Mercedes: Die Zukunft von E-Klasse und Co.

2006 bekommt die von Qualitätsproblemen geschüttelte Mercedes E-Klasse ein Facelift, 2009 steht der Nachfolger an. Und weil bei der Neuauflage nichts ins Auge gehen darf, muss aus dem Nachfolger eine Augenweide werden.

Vier Augen sehen mehr als zwei - und deshalb bleibt Mercedes dieser Designphilosophie mit dem Modellwechsel treu. Aber die Optik wird geschärft. Es sind keine Kugelaugen mehr, mit denen die E-Klasse ins ernste Fach der oberen Mittelklasse schaut, sondern eckiger anmutende Glassteine. Das passt zum Anspruch, noch etwas erwachsener zu werden als bislang. Der Radstand des 4,82-Meter-Autos legt um rund 20 Millimeter zu und sorgt in Kombination mit einem neu gestalteten Innenraum für ein besseres Raumgefühl. Speziell der Fußraum für Fondpassagiere soll nun eine Schuhnummer größer ausfallen.

Nicht alles von der S-Klasse wird herunter gereicht

Entgegen manchen Erwartungen wird von der S-Klasse nicht alles heruntergereicht, was gut und teuer ist. Das Aktiv-Fahrwerk Active Body Control wird es hier nicht geben. Die E-Klasse bleibt ihrer Fahrwerksphilosophie mit Vierlenkerachse vorne und Raumlenker-Hinterachse treu. Zur Wahl stehen Stahl- oder Luftfedern in der verfeinerten Airmatic-Version. Doch wenn es ums Thema Sicherheit geht, ist S Vorbild für E. Pre-Safe mit Vorsorge-Maßnahmen bei Unfallgefahr (Gurtstraffung, Scheiben und Schiebedach schließen automatisch) kommt ebenso zum Einsatz wie die Distronic mit automatischer Stop-and go- Funktion im Stau und der Bremsassistent Plus, der über ein Nahbereichsradar Hindernisse erkennt und eingreift, falls der Fahrer nicht stark genug aufs Bremspedal drückt. Kommt es dennoch zu einem Unfall, soll in der E-Klasse erstmals ein Knieairbag die Folgen mildern. Im Innenraum weht nun deutlich stärker der Geist der S-Klasse, um dem bislang eher nüchternen E-Modell mehr Glanz und Glamour zu verleihen.

Viele Interieur-Teile bis hin zum zentralen Dreh-Drücksteller in der Mittelkonsole werden übernommen, wobei der große Bildschirm des Comand-Plus-Systems wegklappbar sein wird, um den Innenraum nicht zu stark zu dominieren. Ein neues Armaturenbrett ermöglicht auch die Option des Nachtsichtgerätes für die gehobene Mittelklasselimousine Jahrgang 2009. Um nicht völlig abzuheben, bleibt es im Motorenprogramm an der Basis bei Vierzylindern - wie bisher mit nur 1,8 Liter Hubraum zugunsten des Verbrauchs, aber mit Aufladung, voraussichtlich in dieser Modellgeneration erstmals mittels Turbo, da Mercedes den schwereren Kompressor generell durch den leichteren Abgaslader ersetzen will. Es beginnt mit 175 PS auf der Benziner-Seite und endet jenseits der 500-PS-Marke in der AMG-Variante. Fast sicher ist, dass die E-Klasse mit Blick auf den enorm wichtigen US-Markt Dieselmotoren mit Harnstoffeinspritzung zur Reduzierung von Stickoxiden bekommt. Bei dieser SCR genannten neuen Technologie assistieren Bosch mit der Entwicklung von Einspritzdüsen und Conti mit dem notwendigen Schlauch, der vom Harnstofftank zum Kat führt, beheizbar sein muss und deshalb in aufwendiger Nano-Beschichtung gefertigt wird. Eine saubere Sache ist auch der in Vorbereitung befindliche Mild-Hybrid mit Start-Stopp- Automatik. Kraftstoff sparen will Mercedes zudem mit der Überarbeitung des Allradantriebs 4-Matic. Hier sollen Gewicht und Bauraum deutlich verringert werden, so dass es keine Wölbungen im Fußraum der E-Klasse mehr geben soll. Neu ist die Koppelung mit der modernen Siebengangautomatik, denn bislang ist 4-Matic nur in Kombination mit dem Fünfgangautomaten zu haben. Es werde wieder Licht im zuletzt etwas düsteren Kapitel der E-Klasse - und deshalb werden die Scheinwerfer schon mit der Modellpflege im nächsten Jahr mit den Gierraten-Sensoren des ESP gekoppelt. So erkennen sie, ob sich das Auto auf der Landstraße, der Autobahn oder kurvenreichen Strecken bewegt, und sorgen automatisch für den optimalen Lichtkegel.

2006: Große AMG-Offensive

Das G-Modell musste sich um sein Image noch nie Sorgen machen, wobei manchem waschechten Offroad-Freak der sich langsam anbahnende Abschied vom bisherigen Leiterrahmen- Auto zugunsten des modernen GL auf M-Klasse-Basis ein Dorn im Auge sein dürfte. Sei’s drum: Auf der Auto Show in Detroit feiert der neue Siebensitzer im Januar seine Premiere, ab September ist er hier zu Lande im Handel. Im Gelände kann sich keine der Mercedes-Limousinen mit dem GL messen - aber auf der Straße in den vier für 2006 anstehenden AMG-Versionen. Es debütieren der S 65 AMG (Zwölfzylinder mit 612 PS) sowie die V8-Modelle CLK 63 AMG (482 PS), E 63 AMG (515 PS) und CLS 63 AMG (515 PS) - mit dem neuen AMG M 156-Hochdrehzahlmotor, dem aber keine lange Lebensdauer bevorsteht. Die ursprünglich geplante Aufladung erweist sich als zu teuer, deshalb wird dafür der neue Mercedes-V8 genutzt werden. In Zukunft wird es keine aufwendigen Eigenentwicklungen aus Affalterbach mehr geben, sondern wie früher eine enge Koppelung an die Serie. Die Strategie: AMG-Varianten sind mindestens 50 PS stärker, beschränken sich aber auf maximal 612 PS. Die Zwölfzylinder-Variante schafft dann jedoch 1.200 statt 1.000 Newtonmeter - in Kombination mit einem neuen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Geballte Kraft also, mit der sich Mercedes nachdrücklich zurückmelden möchte.

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Birgit Priemer

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