, im limitierten Black-Series-Coupé war er sogar 517 PS stark. Das Brudermodell E63 AMG kam sogar auf 525 PS.

Genug mit Zahlen jongliert, Startknopf gedrückt und Ohren auf: Der Achtzylinder des Mercedes C63 AMG bollert derart aus seinen dicken Endrohren, dass spontan alle Nackenhärchen strammstehen. Beim gemütlichen Warmfahren drängt sich das harte Performance-Fahrwerk in den Vordergrund. Geschmackssache, denn die normale Variante ist schon straff genug. Anders als beim M3 gibt es für den Mercedes C63 AMG keine variable Dämpferkennung.

Gut gebrüllt, AMG

Siebter Gang, Kickdown. Die Drehzahl schnellt auf 5.500, und der AMG-V8 brüllt auf. Mit wummerndem V8-Hardrock und sattem Druck im Rücken geht es zur 7.000er-Marke, dann wechselt die Automatik im Mercedes C63 AMG den Gang. Lenkrad-Paddles und Zwischengas waren damals schon obligatorisch.

Seit der Modellpflege im Sommer 2011 ersetzt das MCT-Getriebe mit nasser Anfahrkupplung und Race Start die Wandler-Automatik. Schnellere Schaltzeiten bringen noch mehr Fahrspaß. Die frühen Siebengang-Automatikgetriebe können mitunter vor dem hohen Drehmoment (600 Nm) kapitulieren, aber erst jenseits der 200.000-Kilometer-Marke. Vom AMG-Motor sind vereinzelt Probleme mit den Hydrostößeln und Nockenwellenverstellern bekannt. Ansonsten gilt die C-Klasse mit dem Kürzel 204 als weitgehend unauffälliges Auto.

Unser Test-Mobil vom Autohaus Koberstein in der Daimler-Geburtsstadt Schorndorf ist bereits 116.000 Kilometer gelaufen, stammt aber aus erster Hand. Ein paar Gebrauchsspuren innen wie außen lassen sich nicht verleugnen, dafür scheinen die 38.900 Euro für den Mercedes C63 AMG attraktiv. Verkäuferin Tanja Döring: "Um die Nachfrage anzukurbeln, haben wir den Preis schon zweimal reduziert."

20 Liter Super Plus schmecken dem Mercedes C63 AMG

Immerhin: Frische Inspektion, 500 PS, kein Vmax-Limiter und die üppige Ausstattung samt großer Bremse und Sperrdifferenzial sprechen für den weißen Viertürer. Dafür reißt der fette V8 an der Tankstelle die größten Löcher ins Konto - 20 Liter Super Plus sind jederzeit möglich. Die Unterhaltskosten des Mercedes C63 AMG unterscheiden sich kaum von den anderen V8-Sportlern, auch wenn die Inspektionen vergleichsweise günstig sind und die Versicherungstarife nicht ganz so hoch ausfallen wie beim M3.

Doch unterm Strich ist eines sicher: Auch bei den Kosten liegt Good old Germany ganz vorn.

Ab auf die Rennstrecke - welcher ist besser?

Alle drei Achtzylinder-Sportler geben auf der Rennstrecke eine super Figur ab. Mit über 400 PS und austrainiertem Fahrwerk lässt sich das Kind im Manne vorzüglich ausleben. Auf engen Rundkursen fällt die kopflastige Gewichtsverteilung des Audi auf. Bei den Hecktrieblern ist in jedem Fall eine Hinterachssperre empfehlenswert (M3: Serie, C63 AMG: Extra). Ein nochmals strafferes Fahrwerk gab es ab Werk für den Audi RS4 und den Mercedes C63 AMG, wobei Letzterer damit im Alltag für viele Geschmäcker zu hart abgestimmt ist.

Die M GmbH bot für den BMW M3 ein geändertes Setup mit elektronischen, variablen Dämpfern als Extra an. Wer sich vorzugsweise auf der Nordschleife tummelt, freut sich sicherlich über eine Vmax-Aufhebung - sonst eiert man womöglich bei 250 km/h im Begrenzer über die Döttinger Höhe. Rennstreckenfahrer sollten sich darüber klar sein, dass die Preise für Verschleiß- und Ersatzteile klassenüblich weit oben angesiedelt sind. Eine Selbstverständlichkeit ist auch, das Objekt der Begierde vor der Zeitenjagd ausgiebig warm zu fahren und ihm eine Abkühlrunde zu gönnen. Versierte Hobbyracer spendieren ihrem Schätzchen alle 5.000 km einen Ölwechsel - davon profitiert die Standfestigkeit des Motors.


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