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Mercedes F-Cell Word Drive Tag 22

Geschwindigkeitsrausch in Palo Alto

Mercedes F-Cell World Drive, 22. Etappe Foto: Dieter Rebmann 23 Bilder

Am 22. Tag des Mercedes F-Cell World Drive muss der Tross die Schönheit Montereys links liegen lassen, dafür gibt es andere Attraktivitäten, und außerdem haben wir eine wichtige Verabredung.

12.03.2011 Markus Stier

2 von 2 Befragten wählen Monterey als schönsten Ort der USA

Eine Spontanumfrage ergibt, das 100 Prozent der Amerikaner auf die Frage nach dem schönsten Platz in den Vereinigten Staaten Monterey in Kalifornien wählen. Zugegeben, bei nur zwei Befragten ist die Untersuchung nicht ganz repräsentativ, Terry und Jeff in B-Klasse Nummer drei sind sich jedenfalls absolut einig. Für den Erstbesucher Südkaliforniens wäre es natürlich wissenswert, wo das Geheimnis der Schönheit des ehemaligen Fischernests 200 Kilometer südlich von San Francisco zu finden ist, aber mal wieder haben wir keine Zeit. Wir sind verabredet.

Morgens um halb sieben rollt der Tross noch mit Restsand in den Augen wieder nach Norden. Sand gibt es auch reichlich vor dem Auge. Die Bundesstraße eins führt direkt am Meer entlang und gibt immer wieder den Blick auf grandiose Strände mit Ehrfurcht gebietenden Klippen frei. Und dann die Wellen.

Eine Wüste aus Schlick

Für den Inlands-Deutschen ist das schwer zu fassen. Er von Kindesbeinen an ist darauf konditioniert, sechs Stunden im (damals selbstverständlich unklimatisierten) engen Auto zu sitzen, sich durch den Elbtunnelstau zu quälen, weitere Endlosigkeiten abzusitzen, voller quälender Vorfreude auf unendlich viel Platz, einer erfrischenden Brise und - das Meer. Mit pochendem Herzen und rasselnder Lunge stürmt der am Ende Schafe und Kühe in Panik versetzend den Deich hinauf, um dann oben erschüttert inne zu halten. Vor ihm liegt eine Wüste aus Schlick. War ja klar, Ebbe. Kommen Sie in sechs Stunden wieder, lautet der freundliche Rat des Ortskundigen. Aber dann ist Nacht.
 
Watt, watt is datt? fragt sich der Kalifornier, denn hier rollen die Wellen egal um welche Zeit immer Schaum gekrönt mit angemessenem Rauschen die Küste an, 24 Stunden am Tag. Er Anblick und Klang rauschenden Wassers weckt allerdings den Harndrang, und nach diversen starken Morgenkaffees sind diese nun erst einmal wegzubringen. Irgendwo im Nirgendwo steht eine Häusersammlung mit einladendem Cafe am Ufer.

Pulliärmel wird zum Pelz

Drinnen sitzt Guy am Fenster und blickt abwechselnd in die Morgenzeitung und auf seinen alten Volvo-Kombi, denn in dem warten die Hunde. Denali, ein Huskymischling berüßt die Ankommenden durchs geöffnete Fenster, Baxter sagt nur Hallo, wenn du einen Ball dabei hast. Denalis dickes, weiches Fell ist die Attraktion des Morgens, und sie verschenkt Selbiges in großzügigen Portionen. Ruckzuck ist der Pulliärmel zum Pelz geworden, selbst am stumpfen Lack des Volvo hängen dicke Haarknäuel. Guy schaut auf den Fuel Cell-Schriftzug unserer Autos und meint: "Das wäre was, wenn Ihr eines Tages Autos mit Hundehaaren antreiben könntet." Guy ist Biologe und sagt: "Schade, dass Ihr so wenig Zeit habt. Sonst hätte ich Euch mit zu den Seeelefanten genommen, die haben gerade Junge gekriegt." Guy ist nur ein bisschen neidisch auf Weltreisende. Wer jeden Morgen hier in Ruhe seinen Kaffee trinkt und auf ein Meer blickt, das immer da ist, der ist selbst zu beneiden.

Riesenslalom auf Asphalt

Unvermittelt führt hinter dem Bufano State Park ein Abzweig in die Berge. Seit dem 30. Januar, dem Aufbruch in Stuttgart haben wir keine so kurvenreiche Straße gesehen. Für amerikanische Verhältnisse ist die Piste sogar ausnehmend eng und winkelig. Kehre um Kehre schraubt sie sich nach oben, führt über Buckel und Senken im Links-Rechtswechsel durch den Wald. Es ist wie Riesenslalom auf Asphalt. Das Navi meldet sich ab, Handyempfang gibt es auch keinen. Das verhindern die Mammutbäume, deren Stämme 30 Meter tiefer am Hang aus dem Boden wachsen, und deren Kronen uns noch mal um 20 Meter überragen und den Tag verdunkeln.
 
Das Ziel liegt jenseits der Berge im Tal von Palo Alto, wo auf einem Gelände der Stanford-Universität die Firma Tesla ihr Lager aufgeschlagen hat. Nicola Tesla war ein Genie und Pionier. Er brachte der Menschheit den Wechselstrom, der viel leichter zu transportieren ist als Gleichstrom. Verschwörungsfreunde aus aller Welt wissen, dass der Serbe sogar daran arbeitete, elektrische Energie durch die Luft zu transportieren, und selbstverständlich haben finstere Mächte dafür gesorgt, dass er seine Erkenntnisse unbewiesen mit ins Grab nehmen musste.

Zu Besuch bei Tesla

Auch die nur namentlich mit ihm verwandte Firma Tesla versteht sich als Pionier. Sie will beweisen, dass das Elektroauto eine Zukunft hat und sogar Spaß machen kann. Drei Mal stand das Unternehmen vor dem Abgrund, zur Zeit entwickelt man nach dem auf dem Lotus Elise basierenden Tesla-Roadster eine Limousine, die demnächst fünf Erwachsenen und zwei Kindern Platz bieten kann.
 
Möglich macht’s wie bei unseren Brennstoffzellen die Unterflurtechnik. 7.000 Lithium-Ionen-Zellen hängen in einem großen Blechkasten im Kingsize-Bett-Format unter dem Auto. Die Entwicklung möglich macht unter anderem eine dicke Finanzspritze aus Washington. "Das Auto hat die Länge eines 5er-BMW oder eine Mercedes-E-Klasse, ist aber ein Stück breiter. Wir wollen die doppelte Kofferraummenge realisieren wie bei einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor", sagt Ali Javidan, Chef der Prototypen-Entwicklung.

"Deren Erfolg ist auch unser Erfolg"

Sein Kollege von der Geschäftsentwicklung kündigt gleich noch für 2015 ein eher kompaktes Modell an, dass dann auch erschwinglich sein soll. Bisher kostet ein Tesla um die 100.000 Dollar. Am gleichen Tisch sitzt auch Johann Jungwirth, Geschäftsführer der Daimler-Forschungs-Abteilung Nordamerika. Doch anstatt aschfahl im Gesicht zu werden, wenn Tesla demnächst im Mercedes-Revier wildert, trägt er ein fröhliches Lächeln im Gesicht. „Deren Erfolg ist auch unser Erfolg. Wir sind schließlich mit knapp zehn Prozent an Tesla beteiligt.“
 
Um zu beweisen, dass es mehr als einen Weg in die Zukunft gibt, warten draußen zwei Roadster. Was für ein Gefühl. Nach zwei Wochen ständiger Selbstbeherrschung, vor lauter Zurückhaltung zu einem Klumpen verkrampftem Gasfuß und ständigem Schielen auf die Verbrauchsanzeige dürfen wir mal richtig Gas geben. Der Tesla beschleunigt nicht nur für ein Elektroauto gut, er bescheunigt besser als viele Supersportwagen. 400 Newtonmeter katapultieren die Insassen in vier Sekunden auf 100 km/h.

Stier zeigt, wie ein Deutscher Auto fährt

Um zu verhindern, dass wir flüchten, sitzt auf dem Beifahrersitz Mira. "Wow, Ihr Deutschen geht so locker mit hohen Geschwindigkeiten um", sagt sie, während das Elektroprojektil mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit über eine Kuppe mit Rechtsbogen schießt. Gut, dass sich Mira seit neuestem um die Pressearbeit für Europa und nicht mehr die Rechtsabteilung leitet. Wir mussten nicht mal die Haftungsverzichtserklärung unterschreiben. "Deine Haare sind ja ganz schön durcheinander geraten", meint ein Mitarbeiter bei der Rückkehr mit Hinweis auf ihren braunen Schopf. "Das hat Spaß gemacht", sagt sie und spricht damit absolut für beide Insassen des Autos.
 
Wir wollen die Kirche im Dorf lassen. Natürlich wäre die Gaudi auf der Rennstrecke in Laguna Seca bei vollem Tempo spätestens nach rund 80 Kilometern vorbei. Aber Tesla kann auch Langstrecken. Schon vor einem Jahr umrundete ein Roadster in mehreren Monaten die Welt, sozusagen von Steckdose zu Steckdose. Tanken? Weltreise? Da war doch noch was. Ach ja, wir müssen leider weiter. Am Flughafen von San Francisco wartet der Wasserstoff-Truck. Der Weg ist nicht weit, und jetzt, wo das rechte Fußgelenk wieder beweglich ist, geht auch die B-Klasse plötzlich gar nicht so schlecht vorwärts.

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