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Mercedes Classic Center Irvine

Ein Ausflug in die Mercedes-Traumfabrik

Mercedes Classic Center Irvine Foto: Stefan Grundhoff, press-inform 23 Bilder

Exklusiver Blick ins einzige amerikanische Mercedes Classic Center: Im Süden von Kalifornien gibt es mehr teure und erhaltenswerte Oldtimer als irgend anders auf der Welt. Das dachte sich auch die Daimler-Führung, als vor mehr als fünf Jahren die Entscheidung fiel, ein Classic Center auf US-Boden ins Leben zu rufen. Seit rund dreieinhalb Jahren stehen die finanzstarken Kunden Schlange und bringen ihre historischen Lieblinge zu Durchsicht, Instandsetzung oder Komplettrestauration nach Irvine.

06.06.2010

Die anderen Autohersteller haben seit Jahren ein Auge auf die Außenstelle des historischen Mercedes-Centers Fellbach, nahe Stuttgart, geworfen. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Traditionshersteller wie BMW, Porsche oder Ferrari ebenfalls ein amerikanisches Classic Center ins Leben rufen.

Der Verkaufsraum des Mercedes Benz Classic Center ist ein Traum

Bereits der Verkaufsraum dürfte den meisten Automobilfans einen sanften Schauer über die Rücken laufen lassen. Direkt links hinter dem Eingang steht ein weißer Mercedes 560 SL der Baureihe R 107 von 1987. Ein wahres Schmuckstück; natürlich im Originalzustand. Der weiße Sonnenanbeter mit beigen Ledersitzen glänzt mit Vollausstattung und einem stattlichen Preis von 38.000 Dollar. Willkommen im Oldtimer-Paradies - günstig ist hier nichts.

Das wird dem Besucher spätestens schmerzhaft bewusst, als der Blick auf einen dunkelgrauen Mercedes 300 SC fällt. Das mächtige Cabriolet aus dem Jahre 1956 ist eines von jemals 49 gebauten Fahrzeugen. 175 PS, ein perfekter Restaurationszustand und der seltene grafitgraue Lack sprechen ebenso für sich wie die graue Innenausstattung - und der Preis: 595.000 Dollar.
Die Dame hinter dem schmuckvollen Empfangstresen lässt einen erst einmal in Ruhe. Sie sieht es wohl nicht zum ersten Mal, dass einem Besucher des Classic Centers die Augen übergehen.

Hinten rechts im Ausstellungsraum steht ein strahlend weißer Mercedes 450 SEL 6.9. Auf dem Scheibenwischer prangt das handschriftliche Schild: 229 Meilen. Wohl ein Schreibfehler, aber der Zustand der Luxuslimousine von einst scheint für 229.000 Meilen prächtig zu sein. Die Fahrertür lässt sich öffnen. Der Wegstreckenzähler zeigt 229 Meilen - ohne die erwarteten Nullen dahinter. Der Innenraum ist mit dunkelblauem Leder ausgeschlagen. Luxusradio, Sitzheizung vorne und hinten, Klimaautomatik - "fully loaded" heißt so etwas in den Staaten. Das gilt auch für den Preis: 175.000 Dollar.

Gleicher Service im Mercedes Benz Classic Center Irvine wie in Stuttgart

Mit einem schwachen Autogemüt sollte man um das Classic Center in Irvine guten Gewissens einen Bogen machen. Denn im Ausstellungsraum selbst stehen nur einige Fahrzeuge; eben die, die auch verkauft werden sollen. Die Preziosen, die derzeit restauriert werden, parken in den Werkstatthallen dahinter. Michael Kunz leitet das Classic Center seit seiner offiziellen Eröffnung vor mehr als drei Jahren: "Das Ganze hier hat sich prächtig entwickelt. Auch wir wussten damals natürlich nicht, ob die Kunden unser Angebot annehmen würden." Sie nahmen - aus den ganzen USA kommen seither Fahrzeuge in die Region Orange County, südlich von Los Angeles. Die einen bringen einen Flügeltürer zur Inspektion, andere lassen eine Beule am 107er instandsetzen und ein anderer sucht den passenden Retro-Roadster als Geburtstagsgeschenk für seine Frau.
 
"Wir machen hier all das, was wir auch in Stuttgart im Classic Center machen können", erklärt Michael Kunz,"nur eben etwas kleiner." Auf dem Hof hinter dem Gebäude glänzt unter anderem ein Mercedes 300 TD Turbodiesel von 1985. "Der Kunde aus der Nähe von San Francisco brachte den Wagen vor einiger Zeit zu uns, weil er ihn nach wie vor jeden Tag als Alltagsfahrzeug weiter nutzen will und ein paar Mängel ausgemerzt werden mussten. Der Wagen ist erster Hand und hat 230.000 Meilen gelaufen", erklärt Kunz weiter, "die komplette Instandsetzung innen und außen mit neuem Lack und so weiter lag letztlich bei mehr als 40.000 Dollar. Viel Geld für Auto, das eigentlich viel weniger wert ist. Aber der Wagen ist nun einmal ein Erinnerungsstück. Wir haben viele solcher Kunden." Rund die Hälfte des Umsatzes macht das Classic Center mit dem Teileverkauf. Mehr als 40.000 Ersatzteile liegen im Lager bereit. Werden andere Komponenten gebraucht, werden die innerhalb von 48 Stunden aus Stuttgart angeliefert.
 
Rund 20 Personen arbeiten aktuell im Classic Center in der Whatney Avenue in Irvine; davon allein acht Techniker in der Werkstatt. Die können sich Tag für Tag darauf freuen, Schmuckstücke wie seltene Flügeltürer oder sogar Rennversionen des 300 SL wieder in Schuß zu bringen. "Meistens kommen die Kunden mit größeren Instandsetzungen zu uns. Solchen Sachen, die in den Mercedes-Filialen nicht mehr gemacht werden können", erklärt Classic-Leiter Kunz. Ebenso wie die Kaufangebote im Schauraum sind auch die Werkstattarbeiten im Classic Center nichts für Sparfüchse. Die teuerste Arbeit der letzten drei Jahre war eine Komplettrestauration eines Mercedes 230. Die kostete rund eine halbe Million Dollar.

Mercedes 150 Sportroadster war Langzeitprojekt im Mercedes Benz Classic Center

Trotzdem dürfte der Gesamtwert des Fahrzeugs deutlich unter dem des roten Mercedes 150 Sportroadsters von 1934 liegen, der in den letzten Monaten in Irvine wieder auf die Räder gebracht wurde. Seit 1949 hatte der Mittelmotor-Roadster im Museum und in Abstellhallen gestanden; war keinen Meter gefahren. Nate Landers kennt den 150er mittlerweile wie seine Westentasche: "Ich habe zuletzt 31 Tage am Stück mit diesem Mercedes verbracht. Der Wagen ist seit den 40er Jahren nicht mehr bewegt worden." Es war eines der aufwendigsten Projekte, die das Mercedes Classic-Center seit seiner Eröffnung zu bewältigen hatte.

Nate Landers trägt Schiebermütze und Sonnenbrille; er arbeitet seit acht Jahren bei Mercedes. "Gelernt habe ich meinen Job bei einem neunmonatigen Lehrgang in Stuttgart", erinnert sich der 27jährige Autofreak, "vorher habe ich ein paar Jahre Autorestaurierung studiert. Privat fahre ich eine Heckflosse. Die Oldtimer von Benz waren schon immer meine Leidenschaft." Wem dürfte es anders gehen, wenn er beim Verlassen der Werkstatt durch das imposante Regallager muss, in dem keine Kisten, sondern Luxusfahrzeuge gestapelt sind.
 
Erst beim Herausgehen aus dem Werkstatttrakt fällt ein weiteres Schmuckstück ins Auge, das das einzige seiner Art sein dürfte. Ein dunkelblauer Mercedes 300 S Kombi aus dem Jahre 1956. Sieht aus wie der erste Lifestyle-Tourer aus dem Hause Daimler mit roten Ledersitzen und klassisch-dunkler Lackierung. Auch der steht zum Verkauf - für gerade einmal 242.000 Dollar. Das Classic Center ist gerade in Kalifornien insbesondere eines - eine automobile Traumfabrik.

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