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Mercedes F-Cell Word Drive Tag 23

Die Welle erreicht Kalifornien

Mercedes F-Cell World Drive, 23. Etappe Foto: Dieter Rebmann 26 Bilder

Am 23. Tag des F-Cell World Drive machen sich die Brennstoffzellen-Autos auf den Weg nach Sacramento. Derweil rollen die Ausläufer einer Katastrophe auf die kalifornische Küste zu.

13.03.2011 Markus Stier

Der Morgen fing ganz harmlos an. Im Gegensatz zum Nebel verhangenen Vortag erwachte San Francisco mit Sonnenschein. Es ist immer wieder ein kleines Wunder, dass San Francisco überhaupt erwacht.

F-Cell World Drive erreicht Hollywood 3:37 Min.

Wie der ganze westliche Teil Kaliforniens hockt die Stadt auf einer Erdspalte aus der seit zig Millionen Jahren Feuer und Donnergrollen kommen. Am San Andreas-Graben reiben sich die pazifische und die amerikanische Erdplatte. Die wüstesten Auswirkungen seit Menschengedenken waren die Explosion des Mount St. Helens in Oregon und das große Erdbeben, das 1906 San Francisco heimsuchte. Viele Häuser, die das Beben nicht selbst umwarf, zerstörte das ausbrechende Feuer.

Kalifornien, ein Hort von Sekten und Spinnern

Seitdem hat es in Kalifornien keinen schweren Erdstoß mehr gegeben. Die Seismologen behaupten schon seit Jahrzehnten, dass die nächste Katastrophe überfällig ist. Aber der Mensch ist zäh und stur, er lässt sich nicht gern vertreiben, und so haben die Kalifornier mehr oder weniger gelernt, mit der drohenden Gefahr zu leben. Es gibt Statistiken die besagen, dass es an keinem Flecken der Welt mehr Sekten gibt als in Kalifornien, böse Zungen behaupten, auch nirgendwo mehr Verrückte, und angeblich ist der Verbrauch an Schlafmitteln im "Golden State" höher als sonst wo auf der Welt.
 
Als sich San Francisco heute den Schlaf aus den Augen reibt, traut es seinen Augen nicht. Die Nachrichten sind voll von der Katastrophe in Japan, wo nach dem schwersten Beben seit 140 Jahren 10.000 Menschen vermisst werden, vermutlich sind Tausende ums Leben gekommen. Ein Atomkraftwerk steht vor dem Supergau. Die Eruption hat eine Flutwelle ausgelöst, die in der Nacht den westlichsten US-Bundesstaat Hawaii getroffen und Verwüstungen angerichtet hat. Glücklicherweise war die Bevölkerung hier gewarnt. Es gab Chaos auf den Straßen aber glücklicherweise keine Toten.

Das Meer, glatt wie ein Spiegel

Als unser Konvoi über die engen Kehren der Lombard-Street Richtung Meer und dann über die Golden-Gate-Brücke an diesem strahlenden Morgen nach Norden rollt, ist es schwer zu fassen, dass andernorts auf dem Planeten vor wenigen Stunden ein Inferno ausgebrochen ist. Wie ein Spiegel liegt das Meer in der Bucht von San Francisco. Aus dem gleißenden Glitzern erhebt sich die Skyline und "The Rock", die Insel Alcatraz, dessen berüchtigten Staatsgefängnis selbst Al Capone als gebrochener Mann verließ.
 
Auch wir haben Probleme mit dem Gesetz. Am Aussichtspunkt in Sausalito steht plötzlich die Polizei neben unserem Konvoi. Der Beamte will unsere Drehgenehmigung sehen, die unser Filmteam nicht hat. Immerhin gibt es überraschenderweise keine Strafe, aber die Auflage, den Genehmigungsantrag nachträglich bewilligen zu lassen. Allerdings ist die Idee, noch ein zweites Mal zum Drehen und Fotografieren über die Brücke zu fahren, hinfällig. Was soll’s. Wie sagt eine eiserne Regel in Schwaben: Wenn die Polizei nicht da war, war’s keine zünftige Party.

Probefahrt für die Landesparlamentarier

Ohnehin ist nun Schluss mit Foto und Film, die Uhr läuft, und um zwölf sollen die Autos gewaschen und vollgetankt vor dem State Capitol in Sacramento stehen. Einige Mitglieder des Landesparlaments und interessierte Bürger der kalifornischen Hauptstadt sollen die Gelegenheit für eine Probefahrt bekommen. Die Mercedes-Truppen tun ein bisschen hektisch und geheimnisvoll.

Irgendwer hat schon in Florida das Gerücht verbreitet, der Governator würde den Weltreisenden seine Aufwartung machen. Schauspieler Arnold Schwarzenegger hatte bis zum Jahresende das Privileg, als einer der wenigen Nicht-US-Bürger einen Bundesstaat zu leiten, dazu den drittgrößten und meistverschuldeten der Vereinigten Staaten. Vom Parteibuch her Republikaner, machte er dennoch reichlich demokratische Politik. Selbst Präsident George W. Bush kriegte sein Fett weg, als er bei der Klimakonferenz in Kyoto strengere Umweltgesetze vereitelte. Schwarzenegger hat nach Meinung vieler in Kalifornien nicht viel bewegt, aber immerhin hat er ein paar strenge Umweltgesetze auf den Weg gebracht. Und so darf sich Sacramento rühmen, nicht nur den ersten US-Gouverneurs-Sitz zu haben, bei dem der Landesvater seine Notdurft nicht aushäusig verrichten musste, sondern in einem eigens eingerichteten Badezimmer mit Toilette, Sacramento hat auch eine der ältesten Wasserstofftankstellen.

Vorschrift ist Vorschrift - und Amerikaner lieben Vorschriften

Weil diese nun schon elf Jahre auf dem Buckel hat und immer noch die damaligen Sicherheitsvorschriften gelten, muss der Tankwart mit einem blauen Hausmeistermäntelchen und einer Schutzbrille seinen Dienst verrichten. Er kommt sich selbst ein bisschen albern vor, dass er beim Nähertreten immer seine Sonnenbrille abnehmen und das Plastikungetüm aufsetzen muss, aber Vorschrift ist Vorschrift, und die Amerikaner lieben Vorschriften so sehr, dass sie bei deren Einhaltung auch nur selten nach dem Sinn fragen.
 
Sacramento steht immer im Schatten der urbanen Superstars Los Angeles und San Francisco, dabei hat die Stadt am Zusammenfluss des Sacramento River und des American River eine hübsche Altstadt mit angeblich sogar ganz echten historischen Holzgebäuden samt überdachten, hölzernen Bürgerseigen zu bieten. Zudem steht hier die wahre Golden Gate-Brücke. Sie heißt allerdings Tower Bridge und ist keine Hängebrücke sondern eine Hebebrücke, die schon vor 86 Jahren die über sie führende Eisenbahnstrecke an zwei stählernen Pfeilern nach oben kurbeln konnte, um höheren Schiffen die Durchfahrt zu erleichtern. Natürlich hat sie nicht die gigantischen Ausmaße und die herausragende Position und Erhabenheit ihrer Schwester in San Francisco, dafür ist die Tower Bridge aber wirklich komplett mit goldener Farbe bestrichen und nicht mit schnödem Rostschutz.

"Ich glaube, das ist der Tsunami"

Wir gehen erst mal in der Altstadt essen und schlucken zusammen mit dem Salat mit Shrimps die Enttäuschung runter, dass der Governator nicht kommt. Wir treffen ihn, wie gewöhnlich wohl gebräunt, das Strahlegebiss sorgfältig gescheitelt beim Shakehands auf den Gang zum Klo auf einem vergilbten Foto.
 
Aber noch etwas anderes müssen wir runterschlucken. Kurz nachdem wir Golden Gate hinter uns gelassen haben, zeigt Jeff in in Richtung Yachthafen von Sausalito. Eine Welle läuft bogenförmig in die Bucht ein. "Guck mal, ich glaube, das ist der Tsunami." Die Welle ist nicht besonders beeindruckend, vielleicht einen knappen Meter hoch. Der Zufluss bei Golden Gate ist eng und nimmt ihr die Wucht. Die wenigsten aus unserer Reisegruppe haben gesehen, wie die Woge die ersten Boote erfasste. Wir sind auf dem Highway, konnten kein Beweisfoto machen und geraten in den Ruf, Wichtigtuer zu sein, dann kommt eine große Leuchtanzeige mit Hinweis auf Tsunami-Warnung.
 
Die Welle hat bis zum Morgen 12.000 Kilometer über den größten Ozean der Welt zurückgelegt. Obwohl sie an Stärke deutlich verlor, hat der Katastrophenschutz eindringlich die Küstenbewohner gewarnt. Trotzdem haben sich Tausende Schaulustiger in Nordkalifornien am Ufer versammelt. Die Welle war an der Westküste zwei Meter hoch. Sie zerstörte diverse Boote. Drei Tsunami-Touristen hat sie ins Meer gezogen, einer davon wird noch vermisst.

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