Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Mercedes F-Cell Word Drive Tag 25

Ein Kindheitstraum wird wahr

Mercedes F-Cell World Drive, 25. Etappe, Medford-Salem Foto: Markus Stier 19 Bilder

Mercedes schickt drei Brennstoffzellen-Autos um die Welt. auto motor und sport ist immer dabei. Am 25. Tag des F-Cell World Drive steigt Autor Stier kurzzeitig um auf einen 40-Tonner.

16.03.2011 Markus Stier

Was sind wir, als wir klein waren, auf den Wohnzimmersesseln rumgerutscht, bis es endlich anfing. Einmal die Woche kam im Vorabendprogramm "Auf Achse". Manfred Krug und Rüdiger Kirschstein rollten als Kapitäne der Landstraße mit ihren Brummis durch ganz Europa, sahen was von der Welt und mussten jede Menge Abenteuer bestehen. Seitdem war bei Klein-Markus der Traum vom Truckerdasein nie ganz totzukriegen. Und heute wird er wahr. Wenn schon, denn schon. Gibt es etwas Erhabeneres, Eindrucksvolleres und Schöneres als amerikanische Lastwagen?

Freiheit am Steuer des Freightliners

John fährt einen der zwei Service-Trucks auf dem F-Cell World Drive. Früher hat er von Büroartikeln bis Versicherungen alles verkauft, was man sich vorstellen kann, bis er das Büroleben und das Telefon satt hatte. "Ich wollte frei sein und die Welt sehen", sagt er, und das tut er jetzt am Steuer seines 40-Tonnen-Freightliners.

Das Hirn schaltet um auf Truck-Modus

Dank 450 PS und einem extrem kurz abgestimmten Zehnganggetriebe nimmt der Ersatzteiltransporter selbst den Anstieg des Grant-Passes nördlich von Medford ohne große Mühe. Von hier oben sieht die Welt noch ein bisschen anders aus. Über dem restlichen Verkehrsgeschehen zu sitzen, verleiht Souveränität und Gelassenheit. Natürlich kommt der Sattelzug nicht so zügig vorwärts wie die Brennstoffzellen-Autos, aber das Hirn schaltet sich vom ersten Meter an auf Truck-Modus und so ist Zeit eigentlich ein mühelos dehnbarer Faktor.
 
Bevor das hier alles zu philosophisch wird, mischen wir ein bisschen Action in die Sache:  Ein Druckabfall im Pressluftsystem zwingt zum Anhalten. John klettert hinten auf die Zugmaschine, krabbelt unten zwischen die mächtigen Reifen und hat schließlich einen defekten Druckregler als Sündenbock ausgemacht. Irgendwie kann er das Problem beheben, aber ganz hinten am Trailer zischt es immer noch. Wieder kriecht er unter den Laster. "Ein Bremszylinder ist hin", sagt er lapidar. Im Moment ist das kein Problem, denn der Freightliner hat zwei große Luftdrucktanks, in denen mittels Kompressor immer reichlich Druck für Bremse und Federung vorgehalten wird. Demnächst aber muss er eine Werkstatt anlaufen. Dabei ist er sozusagen selbst die Werkstatt, zumindest jedenfalls deren Lager. John hat Teile für sämtliche Fahrzeuge im Begleittross unserer Weltreise geladen.

Als die ersten Siedler noch Leichen aßen

Die kleine Verzögerung ist kein Thema, die Mercedes F-Cell B-Klassen nehmen am Morgen zunächst eine winkelige Route durch die Berge am Crater Lake, und John muss sozusagen als Besenwagen ohnehin hinter dem Tross warten. Der Treck ist ein bisschen im Verzug, aber das hat in Oregon lange Tradition. Nachdem eine befahrbare Route durch die Rocky Mountains gefunden war, zogen 1843 die ersten 100 Pioniere mit ihren Planwagen den 3.500 Kilometer langen Weg nach Westen in ein vermeintlich besseres Leben.

Nicht nur wegen der Indianer war die Route gefährlich, noch schlimmer war das Wetter. 1845 wurden 90 Siedler vom frühen Schneefall überrascht und musste eingeschneit am Donner-Pass kampieren. Rund die Hälfte starb, die anderen überlebten nur, weil sie die Leichen aßen. Der Beliebtheit des Oregon-Trails tat das keinen Abbruch, erst recht nicht, als 1848 in Kalifornien Gold gefunden wurde. Erst mit dem Bau der transkontinentalen Eisenbahn 1869 fanden die Trecks ein Ende.

Die Badehose muss noch warten

Selbst auf der bequemen Interstate lässt sich erahnen, welche Mühsal das Überqueren der Rockies bedeutet haben muss. Auf der Etappe nach Portland verläuft ein Großteil der Strecke über bergiges Gebiet. Am Horizont erheben sich Schnee bedeckte Gipfel, der schönste ist Mount McLoughlin, ein knapp 2.900 Meter hoher Vulkan mit nahezu perfekter Kegelform.
 
Es ist schon surreal, auf die Schneefelder am Horizont zu blicken und gleichzeitig Schilder an den Autobahn-Ausfahrten zu lesen, die in Richtung Westen Meeresstrand versprechen. Es ist eine trügerische Verlockung. Bis die Badehose ausgepackt werden kann, sind es noch knapp 100 Meilen. Am frühen Nachmittag spaßeshalber mal Coos Bay am Pazifik als Ziel eingegeben, verspricht das Navigerät eine Ankunft nach Sonnenuntergang.

Amerika ist so leer

Das ist mal wieder ein schönes Beispiel für die gigantischen Entfernungen in diesem Land. Unsere deutschen Augen, geeicht auf europäisches Maß, blicken auf die Karte und unsere Hirne schätzen, dass es bis zum Pazifik vielleicht ein Dreiviertelstündchen dauern könnte. Die Karten täuschen auch, weil Amerika so leer ist. Entlang der kompletten Nord-Süd-Interstate liegen zwischen Medford und dem Etappenziel Portland mit Eureka und der Landeshauptstadt Salem nur zwei ernsthafte Städte, und es ist nicht so, dass die Route dazwischen mit reichlich kleinen Dörfern übersät wäre.

Unbekannte Dimensionen

Aufgebrochen in Stuttgart führt eine Strecke von knapp 500 Kilometer nach Norden den Reisenden in etwa bis Münster in Westfalen. Auf dem Weg hat er halb Baden-Württemberg und einen Großteil Nordrhein-Westfalens durchquert und im Vorbeigehen Hessen und Rheinland-Pfalz aufgeschnupft. Am Ende hat er sich von Süd- nach Norddeutschland begeben.

Oregon ist mit seiner Ausdehnung von 500 Kilometern von Süd nach Nord nicht einmal einer der besonders großen US-Bundesstaaten. Wer also von Medford nach Portland reist, legt 450 Kilometer zurück und befindet sich immer noch in Oregon.

Festplatte vergessen - und das ganze wieder von vorn

Das ist insbesondere am Nachmittag kein Spaß, denn ein heftiger Sturm fegt über den flacheren Norden und peitscht auf dem Weg nach Salem schwere Regenböen vor unsere F-Cell B-Klassen. Die Landstraßen sind übersäht mit abgebrochenen Zweigen und Ästen. Auch für den morgigen Tag verspricht der Wetterbericht nichts Gutes. Das stört aber nur wenig, denn im schönen Portland am Columbia-River ist ein Ruhetag vorgesehen.

Der gilt natürlich nur für diejenigen, die nicht ihre externe Festplatte mit dem für jedermann zugänglichen, kompletten Backup des eigenen Computers im Hotelzimmer in Medford vergessen haben. Diese begeben sich zum Flughafen, heuern einen kleinen Nissan-Mietwagen an und fahren die ganze Strecke wieder runter und wieder hoch. Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie unglaublich groß die Entfernungen hier in Amerika sind?

Anzeige
Mercedes B 250, Frontansicht Mercedes-Benz B-Klasse ab 285 € im Monat Leasing & Vario-Finanzierung Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Mercedes B-Klasse Mercedes Bei Kauf bis zu 16,09% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige