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Mercedes F-Cell Word Drive Tag 33

Brandschatztag in Georgetown

Mercedes F-Cell World Drive, 33. Etappe, Adelaide-Port Augusta Foto: Dirk Weyhenmeyer 14 Bilder

Mercedes schickt drei Brennstoffzellen-Autos rund um die Welt. auto motor und sport ist immer mit dabei. Der 33. Tag des F-Cell World Drives führt durch Australiens Weingebiete. Dieser Tag hat richtig Feuer. Die Farmer brennen die Felder ab.

05.04.2011 Markus Stier

Wir haben Adelaide Unrecht getan. Der Verkehr am Montagmorgen ist das, was man als geschäftig bezeichnen könnte. Die Stadt ist also doch nicht so tot, wie von einigen Kollegen behauptet. Quicklebendig geht es anscheinend zudem unter den Verandas der hölzernen Häuser zu. Termiten sind Australiens unangenehmste Mietnomaden, abgesehen natürlich von Sarah. Sie ist golden, mit Kostüm ungefähr 1,85 Meter groß und steht jeden Morgen und jeden Nachmittag jeweils zwei Stunden tanzend auf dem Bürgersteig, um das Geschäft für einen lokalen Insektenvernichter anzukurbeln.

Der Zweitjob von Kylie Minogue

"Unangenehm warm wird es unter dem Kostüm erst bei über 33 Grad und das Tanzen fällt auch nicht schwer. Ich habe massenhaft Trans-Music dabei", sagt die junge Dame, die für jede Pose für ein Foto zu haben ist. Nur die Maske will sie partout nicht abnehmen. Es ist irgendwie schockierend, dass sich das jüngste Album von Kylie Minogue offenbar so mies verkauft, dass sie jetzt schon einen Zweitjob annehmen muss.

Die Fahrt heute ist mit 411 Kilometern insgesamt überschaubar. Es tut gut, mal die Verbrauchsanzeige unbeachtet zu lassen und nach Herzenslust die sanften Hügel heraufzubeschleunigen und ohne Reue mit einem fetten Gasstoß einen Lkw zu überholen. Die Reise geht durch Australiens Weinregion. Rebstöcke und Wälder wechseln sich ab. Zudem finden sich in den kleinen Städtchen am Wegesrand schick restaurierte Steinhäuschen, die teilweise noch aus der Kolonialzeit stammen.

Die Motorrad-Festung des Postboten

Unser Scout Phil hat uns empfohlen, in Birdswood das nationale Automuseum zu besuchen, das nicht nur einen kompletten Querschnitt über Australiens Automobilgeschichte bietet, sondern auch diverse Skurrilitäten zu bieten hat wie die BMW von John Todd, einem australischen Postboten, der außer seiner Heimat Europa, Asien und den Mittleren Osten bereiste. Sein Motorrad hat er sich mit Blechen und Schweißgerät zu einer Festung ausgebaut, die an Hässlichkeit ihresgleichen sucht. Dennoch gefiel das Design offenbar einem Türken, denn der stahl Todd seine Maschine am Bosporus. Das ausgestellte Exponat ist schon die zweite Version.
 
Natürlich darf im Museum das Dreirad von Carl Benz nicht fehlen. Um die Ecke steht der Talbot, mit dem Henry Dutton und Murray Aunger am 20. August 1908 in Darwin einliefen, was insofern bemerkenswert ist, als dass sie gerade als Erste mit einem Automobil den australischen Kontinent von Süden nach Norden durchquert hatten. Straßen und Brücken gab es noch nicht, insofern sind 51 Tage für die Reise ein stolzer Wert. Es war allerdings bereits ihr zweiter Versuch. Ein Jahr zuvor soff ihr liebevoll Angelina getauftes Auto in tropischen Regenfällen ab. Auf der erfolgreichen Tour ein Jahr später, machten sie Angelina wieder flott und brachten die Tour mit zwei Wagen zu Ende.

Wir enttarnen die Brandstifter

Dutton und Aunger gerieten bei ihrer Pioniertat auch in diverse Buschfeuer, und wir fühlen uns nach der Mittagsrast in Clare auch ganz pionierhaft, denn am Horizont sind starke Rauchwolken zu sehen. Ein kurzer Abstecher von der Route führt zu einem Stoppelfeld, das komplett in Flammen steht. Australien hat neben großer Hitze schwer mit verantwortungslosen Brandstiftern zu kämpfen, und in diesem Fall gehen die Feuerteufel ganz ungeniert zu Werke. Einen brennenden Lappen hinter sich herziehend, rumpelt ihr Pickup über den Acker. In Sekunden wächst eine Flammenwand aus dem Boden und frisst sich Richtung Westen. Die Aktion ist durchaus legal, und offenbar ist heute ein offizieller Brandschatztag, denn auf der Weiterfahrt finden sich noch drei weitere Rauchsäulen.

Australien ist doch vor der Haustür

Bei soviel Qualm müssen wir natürlich immer mal wieder für eine Zigarettenpause stoppen. Wir halten in Dörfchen, die nur aus zwei Dutzend Häusern zu bestehen scheinen. Die Hauptstraße ist komplett ausgestorben. Der ganze Landstrich wirkt komplett entvölkert. Nur Mercedes-Mann Matthias Brock macht die erstaunliche Erfahrung, dass auch im menschenleersten Dorf Australiens die öffentliche Toilette besetzt sein kann. Fotograf Dirk ist ob der Einsamkeit begeistert: "So habe ich mir Australien vorgestellt. Davor hätte das auch alles auf der schwäbischen Alb sein können."
 
Vielleicht ist es meine Schuld. Vielleicht ist man als zugezogener Stuttgarter einfach zu ignorant, fremdelt zu sehr, ist nicht gewillt, sich auf die Schönheiten Württembergs in voller Gänze einzulassen. Nach unserer Rückkehr werden wir Schwaben bis in seinen hintersten Winkel erkunden. Wer hätte denn gedacht, dass wir gar nicht ans andere Ende der Welt reisen müssen, wo sich doch Eukalyptus-Wälder, goldene Strände und Steilklippen, glitzernde Lagunen und wildes Buschland quasi direkt hinter dem Albaufstieg verbergen?

Ankunft im Hafenstädtchen Port Augusta

Vielleicht muss man nur in Geislingen mal unberechenbar wild von der Hauptstraße abbiegen und schon kommt man wie wir nun an eine Schotterpiste, die zu einem Ort wie Hancocks Lookout führt, wo sich runde Grashügel sanft abfallend bis in die langgezogenen Bucht ergießen, die nach Norden bis zu unserem Etappenziel Port Augusta führt. Über das Hafenstädtchen an der Südküste haben wir bisher nur Abfälliges gehört, insofern macht es wohl nichts, wenn wir dort erst bei Dunkelheit einlaufen.

Schwäbische Alb ohne Känguruhs

Vor lauter schicken Fotomotiven unterwegs, sind wir trotz der kurzen Strecke spät dran. Gegenüber der Bucht legt sich die Sonne schlafen. Bei Hancocks Lookout haben einige Camper ihr Lager aufgeschlagen. "Das ist nicht so schlecht, oder?" fragt ein Melbourner die deutschen Neuankömmlinge. Er ist mit seiner Frau auf einem zweimonatigen Trip Richtung Perth, genau wie wir, nur, dass wir es in zwei Wochen schaffen müssen. Barbecue bei Sonnenuntergang, Panoramacamping ohne Zeitdruck. Wer hätte gedacht, dass wir auf dieser Reise mal neidisch auf andere sein würden?
 
Wir müssen weiter nach Port Augusta, die Tankcrew wartet. Zurück auf der Schotterpiste glotzen wir in die Dämmerung, mal wieder auf der Suche nach Känguruhs, die besonders gern bei Dämmerung aus den Büschen kommen. Phil hat geschwärmt, dass es bei Hancocks Lookout nur so von den Beuteltieren wimmelte, als er die Tour ausbaldowert hat. Was soll ich sagen: Es war wieder mal kein einziges zu sehen. Eine ortskundige Dame wusste zu berichten, dass die ausgiebigen Regenfälle der letzten Wochen den Tieren massenhaft Nahrung bescheren. Wenn sie nicht auf der Suche nach Essbarem sind, bleiben sie schön tief im Busch und zeigen sich nicht. Ohne Känguruhs ist das hier eben auch nur irgendeine hergelaufene Hügellandschaft mit Bäumen und Wiesen, Schafen und Kühen. Könnte auch auf der schwäbischen Alb sein.

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